Axt-Attacke in Bayern – IS-Flagge bei Angreifer gefunden

Ein 17-jähriger Afghane, er kam als Flüchtling nach Deutschland, hat Zugreisende teils schwer verletzt. Erste Ermittlungsergebnisse werden nun bekannt.

Bilder nach dem schockierenden Zwischenfall in einem Regionalzug nach Würzburg: Die Polizei ermittelt am Tatort, wo ein 17-Jähriger die Fahrgäste attackierte. (Quelle: Reuters)

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Ein 17-jähriger Flüchtling aus Afghanistan hat am Montagabend in Bayern mit Messer und Beil Fahrgäste in einem Regionalzug attackiert und dabei mehrere Menschen schwer verletzt. Die Polizei erschoss den Täter auf der Flucht.

Der Jugendliche sei «brutal auf andere Fahrgäste in der Bahn losgegangen», sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in einem TV-Interview. Nach Polizeiangaben wurden vier Menschen schwer, aber nicht lebensbedrohlich verletzt.

Bei den Verletzten handle es sich um eine Familie und einen Freund aus Hongkong, bezieht sich die «South China Morning Post» auf die Hongkonger Behörden. Das sind demnach ein 62-jähriger Vater, eine 58-jährige Mutter und eine 27-jährige Tochter sowie deren 31-jähriger Freund. Der 17-jährige Sohn der Familie blieb unverletzt. Der Zeitung zufolge sollen sich der Vater und der Freund dem Angreifer in den Weg gestellt haben, um die anderen Mitglieder der Gruppe vor ihm zu schützen.

Nach Polizeiangaben erlitt ausserdem eine weitere Person leichte Verletzungen. 14 Menschen standen unter Schock.

Täter flüchtete nach Notbremsung

Etwa 25 bis 30 Menschen sassen in dem Regionalzug von Treuchtlingen nach Würzburg, als der Angreifer kurz vor dem Ziel losschlug. Nachdem der Zug per Notbremse im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld stoppte, sprang der Täter aus dem Zug und flüchtete.

Ein zufällig in der Nähe bei einem anderen Einsatz tätiges Sondereinsatzkommando habe den 17-Jährigen ausfindig machen können und ihn im Ort gestellt. Er sei daraufhin mit seinen Waffen auf die Polizisten zugegangen. Nachdem er nicht gestoppt habe, sei er erschossen worden.

Handgemalte IS-Flagge gefunden

Innenminister Herrmann sprach von einer «wirklich schrecklichen Tat, wie wir sie so in Bayern noch nicht erlebt haben». Ob es einen islamistischen Hintergrund gebe, war zunächst unklar. Am Morgen gab die Landesregierung jedoch bekannt, dass bei dem 17-Jährigen eine Flagge der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gefunden wurde. Bei der Durchsuchung seines Zimmers sei «eine handgemalte IS-Flagge gefunden worden», sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann im ZDF-«Morgenmagazin».

Weiter soll es eine Aussage geben, wonach der Angreifer «Allahu Akbar» (arabisch für: Gott ist gross) gerufen habe, sagte Herrmann. Dies sei aber noch keineswegs erwiesen.

Das Motiv des Mannes ist jedoch noch «völlig unklar». Die Polizei gehe davon aus, dass er als Einzeltäter gehandelt habe. Nach ersten Erkenntnissen handle es sich beim Täter um einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling aus Afghanistan.

Der Regionalzug kam im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld zum Stehen. (Google-Map)

Der 17-Jährige, der ohne Eltern nach Deutschland gekommen sei, habe seit einiger Zeit im Landkreis Würzburg gelebt, in einem Kolpingheim in Ochsenfurt. Zuletzt habe er seit etwa zwei Wochen bei einer Pflegefamilie gewohnt. Die Polizei sei nun intensiv dabei zu ermitteln, wer den jungen Flüchtling erlebt hat und Aussagen über ihn machen kann.

Erinnerung an München

Wegen des Polizeieinsatzes sperrte die Deutsche Bahn am Abend die Strecke zwischen Ochsenfurt und Würzburg. Der Zug stand am späten Abend auf freier Strecke.

Auf die Frage nach weitere Gefahren in der Region antwortete Herrmann: «Wir sind jetzt mit massiven Polizeikräften vor Ort.» Er gehe davon aus, dass die Gefahr vorbei sei. Die Menschen in Bayern könnten am Dienstag sicher Züge besteigen.

Die Ermittlungen richteten sich nun auf das Umfeld des Angreifers und auf die Frage, ob er in jüngster Zeit in irgendeiner Weise auffällig geworden sei, sagte Herrmann. Die Polizei sei nun intensiv dabei zu ermitteln, wer den jungen Flüchtling erlebt hat und Aussagen über ihn machen kann.

Nizza-Nachahmer?

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste befanden sich nach Angaben des Polizeipräsidiums Unterfranken in der Nacht in einem Grosseinsatz. Mehrere Insassen des Zugs hätten einen Schock davongetragen und würden von Einsatzkräften betreut. Die Verletzten seien mit Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht worden. «Über lebensbedrohliche Verletzungen liegt mir nichts vor», sagte ein Polizeisprecher in der Nacht.

Herrmann stellte auch einen möglichen Zusammenhang mit dem Anschlag von Nizza her. Dass es immer Nachahmer von solchen Taten geben könne, sei bekannt. Die Hintergründe des Angriffs in Bayern müssten nun aber sorgfältig ermittelt werden.

Der Fall erinnert an eine Messerattacke vor gut zwei Monaten in einer S-Bahn in Grafing nahe München, als ein Mann einen 56 Jahre alten Fahrgast getötet hatte. Drei weitere wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Der 27-jährige mutmassliche Täter hatte nach seiner Festnahme wirre Angaben gemacht und war deswegen vorläufig in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Nach einer ersten Einschätzung war der Mann aus dem hessischen Grünberg bei Giessen schuldunfähig oder zumindest vermindert schuldfähig. (chk/sda)

Erstellt: 18.07.2016, 22:53 Uhr

Update folgt...

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