BP schiesst nun Gummireste ins Bohrloch

Der Versuch blieb bisher erfolglos, das Bohrloch im Golf von Mexiko mit schwerem Schlamm abzudichten, das Öl sprudelt weiter. Doch BP gibt sich noch bis Sonntag Zeit, das Problem zu lösen – mit neuen Methoden.

Der Livestream von BP dokumentiert das Vorgehen der Roboter in 1500 Metern Tiefe. ACHTUNG: Die Übertragung kann aufgrund der hohen Besucherzahlen zwischenzeitlich überlastet sein.


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Es könne noch bis zum Wochenende dauern, bis feststehe, ob die Operation «Top Kill» die Ölquelle wirklich zum Versiegen bringt, sagte BP-Manager Doug Suttles in Robert, Louisiana. Der Ausgang der Aktion sei offen. BP habe im Verlauf des Manövers zweimal mit hohem Druck schweren Schlamm in die Quelle gepumpt - der Ölfluss wurde dadurch aber nicht gestoppt.

Nach einer vorübergehenden Unterbrechung wurde die Operation «Top Kill» nun wieder fortgesetzt. Die mehrstündige Pause sollte dazu dienen festzustellen, ob bereits Erfolge im Kampf gegen das austretende Öl zu verzeichnen sind. Ausserdem musste neues Material herangeschafft werden.

«Junk Shot»-Methode

BP hat damit begonnen, Gummireste und Fasermaterial in das leckende Bohrloch zu füllen. Die sogenannte «Junk Shot»-Methode ergänze den bisherigen Versuch, das Loch mit Spezialschlamm zu stopfen, sagte BP-Chef Tony Hayward. Ob die Versuche erfolgreich sein werden, lässt sich laut Hayward aber erst in 48 Stunden sagen.

Die Pausen seien vorgesehen gewesen, sagte Suttles. «Es ist nichts schiefgegangen und es läuft nichts anders als geplant.» Bei der «Top Kill»-Methode werden teilweise mehr als 8000 Liter Schlamm pro Minute gegen den Ölstrom gepumpt.

Angaben der US-Küstenwache, der Austritt von Öl und Gas sei dadurch für kurze Zeit unterbrochen worden, bestätigte Suttles nicht. Die Menge sei für eine gewisse Zeit deutlich geringer gewesen, sagte er.

Erst wenn der Gegendruck niedrig genug sei, um das Bohrloch mit Zement schliessen zu können, sei die Operation erfolgreich beendet. Für den Fall des Scheiterns stünden bereits Ersatzmethoden bereit, versicherte der BP-Manager.

BP hat weitere Pfeile im Köcher

Falls der Versuch scheitere, habe BP noch «verschiedene andere Optionen» zum Schliessen des Lecks. Wie viel Öl insgesamt in der Quelle steckt, wolle BP nicht bekanntgeben.

Der Ölkonzern habe bereits Vorkehrungen für den Einsatz einer neuen Technik getroffen, sagte die BP-Sprecherin weiter. Dabei handle es sich um ein Oberflächen-Abdichtungssystem.

Bei dem Verfahren («lower marine riser package») soll das bestehende Steigrohr zur Quelle am Meeresgrund entfernt und durch ein neues, breiteres Rohr mit einer Ringdichtung ersetzt werden. Auf diese Weise solle der Grossteil des ausströmenden Öls und Gases aufgefangen werden.

43 Millionen Liter

Parallel dazu bohre BP weiter an zwei Stellen, um das bestehende Bohrloch zu entlasten. Damit sei am 2. und 16. Mai begonnen worden, sagte die Sprecherin. Diese Zapfquellen sollen innerhalb von drei Monaten einsatzbereit sein.

Rund 1300 Schiffe seien im BP-Auftrag unterwegs, um ausgetretenes Öl aufzusammeln, chemisch aufzulösen oder mit Barrieren aufzuhalten.

Mehr als 43 Millionen Liter Rohöl seien schätzungsweise bislang in den Golf von Mexiko geströmt. Für die Schäden wolle der Ölkonzern vollständig aufkommen, sagte die Sprecherin. «Wir sind stark genug, um die Forderungen zu tragen.»

Schlimmste Ölpest der US-Geschichte

Die US-Regierung spricht inzwischen von der schlimmsten Ölpest der USA. Sie korrigierten die Schätzungen über die Ölmenge dramatisch nach oben. Seit dem Sinken der Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 22. April seien mehr als 36'700 Tonnen Öl ins Meer gelangt.

Damit hätte die Ölpest die von 1989 übertroffen. Damals war der Tanker «Exxon Valdez» vor Alaska verunglückt und es waren rund 35'000 Tonnen Öl ausgetreten.

Die Wissenschafter gehen davon aus, dass täglich zwischen etwa 1600 und 3400 Tonnen Rohöl ausströmen, sagte die Direktorin der US- Geologiebehörde USGS, Marcia McNutt. Bislang war offiziell von rund 700 Tonnen die Rede gewesen. McNutt betonte, auch die Schätzungen seien nur vorläufig.

Bohrungen gestoppt

Als Konsequenz aus der Katastrophe kündigte US-Präsident Barack Obama eine härtere Gangart gegenüber der Ölindustrie an. Es werde für die Firmen künftig wesentlich schwerer, Genehmigungen für Bohrungen in tiefen Küstengewässern zu erhalten, sagte er am Donnerstag in Washington

Ausserdem würden die Sicherheitsanforderungen verschärft. Er wolle die «behagliche und manchmal korrupte Beziehung» zwischen den Behörden und der Ölindustrie beenden.

So setzte Obama zwei geplante Probebohrungen vor Alaska aus und stoppte Verpachtungen im Golf vom Mexiko und vor der Küste des Bundesstaates Virginia. Auch über 30 laufende Bohrungen im Golf wurden gestoppt. Obama wird am Freitag im Bundesstaat Louisiana erwartet - zum zweiten Mal seit Beginn der Katastrophe. (bru/oku/sam/sda/afp)

Erstellt: 28.05.2010, 14:02 Uhr

Die Empörung ist gross: Schild in Grand Isle, Louisiana.

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