Interview

«Bei solchen Winden fallen die meisten Messinstrumente aus»

Der Super-Taifun Haiyan ist mit unvorstellbarer Gewalt auf die Philippinen getroffen. Die Schweizer Firma Meteomedia unterhält in Manila ein Büro. Mitarbeiter Clemens Grohs hat die letzten Infos.

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Der möglicherweise stärkste je registrierte Tropensturm fegt über die Philippinen. Telefonleitungen sind unterbrochen, auch die zu Ihrem Büro in Manila. Welche Informationen haben Sie?
Clemens Grohs: Der Sturm ist letzte Nacht unserer Zeit (Früher Morgen Lokalzeit) auf Land getroffen. Die mittlere Windgeschwindigkeit betrug 235 Kilometer pro Stunde. Es wurden Böen von bis zu 380 Kilometern pro Stunde registriert. Diese letzte Angabe ist aber mit Vorsicht zu geniessen. Denn bei solchen Geschwindigkeiten sind die meisten Messinstrumente nicht mehr zuverlässig oder fallen aus.

Was muss man sich unter einer solchen Naturgewalt vorstellen?
Zum Vergleich: Die maximale je am Säntis gemessene Geschwindigkeit einer Sturmböe ist 230 km/h. Das war am 26. Dezember 1999 während des Sturms Lothar, der vielen noch in Erinnerung ist. In den Philippinen bläst der Wind schon im Mittel mit dieser Geschwindigkeit, mit zahlreichen Böen, die noch viel stärker sind. Es ist mit Sicherheit der stärkste Sturm, der die Philippinen seit über 30 Jahren trifft.

Sind schon Schäden bekannt?
Zurzeit ist kaum etwas bekannt. Die Kommunikation ist für schätzungsweise 70 bis 80 Prozent der Landesfläche zusammengebrochen, Flughäfen in weitem Umkreis bleiben geschlossen, Hunderttausende Menschen sind abgeschnitten. 680'000 besonders Gefährdete wurden laut der Regierung vor dem Sturm in Sicherheit gebracht. Es ist damit zu rechnen, dass man das Ausmass der Schäden erst in den nächsten Tagen genauer beziffern kann. Denn vielerorts werden wohl die Leitungen zerstört, sodass Telefon und Internet noch länger ausfallen.

Es hiess, die Hauptstadt Manila sei weniger betroffen.
Das ist schwierig abzuschätzen. Das Zentrum des Sturms ist auf jeden Fall südlich der Metropole, etwa in der Mitte der philippinischen Inseln, durch. Wie stark Manila «verschont» bleibt, wird sich erst zeigen.

Der Sturm Haiyan soll noch bis morgen Abend wüten?
Ja, die Daten weisen darauf hin, dass sich der Taifun im Laufe des Tages etwas abschwächen wird. Danach könnte er Richtung Vietnam weiterziehen.

Erstellt: 08.11.2013, 12:01 Uhr

Auf dieser Linie fegte der Taifun über über die Philippinen.

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