«Bereits kündigt sich neues Ungemach an»

Mindestens 10'000 Tote hat Taifun Haiyan auf den Philippinen gefordert. Helena Jeppesen von Fastenopfer ist auf der Insel Cebu und schildert ihre Sicht auf die Katastrophe.

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Wie ist die Situation vor Ort?
Ich erhalte immer mehr Berichte von unseren Partnern in den betroffenen Gebieten, von Cerd auf Samar und Pina auf Panay. In diese beiden Projekte sind rund 1000 Familien eingebunden. Von Cerd habe ich eben erfahren, dass die Schäden für die Menschen bei 80 bis 90 Prozent liegen. Betroffen sind vor allem Ernten, aber auch Häuser. Ich persönlich bin von Mindanao im Süden her nach Cebu gekommen, das vom Taifun verschont geblieben ist.

Sind bei Ihren Projekten Todesopfer zu beklagen?
Nein, bisher zum Glück nicht. Es konnten sich offenbar alle in Sicherheit bringen, vor allem in Kirchen, Schulen und Sportstätten. Die Partner von Fastenopfer haben die Evakuierung mit den Leuten aus unserem Projekt im Rahmen des «Desaster Risk Managements» geübt. Das hat sich in den letzten Jahren verbessert. Ohne diese Vorkehrungen hätte dieser Taifun wohl noch mehr Menschenleben gefordert.

An anderen Orten ist es aber nicht so glimpflich abgelaufen. Es sollen mindestens 10'000 Menschen gestorben sein.
Die Situation in den Philippinen ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Die Behörden sind nicht überall gleich organisiert. In einem der Fastenopfer-Projekte mussten wir sichere Orte für Gefahrensituationen einfordern. Die Gemeinde wollte anfänglich nichts davon wissen. Der Taifun hat auch in Gebieten gewütet, die früher wenig von dieser Naturgewalt betroffen waren und deshalb nun kaum vorbereitet waren.

Es soll zu Plünderungen und Gewalt gekommen sein. Könnte die Lage noch weiter eskalieren?
Ich glaube eher nicht und rechne damit, dass die Behörden die Lage unter Kontrolle kriegen. Die Regierung hat viele Polizisten und Soldaten in die betroffenen Gebiete geschickt.

Wie läuft die Hilfe ab?
Die Menschen brauchen nun als Erstes Essen, Trinkwasser, Decken und Notunterkünfte, aber auch medizinische Versorgung. Danach folgt der Wiederaufbau. Doch bereits kündigt sich neues Ungemach an: Morgen soll Taifun Zoraida auf der Insel Hinatuan auf Land treffen. Er hat nicht die Wucht von Haiyan, aber er bringt es dennoch auf 130 Stundenkilometer.

Wie lange könnte der Wiederaufbau nach Haiyan dauern?
Angesichts der grossen Zahl Betroffener wird das lange dauern. Es kommt aber auch sehr auf die Regierung an. Nach dem letzten Taifun vor zwei Jahren ist es mancherorts sehr lange gegangen, bis die Menschen von Notunterkünften wieder in reguläre Häuser ziehen konnten. In manchen Fällen erfolgte der Umzug auch nie. Fastenopfer wird seine Projektpartner beim Wiederaufbau unterstützen. Den Fokus wird das Hilfswerk aber weiterhin auf der mittelfristigen Sicherung der Nahrungssicherheit setzen.

Erstellt: 11.11.2013, 13:30 Uhr

Helena Jeppesen, bei Fastenopfer verantwortlich für das Philippinen-Programm, befindet sich zurzeit auf der Insel Cebu.

Spendenaufruf

Fastenopfer wird die Projektpartner beim Wiederaufbau unterstützen. Den Fokus wird das Hilfswerk aber weiterhin auf der mittelfristigen Sicherung der Nahrungssicherheit setzen. Spenden auf Konto PC 60-19191-7, Vermerk Wirbelsturm Philippinen.

Die Opfer des Taifuns erhalten internationale Hilfe: US-Soldaten im Katastrophengebiet. (Video: Reuters )

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