Notrufe kurz vor Zug-Katastrophe

Ermittler haben in den Zugtrümmern die dritte Blackbox gefunden. Inzwischen werden Details zum Unglück bekannt.

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50 Personen einer Sonderkommission untersuchen den Zusammenprall zweier Regionalzüge in Oberbayern. Im Visier der Ermittler war auch der diensthabende Fahrdienstleiter. Allerdings bestehe gegen ihn kein dringender Tatverdacht, sagte ein Polizeisprecher dem Bayrischen Rundfunk Der Mann sei kurz nach dem Zusammenprall der beiden Züge befragt worden.

Wie das Nachrichtenmagazin «Spiegel» nun berichtet, versuchte der Fahrdienstleiter die Lokführer vor dem Zusammenstoss zu warnen. Über ein spezielles Mobilfunknetz der Bahn habe er zwei Notrufe abgesetzt. Der erste habe die Lokführer wohl wenige Momente vor dem Unglück erreicht. Bei der zweiten Warnung hätten sich die Züge wohl bereits ineinander verkeilt, heisst es im Artikel. Das Magazin schreibt nicht, woher es seine Informationen hat. Es wird lediglich ein Sprecher des Eisenbahn-Bundesamtes zitiert, der bestätigt, dass der Zugfunkverkehr zwischen dem Stellwerk und Lokführern bei den Ermittlungen ausgewertet werde.

Derweil haben Ermittler die dritte Blackbox in den Zugtrümmern entdeckt. Sie werde jetzt den Gutachtern zur Auswertung übergeben, sagte eine Polizeisprecherin am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Die beiden anderen Blackboxes waren bereits gefunden worden und werden ausgewertet. Wie der Bayrische Rundfunk unter Berufung auf Polizei und Staatsanwaltschaft berichtet, könne es aber noch Wochen dauern, bis die Unfallursache geklärt ist.

Schwierige Bergungsarbeiten

An der Unglücksstelle wurden derweil am Freitag die Bergungsarbeiten fortgesetzt. Ob sie bereits im Laufe des Tages beendet werden können, war zunächst unklar. Am Donnerstag sind bereits mehrere fahrfähige Teile weggeschleppt worden. Nach Angaben des Bayrischen Rundfunks gestalten sich die Bergungsarbeiten äusserst schwierig. Da sich die Unglücksstelle in einem Waldstück an einer Hangkante befinde, sei sie für die Einsatzkräfte schlecht zu erreichen.

Bei dem schweren Zugunglück am Dienstagmorgen waren elf Menschen ums Leben gekommen. Mehrere schwerverletzte Passagiere befinden sich noch in kritischem Zustand. Nach Angaben der «Süddeutschen Zeitung» hat der Zugbetreiber Transdev den Opfern und deren Angehörigen schnelle finanzielle Unterstützung zugesagt. «Es werden jetzt unter anderem sehr zügig Vorschüsse an Betroffene oder deren Angehörige gemäss EU-Fahrgastrechteverordnung geleistet», schreibt das Unternehmen. Laut dem Artikel belaufen sich die Gesamtschäden des Unglücks zwischen 30 und 70 Millionen Euro. (dia/AFP)

Erstellt: 12.02.2016, 12:47 Uhr

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