Berlin-Attentäter nutzte Schweizer Handy und SIM

Hatte Anis Amri Kontakte in der Schweiz? Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin verfolgen die Ermittler neue Spuren.

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Der Attentäter von Berlin nutzte ein Schweizer Handy und eine Schweizer Prepaid-SIM-Karte. Das berichten «10vor10» und die «Welt». Die SIM-Karte war nicht auf den Namen des Attentäters registriert.

Der 24-jährige Anis Amri raste im Dezember mit einem gestohlenen Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt in Berlin. Beim Anschlag kamen elf Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt.

Schweizer Behörden überprüfen Kontaktdaten

Die Ermittler fanden das Handy des Attentäters auf dem Boden vor dem Lastwagen. Das HTC-Gerät und die Prepaid-SIM-Karte stammen aus der Schweiz. Registriert wurde sie laut einer Person mit Einblick in ein offizielles Dokument der Ermittler auf einen anderen Namen. Amri nutzte das Handy ab Februar 2016.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft und das Bundesamt für Polizei bestätigen die Recherchen auf Anfrage von «10vor10» nicht. «Die Ermittlungen haben bisher keine konkreten Hinweise auf Bezüge des Attentäters zu Personen oder Institutionen in der Schweiz ergeben», heisst es. Man verfüge über keine SIM-Kartenangaben.

Sicher ist: Amri hielt sich mehrfach in der Schweiz auf. Und seine Pistole wurde in den 90er-Jahren legal aus Deutschland in die Schweiz exportiert und weiterverkauft.

Fehlende Kontrolle bei SIM-Registrierung

Amri war bereits vor dem Anschlag ins Visier der deutschen Behörden geraten. Zwischen April und September letzten Jahres wurde seine Kommunikation abgehört. Ob die Ermittler schon damals feststellten, dass der Tunesier eine Schweizer Prepaid-SIM-Karte benutzte, ist nicht klar.

Zuständig für die Kontrolle der SIM-Registrierung in der Schweiz sind die Telefongesellschaften. Bisher können Verstösse aber nicht sanktioniert werden. Mit dem neuen Bundesgesetz zur Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (Büpf) könnte sich das ändern. Dann wären Bussen von bis zu 100'000 Franken möglich.

In 10 bis im Extremfall 40 Prozent der Strafverfahren seien SIM-Karten nicht richtig registriert, sagt Thomas Hansjakob, Staatsanwalt im Kanton St. Gallen. Das Problem seien nicht die grossen Anbieter. In kleineren Läden, die SIM-Karten weiterverkaufen, habe der Wiederverkäufer kein grosses Interesse daran, das sauber abzuwickeln. «Dieser will in erster Linie die SIM-Karte verkaufen», sagt Hansjakob.

(ij)

Erstellt: 27.01.2017, 18:00 Uhr

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