Bewohner warnten vergeblich vor Brandgefahr

Für die Verwaltung des abgebrannten Londoner Grenfell Tower könnte es ungemütlich werden. Jahrelang haben sie offenbar die Warnungen einer Bürgerinitiative ignoriert.

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Die Grenfell Action Group hat schon lange schwere Vorwürfe gegen die Betreiberfirma des Grenfell Towers erhoben, die KCTMO. Erst im November letzten Jahres hatten die in der Aktionsgruppe organisierten Bewohner des 24-stöckigen Londoner Wohnblocks, der nun fast vollständig ausgebrannt ist, in einem zornigen Blog-Eintrag erneut vor der Brandgefahr gewarnt.

Zahlreiche Vorstösse zur Minderung des Brandrisikos hätten in den vergangenen Jahren nichts gebracht. Fast resigniert mutmassen sie, dass wohl erst ein Brand mit vielen Toten das Management werde handeln lassen. Der Artikel endet mit der Prophezeiung: «Wir glauben, dass es nicht lange dauern wird, bis diese Worte auf die Verantwortlichen der KCTMO zurückfallen. Wir werden alles tun, um die zuständigen Behörden wissen zu lassen, wie lange unser Vermieter seine Pflichten ignoriert hat.»

Eine Katastrophe mit Ansage: Der Grenfell Tower in Vollbrand. (Video: Tamedia)

Im Artikel werden mehrere Vorfälle aufgelistet, auch in anderen Immobilien unter Aufsicht derselben Betreiberfirma.

  • 2013 soll im Grenfell Tower eine Zeit lang immer wieder Überspannung geherrscht haben. Laut der Aktionsgruppe sei danach mangelhafte Verkabelung im Wohnblock als Ursache identifiziert worden. Die KCTMO habe sich geweigert, dem auf den Grund zu gehen.
  • Bei Sanierungsarbeiten im Grenfell Tower vor einem Jahr hätten sich Abfälle angehäuft, was das Brandrisiko erhöhte. «Besonders besorgniserregend» sei, dass es während der Bauarbeiten nur einen Ein- und Ausgang im Grenfell Tower gegeben habe, schrieb die Bürgerinitiative in einem Blog-Eintrag damals. Bei einem Feuer hätten die Bewohner daher «ohne Ausweg» in dem Gebäude in der Falle sitzen können.
  • Die Bewohner des Grenfell Tower seien in den letzten 20 Jahren nie ordentlich informiert worden, was sie im Brandfall tun sollen. Nur ein vorübergehend angebrachter Hinweis im Lift und ein Eintrag in einem Newsletter hätten empfohlen, in der Wohnung zu bleiben. Die Aktionsgruppe kritisiert diese Empfehlung, denn in einem anderen Brandfall bei Shepherd’s Bush hätte es «mit Sicherheit Tote gegeben, wenn die Bewohner in ihren Wohnungen geblieben wären».
  • 2015 sei ein Brand im 14-stöckigen Adair Tower in North Kensington ausgebrochen und habe eine Massenpanik ausgelöst. Hätte die Londoner Feuerwehr nicht umgehend reagiert, hätte das Feuer in dem KCTMO-Block weit schlimmere Folgen gehabt, sei damals berichtet worden. Die Feuerpolizei habe nach dem Brand Auflagen gemacht.
  • Schon zehn Jahre zuvor habe die Feuerpolizei nach einem Brand im Hazelwood Tower, dem Nachbarblock des Adair Tower, angeordnet, die Gitter-Roste der Feuer-Fluchttreppe zu bedecken. Das sei nie gemacht worden und beim Brand im Adair Tower werde vermutet, dass die offenen Fluchttreppen quasi als Kamin funktionierten und das Feuer noch verstärkt hätten.
(rub)

Erstellt: 14.06.2017, 10:18 Uhr

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