Bischof Pomp

Obwohl der Papst zu Bescheidenheit aufruft, feiert Bischof Vitus Huonder in der Wiener Karlskirche die alte lateinische Messe in goldbesticktem Gewand.

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Papst Franziskus, jeglicher höfischer Attitüde abhold, wird nicht müde, Priester und Bischöfe vor Klerikalismus und Prunk zu warnen. Dem neuen Wind aus Rom zum Trotz feiert der Churer Bischof Vitus Huonder immer wieder pompöse Messen im alten lateinischen Ritus.

Mit besonderem barockem Aufwand Anfang dieses Monats in der Karlskirche von Wien. Seit die Bilder vom triumphalen Wiener Auftritt des Churer Oberhirten im Netz zu sehen sind, sorgen sie in Kirchenkreisen für hitzige Debatten.

Denn Bischof Huonder scheute sich nicht, beim Hochamt zum Gedenktag des heiligen Karl Borromäus in der prachtvollen Wiener Barockkirche die prunkvollsten Kleider aus der Kostümkiste vergangener Zeiten zu holen. Beim Ein- und Auszug aus dem Chorraum trug er sogar die rot leuchtende Capa magna, den liturgischen Umhang mit meterlanger angehängter Schleppe. Die Diakone und Subdiakone, die mit ihm die Messe feierten, trugen kunstvolle goldbestickte Gewänder und die Ministranten weisse Handschuhe – aus Ehrfurcht davor, dass sie die Schleppe des ehrwürdigen Bischofs, seinen Stab und das Weihrauchfass tragen dürfen.

Mit dem Rücken zu den Gläubigen

Alle zusammen feierten sie mit dem Rücken zu den Gläubigen die Tridentinische Messe, den feierlichen lateinischen Ritus, der reich an Weihrauch, Altarküssen und Kniebeugen ist. Dabei brachte der Chor eine fünfstimmige Messe von Giovanni Rovetta zur Aufführung. Was besonders auffiel: Huonder hatte über dem Thron sein bischöfliches Churer Wappen anbringen lassen – ein Vorgehen, das Kircheninsider für fragwürdig halten, weil in Wien Kardinal Christoph Schönborn als oberster Hirte amtiert.

Eingeladen war Huonder von Una Voce Österreich. Una Voce ist eine 1966 gegründete Bewegung der Traditionalisten, die sich für Erhaltung und Pflege des lateinischen Messritus engagiert und die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) bekämpft. Diese schreibt die ästhetisch abgespeckte Messe in der Volkssprache vor. 2007 liess Papst Benedikt XVI. die alte lateinische Messe als ausserordentliche Form wieder zu und kam so den Traditionalisten und ihrer überbordenden Ästhetik entgegen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.11.2013, 20:53 Uhr

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