Boston-Attentäter ist nun im Gefängnis

Für den Verdächtigen Dzhokhar Tsarnaev gehen die Ermittlungen zum Boston-Marathon nun im Gefängnis weiter. Die Behörden haben ihn in eine Spezialeinrichtung für medizinische Behandlungen verlegt.

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Der schwer verletzte Bombenleger von Boston, Dzhokhar Tsarnaev, ist von einem zivilen Krankenhaus in ein Gefängnis verlegt worden. Die US-Behörden teilten mit, Tsarnaev sei in ein Gefängnis etwa 65 Kilometer westlich von Boston gebracht worden, das auf die medizinische Behandlung von Festgenommenen spezialisiert ist. Der 19-Jährige war durch eine Schusswunde am Hals verletzt worden und konnte bisher nur schriftlich mit den Ermittlern kommunizieren.

Der ethnische Tschetschene wird verdächtigt, zusammen mit seinem getöteten Bruder Tamerlan am 15. April einen Bombenanschlag auf den Bostoner Stadtmarathon verübt zu haben.

Anschlag auf den New Yorker Times Square

Tsarnaev teilte den Ermittlern mit, er und sein älterer Bruder hätten auch den New Yorker Times Square für einen Anschlag im Visier gehabt. Deshalb brachten sie den Fahrer eines Geländewagens der Marke Mercedes in ihre Gewalt und zwangen ihn, in Richtung New York zu fahren, wie der New Yorker Polizeikommissar Raymond Kelly und der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg sagten. Doch der nach ihrer Beschreibung spontan gefasste Plan scheiterte an einer Lappalie: In dem Auto war nicht genug Benzin.

Kelly ergänzte: «Sie diskutierten das, während sie in einem Mercedes-Geländewagen herumfuhren, den sie entführten, nachdem sie einen Polizisten an (der Universität) MIT erschossen hatten. Der Plan fiel aber in sich zusammen, als sie bemerkten, dass das von ihnen entführte Fahrzeug wenig Benzin hatte und sie dem Fahrer befahlen, an einer Tankstelle in der Nähe anzuhalten.» Der Fahrer des Wagens sei dabei entkommen und habe die Polizei alarmiert. Das habe die Verfolgungsjagd ausgelöst, bei der der 26-jährige Tamerlan Tsarnaev tödlich verletzt wurde. Der 19-jährige Dzhokhar wurde am Samstag schwer verletzt verhaftet.

«Wir sind einfach dankbar»

«Wir wissen nicht, ob wir die Terroristen hätten stoppen können, wären sie aus Boston hier eingetroffen», sagte Bloomberg. «Wir sind einfach dankbar, dass wir die Antwort nicht herausfinden mussten.» 2010 war der Times Square Ziel eines Autobombenanschlags, der vereitelt wurde. Ein pakistanischer Einwanderer wurde verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt.

Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Christina DiIorio-Sterling, wollte zunächst nichts zu der Frage sagen, ob Dzhokhar Tsarnaev auch wegen des mutmasslichen Angriffs auf New York beschuldigt werden sollte. Wegen des Anschlags in Boston droht ihm die Todesstrafe. Hinzu kommt eine Anklage wegen der Tötung des Polizisten an der Universität MIT, die von der Staatsanwaltschaft des Staates Massachusetts vorbereitet wird.

16-Stunden-Verhör

Ermittler und Kongressabgeordnete, die vom FBI über den Ermittlungsstand informiert wurden, sagten, die beiden Tsarnaev -Brüder seien von Zorn auf die von den USA in Afghanistan und im Irak geführten Kriege zu dem Anschlag in Boston getrieben worden. Die aus Tschetschenien stammenden Brüder lebten seit zehn Jahren in den USA und hatten die US-Staatsbürgerschaft. Den Ermittlern zufolge wurden die muslimischen Brüder von islamistischen Seiten im Internet radikalisiert und nicht durch einen direkten Kontakt mit terroristischen Gruppen. Endgültig geklärt sei dieser Sachverhalt aber noch nicht.

Dzhokhar Tsarnaev soll 16 Stunden in seinem Krankenhauszimmer vernommen worden sein, ohne dass er über seine verfassungsmässigen Rechte belehrt wurde. Er habe sofort aufgehört zu sprechen, als ein Richter und ein Vertreter der Bundesstaatsanwaltschaft hinzukamen und ihm seine Rechte, zu schweigen und einen Anwalt hinzuzuziehen, nannten, verlautete aus informierten Kreisen. (bru/AP)

Erstellt: 26.04.2013, 12:55 Uhr

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