Breivik beklagt sich über die Isolationshaft

Zu Beginn seines dritten Gerichtstermins wollte der Massenmörder von Oslo eine Erklärung verlesen – doch die Richterin unterbrach ihn. Die über ihn verhängte Kontaktsperre empfindet er offenbar als «Folter».

Wie immer durch die Hintertür: Massenmörder Breivik wurde heute zum Gericht transportiert.

Wie immer durch die Hintertür: Massenmörder Breivik wurde heute zum Gericht transportiert. Bild: Keystone

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Ein Gericht in Oslo hat die Untersuchungshaft für den geständigen norwegischen Doppelattentäter Anders Behring Breivik um weitere zwei Monate verlängert. Mindestens vier Wochen muss er zudem weiter in Isolationshaft verbringen. Das teilte Richterin Anne Margrethe Lund nach einer Anhörung mit. Für den 14. November wurde ein weiterer Haftprüfungstermin festgesetzt. Der dritte Auftritt des Rechtsextremisten vor Gericht seit dem Bombenanschlag in Oslo und dem Massaker auf der Insel Utøya mit 77 Toten fand hinter verschlossenen Türen statt.

Breivik las nach Gerichtsangaben zu Beginn der Verhandlung den Beginn einer schriftlich vorbereitete kurze Erklärung ab. Die Richterin unterbrach dies aber. Zum Inhalt meinte Breiviks Anwältin Mette Yvonne Larsen im Radiosender NRK: «Er hat Dinge gesagt, die es nicht verdienen, ans Tageslicht gebracht werden sollten.» Es sei für die Öffentlichkeit nicht von Belang, Breiviks Äusserungen zu kennen.

Kontaktsperre sei «Folter»

Die Richterin sagte nach dem Termin zudem, dass Breivik die Einzelhaft mit Kontaktsperre als «Folter» eingestuft habe. Die Verlängerung der Einzelhaft begründete sie mit der Möglichkeit, dass der mutmassliche Massenmörder «versteckte Botschaften» an andere übermitteln und damit die polizeilichen Ermittlungen sabotieren könne.

Die Richterin verhängte eine komplette Nachrichtensperre zu den Aussagen. Breivik hatte sich nach dem Massaker festnehmen lassen, und die Tötungen zugegeben. Er bereut den Massenmord nach den Verteidigerangaben nicht, sondern stuft ihn als «notwendig» ein. Europa befindet sich seiner Auffassung nach im Kriegszustand, und er habe das Massaker verübt, um Norwegen vor einer Übernahme durch muslimische Einwanderer zu schützen. (ami/sda)

Erstellt: 19.09.2011, 20:01 Uhr

Der Massenmörder beklagt sich: Die Isolationshaft sei eine Art der «Folter».

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