Bröckelnde Berge, feste Gewissheit

Inland-Redaktor Stefan Häne über den Bergsturz im Bergell.

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Die Bilder sind so eindrücklich wie bedrückend. Bei Bondo im Bergell sind am Mittwoch gewaltige Felsmassen ins Tal gedonnert, mehrere Menschen werden vermisst. Im Bernina-Gebiet ist am Dienstag ein Alpinist ums Leben gekommen, nachdem sich in einem Couloir die auf Permafrost liegende Schuttmasse gelöst hatte. Auch bei der Zunge des Aletschgletschers rutscht die Bergflanke, weil der schmelzende ­Eisstrom ihr den nötigen Halt nicht mehr gibt.

So unverrückbar, wie sie scheinen: Die Berge sind in Bewegung; sie sind es immer schon gewesen. Neu ist etwas anderes: das Tempo, die Häufigkeit, das ­Ausmass dieser Veränderungen. Ursache ist der ­Klimawandel. Er lässt die Temperaturen steigen. Die Grenze des ganzjährig gefrorenen Felses klettert in die Höhe, die Gletscher schwinden.

Der Klimawandel ist Realität, nicht nur im fernen Grönland oder in Bangladesh, sondern auch und ­gerade hier. Als Alpenland ist die Schweiz sogar ­übermässig stark betroffen. Wer das bezweifelt, ist schlecht informiert oder verfolgt eine politische Mission. Bondo aber lässt sich nicht wegideologisieren. Hier werden die brachialen Folgen des Klimawandels sicht- und spürbar – hoffentlich auch für die Parlamentarier im Bundeshaus. Sie haben es in der Hand, bei der anstehenden Revision des CO2-Gesetzes die Schweiz klimapolitisch auf Kurs zu bringen.

Das allein genügt freilich nicht. Die Schweiz kann den Anstieg der Treibhausgase nicht in Eigenregie stoppen. Als reiches Land kann sie sich aber gegen die Gefahren des Klimawandels wappnen. Dafür braucht es jedoch eine Einsicht: Vorsorge ist zwar teuer, aber günstiger als Schadensbewältigung. Beispielhaft zeigt sich das nun in Bondo. Es war nicht nur Glück, dass der jüngste Bergsturz das Dorf nicht verwüstet hat. Nach ähnlichen Ereignissen in der Vergangenheit hat Bondo vorgesorgt, mit einer Betonmauer und einem Auffangbecken. Kostenpunkt: 4,5 Millionen Franken. Das Projekt war jedoch umstritten. 2013 votierten an der Gemeindeversammlung 60 Prozent dafür. Die Gegner von damals dürften spätestens jetzt erleichtert sein, dass sie die Abstimmung verloren haben.

Erstellt: 24.08.2017, 20:35 Uhr

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