Bern

Brückensuizid erschüttert Schüler

Am Dienstagnachmittag springt ein Selbstmörder von der Berner Kornhausbrücke. Vor den Augen von Schülerinnen der Neuen Mittelschule prallt er auf den Boden. Der dramatische Vorfall bringt die Fangnetzdiskussion wieder in Schwung.

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Das Telefon der Schuldirektorin der NMS Bern läutet seit Dienstagabend immer wieder. Besorgte Eltern von Schulkindern melden sich. Ihre Kinder wurden Zeuge, wie sich ein Mann am Dienstagnachmittag mit einem Sprung von der Kornhausbrücke das Leben nahm. Er sprang auf die Strasse, die zum Schulhaus führt. «Die Eltern fordern mich auf, bei den Behörden Druck aufzusetzen, damit diese endlich Sicherungsnetze an den Brücken montieren oder andere Massnahmen ergreifen», sagt Schuldirektorin Annette Geissbühler.

«Die Mädchen weinten»

Es geschah kurz nach halb zwei. Die Mädchen der neunten Klasse schlenderten grüppchenweise von der Turnhalle auf der anderen Seite der Aare über den Altenbergsteg zum Schulhaus zurück. «Wenn die Mädchen ein paar Sekunden früher losgelaufen wären, wäre der Brückenspringer auf ihnen gelandet», erzählt Annette Geissbühler.

Einige Lehrerinnen und Lehrer hörten die aufgeschreckten Schulkinder und eilten nach draussen. «Die Mädchen waren aufgelöst und weinten», sagt Annette Geissbühler. Das Drama habe im Nu das ganze Schulhaus erfasst. «Die Nachricht breitete sich aus wie Kreise auf dem Wasser, wenn man einen Stein reinwirft.» Das Lehrpersonal hatte alle Hände voll zu tun, um die Ruhe auf dem Schulareal zu bewahren. Die Schulpsychologin kümmerte sich um die Mädchen, die den Selbstmord mit eigenen Augen sehen mussten. Sie wurde vom Care-Team der alarmierten Sanitätspolizei und von Angestellten der kantonalen Erziehungsberatungsstelle unterstützt. «Wir schauten, dass am Ende alle betroffenen Schülerinnen und Schüler von jemandem abgeholt wurden und niemand alleine nach Hause gehen musste.»

Ins Gedächtnis gebrannt

Obschon sich immer wieder Menschen von der Kornhausbrücke stürzen (letztmals vor drei Wochen), mag sich die Schuldirektorin an keinen ähnlich krassen Fall erinnern. «Nie zuvor wurden wir so direkt von einem Brückensuizid betroffen. Die Geschehnisse am Dienstag haben uns aufgerüttelt.» Gerade für Kinder sei es schwer, mit diesem Erlebnis umzugehen. «In diesem Alter kann man das nur schwer verarbeiten. Solche Bilder lassen sich kaum aus dem Gedächtnis löschen.» Deshalb erhalten die Schulkinder in den nächsten Tagen und Wochen bei Bedarf psychologische Betreuung. «Auch wir Erwachsenen dürfen uns bei der Schulpsychologin melden.» In einem E-Mail wurde die gesamte Lehrerschaft über die Vorfälle informiert. «Es ist an ihnen, zu entscheiden, ob sie dem Thema im Unterricht zusätzlich Raum geben wollen.»

Druck auf Behörden wächst

Den Eltern am Telefon versicherte die Schuldirektorin, sie werde sich für Sicherungsnetze oder andere Massnahmen einsetzen. Sie hat ihr Anliegen bereits beim städtischen Schulamt deponiert. Ebenfalls reagieren will die Erziehungsberatungsstelle mit einem Brief an die zuständige Berner Gemeinderätin Regula Rytz (GB). Deren Generalsekretär Stefan Schwarz verspricht: «Wir tun, was in unserer Macht steht» (siehe Interview). Zuvor hatte sich die Direktion Rytz lange Zeit gegen Sicherungsnetze ausgesprochen. Trotzdem überwies der Stadtrat am 15.Oktober eine Motion, welche die Montage solcher Netze bis Ende 2011 fordert (wir berichteten).

«Die Ausrede, solche Sicherungsnetze würden das Problem verlagern, zählt nicht», sagt Annette Geissbühler. «Es geht um den Schutz unserer Schulkinder.»

Menschen in Not erhalten Hilfe unter der Telefonnummer 143. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.11.2009, 14:49 Uhr

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