Brutstopp gefordert – Tierheime sind mit Schildkröten überfüllt

Man kann sie sogar im Internet kaufen: Kleine Schildkröten sind beliebte Haustiere. Wenn Besitzer überfordert sind, werden sie ausgesetzt. Tierschützer sind alarmiert.

Unüberlegt und schnell gekauft: Person trägt eine Schildkröte.

Unüberlegt und schnell gekauft: Person trägt eine Schildkröte. Bild: Keystone

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In der Schweiz klagen Auffangstationen für Reptilien über mangelnden Platz in den Schildkröten-Gehegen. Auch Tierheime stossen an ihre Kapazitätsgrenzen. Grund dafür sind laut Tierschützer zunehmende unüberlegte Käufe sowie die unkontrollierte Vermehrung der gepanzerten Tiere.

Eltern liessen ihre Kinder eine kleine Schildkröte auswählen und würden dann – spätestens wenn die Kinder ausziehen – vor einer grossen Herausforderung stehen, sagt Nadia Brodmann, Mitglied der Geschäftsleitung des Zürcher Tierschutzes zur «Sonntagszeitung». Dann würden die kleinen Tierchen einfach abgeschoben.

Schildkröten im Online-Verkauf

Hinzu kommt, dass Schildkröten nicht nur in Zoohandlungen und auf Reptilienbörsen gekauft werden können. Sogar auf Online-Verkaufsplattformen wie tutti.ch und anibis.ch werden sie laut Bericht angeboten.

Gekauft sind die Tierchen also schnell. Den Besitzern sei oftmals jedoch nicht bewusst, dass die tiergerechte Haltung auch die Anschaffung eines Aquariums erfordert, wie Antonella Stefanellli vom Tierheim Pfötli gegenüber der «Sonntagszeitung» betont. Es seien sehr aktive Tiere, die ohne ausbruchsicherers Gehege schnell entwischen würden.

Zahl ausgesetzter Tiere verdoppelt sich

Die Schildkröteninteressensgemeinschaft Schweiz (SIGS) würde nun deshalb zum «Stopp des massenhaften Ausbrütens von Schildkröteneiern» aufrufen. «Notwendig ist eine Unterbrechung des stetigen Nachschubs an niedlichen Jungtieren, welche Käufer zur Anschaffung von Schildkröten animieren», schreibt die SIGS.

Im Jahresbericht 2016 des Zürcher Veterinäramts wird festgehalten, dass sich die Anzahl ausgesetzter und gefundener Schildkröten in den letzten neun Jahren mehr als verdoppelt hat. Die nicht heimischen Arten würden zudem einheimische Tiere bedrohen, in dem sie Froschlaich und Eier von Bodenbrütern essen.

(kaf)

Erstellt: 06.08.2017, 11:06 Uhr

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