Carunfall von Siders wird nachgestellt und gefilmt

Wieso verlor der Chauffeur beim verheerenden Carunfall von Siders VS die Kontrolle über sein Fahrzeug? Ein privates Forensikunternehmen will dies mit einer Kameraaufzeichnung herausfinden - und hat bereits eine These.

28 Menschen starben beim verheerenden Unfall: der Reisecar nach dem Unfall.(Archivbild: Kantonspolizei Wallis)

28 Menschen starben beim verheerenden Unfall: der Reisecar nach dem Unfall.(Archivbild: Kantonspolizei Wallis)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein auf Forensik spezialisiertes privates Unternehmen aus den Niederlanden wird am 2. Juli den Horrorunfall in Siders VS nachstellen und aufzeichnen. Im März 2012 verunglückte ein belgischer Reisebus. Dabei kamen 28 Menschen ums Leben vor allem Kinder.

Nachgestellt wird der Unfall jedoch nicht in Siders, sondern an einer dafür geeignete Stelle in den Niederlanden oder Belgien, wie es seitens des Independent Forensic Servises (IFS) hiess. Der genaue Ort ist noch nicht definitiv ausgewählt.

«Dabei wird der Bus auch nicht in eine Mauer gelenkt», sagte Selma Eikelenboom, Direktorin bei IFS. Vielmehr werde ein Buschauffeur auf einem Parcours fahren, während 3D-Kameras die Bewegungen aufzeichneten.

Experte aus Kanada

Der von der Busfahrt hergestellte 3D-Film soll laut IFS vor allem über die Position der Räder und des Lenkrades Aufschluss geben. Ein Experte aus Kanada wird die Analyse übernehmen. Gerne hätte man die 3D-Aufnahmen am Original-Unfallort gemacht, doch die Schweizer Behörden hätten dies nicht erlaubt, sagte Eikelenboom.

Die Walliser Staatsanwaltschaft wollte sich dazu nicht äussern. Sie verwies lediglich auf ein Communiqué, das an die Medien verschickt werden soll. Wann dies geschehen wird, wurde nicht gesagt.

Eltern gaben private Untersuchung in Auftrag

Die Untersuchungen zu dem Busunglück wurden seitens der Schweiz eingestellt, ohne die genaue Unfallursache eruiert zu haben. Ein im Mai 2013 veröffentlichtes Gutachten war zum Schluss gekommen, dass als wahrscheinlichste Unfallursache eine Unachtsamkeit oder ein Schwächeanfall des Chauffeurs in Frage kommen.

Unzufrieden mit den Ermittlungsergebnissen hatten 14 betroffenen Eltern Mitte April bei IFS eine zusätzliche Abklärung in Auftrag gegeben. Die Kosten werden vom Unternehmen übernommen.

IFS-Direktorin Eikelenboom bezeichnete die Schlussfolgerung als «unbegreiflich». Ihr Institut verfolgt eine andere Spur. So ist bekannt, dass der Buschauffeur ein Antidepressivum eingenommen hatte.

Zusammenhang mit Antidepressivum?

«Es gibt Menschen mit einem Defekt im Erbgut, der dafür verantwortlich ist, dass die Einnahme von solchen Medikamenten Suizidgedanken und Aggressionen auslöst», sagte ein IFS-Sprecher. In der Vergangenheit habe man bereits mehrere solche Fälle gehabt, bei denen dieser Zusammenhang festgestellt werden konnte.

Der Abschlussbericht des Instituts soll veröffentlicht werden. Wann dies sein wird, ist noch offen. Beim Unfall am 13. März 2012 im Tunnel der Autobahn A9 bei Siders verloren 22 Kinder und sechs Erwachsene ihr Leben. Weitere 24 Kinder wurden teilweise schwer verletzt. Ein belgischer Reisecar war frontal in eine Nothalte-Nische des Tunnels geprallt. (thu/sda)

Erstellt: 24.06.2014, 18:04 Uhr

Artikel zum Thema

Unachtsamkeit oder Schwächeanfall des Chauffeurs führten zum Busdrama im Wallis

Der Carunfall in Siders, bei dem 28 Menschen starben, lässt sich auch nach zwei weiteren Gutachten nicht restlos klären. Die Walliser Staatsanwaltschaft wird das Verfahren höchstwahrscheinlich einstellen. Mehr...

Unfall von Siders: Neue Spekulationen über einen Ausfall des Tempomaten

Schweizer Ermittler inspizierten einen baugleichen Bus. Ein Chauffeur sagt, er habe früher mit dem Modell Probleme gehabt. Mehr...

Noch drei belgische Kinder in der Schweiz

Das Mädchen, das nach dem Carunfall im Wallis im Berner Inselspital behandelt wurde, konnte in ein belgisches Spital verlegt werden. Drei verletzte Kinder sind noch im Unispital Lausanne. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Sie sind nun keine Kinder mehr: Junge Erwachsene nehmen an einer traditionellen Zeremonie in Seoul teil, bei der sie den Übertritt in ihr 19. Lebensjahr feiern. Sie dürfen nun ihre eigenen Lebensentscheidungen fällen, wählen gehen und Alkohol trinken. (20. Mai 2019)
(Bild: Ed Jones) Mehr...