Dänische Zeitung: Polizei nimmt Hinweise nicht ernst

Seit einer Woche fehlt in Zug jede Spur von der 20-jährigen Olivia Ostergaard. Auch Journalisten aus Kopenhagen sind angereist. In ihren Berichten erheben sie Vorwürfe gegen die Zuger Polizei.

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Eine Woche ist es her, dass eine junge Studentin in Zug frühmorgens ihre Wohnung in Richtung Bahnhof verliess. Seither fehlt von der 20-jährigen Dänin jede Spur. Die Suche der Zuger Polizei läuft auf Hochtouren. Auch heute wurden Zuger- und Ägerisee mit einem Helikopter und einem Suchboot abgesucht – ohne Erfolg. Bereits gestern hatte eine grossangelegte Suchaktion stattgefunden.

Es seien bis heute auch keine verwertbaren Hinweise eingegangen. «Wir geben nicht auf», erklärt Marcel Schlatter gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Wie genau die Suche weitergeht, konnte der Polizeisprecher noch nicht sagen. Am Nachmittag fand eine Sitzung mit der Sonderkommission statt, auf der das weitere Vorgehen besprochen wurde.

Kritik an Zuger Beamten

Das Verschwinden von Olivia Ostergaard sorgt für viel Aufsehen. Die dänische Boulevard-Zeitung BT schickte eine Journalistin und einen Fotografen nach Zug, um den Fall genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Journalistin Rikke Bjerge kritisiert die Polizei. Wie die 33-jährige Reporterin gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagt, legt man in Zug ihrer Meinung nach zu wenig Wert auf die Geschehnisse vor dem Verschwinden der jungen Frau.

Damit spricht sie Recherchen bezüglich des Facebook-Profils der 20-Jährigen an: «Ich finde es seltsam, dass die Polizei sagt, Olivia habe ihr Profil vor zwei Wochen offline geschaltet. Unseren Erkenntnissen zufolge geschah dies bereits vor sechs oder sieben Monaten.» Aus dieser Information der Zuger Polizei liessen sich leicht falsche Schlüsse ziehen.

Polizeisprecher Schlatter weist die Kritik zurück. «Wir haben gegenüber den Medien nie von zwei Wochen gesprochen. Wir kommunizierten, dass Olivia mehrere Wochen vor ihrem Verschwinden nicht auf Facebook aktiv war», sagt er. Zurzeit seien auf dem sozialen Netzwerk lediglich Profile von Namensvertreterinnen zu finden.

Kein Wort Englisch

Auch bezüglich des Umgangs mit Hinweisen ist aus Dänemark Kritik zu hören. In einem Artikel von BT berichtet eine dänische Frau, die in Zug lebt, die Zuger Beamten hätten ihre Hinweise auf den Verbleib von Olivia nicht ernst genommen. Da der Polizist am Telefon kein Wort Englisch sprach, habe sie ihm in gebrochenem Schweizerdeutsch geschildert, was sie gesehen habe.

Sie habe an der Promenade am Kolinplatz in Zug ein blondes Mädchen mit einem Pferdeschwanz und schwarzer Kleidung auf einer Bank sitzen sehen. Sie erinnere sich so genau daran, weil ihr Hund schnurstracks auf das Mädchen losgelaufen sei. Auf diesen Hinweis habe der Polizist am Telefon gleichgültig reagiert und weder ihre Adresse noch ihre Telefonnummer notiert.

«Sie war die einzige Zeugin»

Bjerge zeigt sich irritiert darüber, dass die Polizei in Zug solche Hinweise ignoriert. «Sie war die einzige Zeugin, die aus Zug selber stammte», fügt die dänische Journalistin an. Zudem sei fragwürdig, weshalb ein Beamter in Zug kein English spreche, da dort ja viele Ausländer leben.

Schlatter hat den Bericht in der dänischen Presse gelesen und nimmt diesen zur Kenntnis. «Ich habe nichts von einem solchen Zeugentelefonanruf erfahren», erklärt er. Auf das Verständigungsproblem hin angesprochen, fügt er an: Es sei so, dass nicht jeder ihrer Polizisten Englisch spreche. Bei internationalen Anfragen oder Hinweisen sei er zuständig.

Die Hoffnung bleibt

Die Hinweise nach den Aufrufen der Polizei brachten bisher keine brauchbaren Informationen zutage. Trotzdem: Die Familie von Olivia gibt die Hoffnung nicht auf. «Wir hoffen, dass Olivia einfach alles etwas zu viel geworden ist und sie kurzzeitig ausgebrochen ist, um etwas Luft zu bekommen», sagt ihr Onkel Karsten Ostergaard gegenüber dem dänischen Fernsehsender tv2. «Solange wir nichts anderes wissen, glauben wir fest daran, dass sie irgendwo da draussen ist.»

Im Gegensatz zur Polizei hält die Familie von Olivia ein Gewaltverbrechen für möglich. «Es könnte sein, dass sie von einem Auto abgeholt wurde – freiwillig oder unfreiwillig. Es ist seltsam, dass niemand sie gesehen hat», fügt der Onkel an. Olivia ist einfach zu schön, als dass sie unbemerkt bleiben könnte.

An Selbstmord glaubt ihr Vater Keld Ostergaard nicht, wie er gegenüber dem «Blick» sagt. Am Samstag vor ihrem Verschwinden sei er gemeinsam mit seiner Tochter am Ägerisee spazieren gegangen. Sie habe glücklich gewirkt. Kurz darauf hat sich die 20-Jährige per SMS bei ihren Eltern gemeldet: «Es war ein schöner Tag, gute Nacht.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.04.2013, 13:34 Uhr

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