Das Dorf der letzten Hoffnung

Der 21. Dezember 2012 naht – im südfranzösischen Dorf Bugarach geht die Angst um. Nicht vor dem Weltuntergang, sondern vor den Weltuntergangsfanatikern. Denn der Ort soll die einzige Rettung sein.

Der rettende Berg: Weltuntergangsanhänger glauben beim Pic de Bugarach dem Schicksal der übrigen Welt zu entgehen.

Der rettende Berg: Weltuntergangsanhänger glauben beim Pic de Bugarach dem Schicksal der übrigen Welt zu entgehen. Bild: AFP

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Nackte beten am Fusse des Pic de Bugarach, in Zelten dozieren Verschwörungstheoretiker und Erweckungspriester. Die Bewohner des 200-Seelen-Dorfes Bugarach im südfranzösischen Departement Aude sind sich den Anblick von eigenartigen Gestalten gewohnt. In den letzten Monaten hat der Rummel zugenommen. Fuhren früher lediglich 40 Autos durchs Dorf, sind es heute laut «Süddeutscher Zeitung» etwa 1000. Die Grundstückspreise hätten sich in letzter Zeit vervierfacht.

Schon oft wurde der Weltuntergang prophezeit, doch nun braut sich eine grössere Bewegung zusammen. Die französische Kommission zur Überwachung der Sekten Miviludes warnt vor Weltuntergangsfanatikern. Gestern hat sie ihren jährlichen Bericht veröffentlicht. Gewiss, die meisten New-Age-Anhänger seien nicht gewalttätig. Dennoch weisen die staatlichen Sektenbeobachter auf frühere Massen(selbst)morde hin, die aus Angst vor einem bevorstehenden Weltuntergang begangen worden waren.

Der heilige Berg

Am 21. Dezember 2012 endet der Maya-Kalender. Manche wollen glauben machen, die Welt gehe dann unter. Alle jüngeren Unglücke, Erdbeben, Tsunami, Vulkanausbrüche, Wirtschaftskrisen: das seien Anzeichen für das bevorstehende Ende der ganzen Welt. Der ganzen Welt? Nein! Ein von unbeugsamen Esoterikern bevölkertes Dorf soll das Inferno überleben: Bugarach.

Der Berg gleichen Namens, der Pic de Bugarach, ist manchen ein heiliger Berg. Die Kommission Miviludes nennt dafür einige Gründe: magnetische Kräfte, es werde unterirdisches Leben vermutet, es gebe eine Türe zu anderen Welten oder zu verschwundenen Zivilisationen oder die Bundeslade liege dort vergraben. Auch eine Basis von Extraterrestrischen wird unter dem Felsen vermutet. Die Anhänger der UFO-Theorie glauben, die Ausserirdischen würden die Auserwählten mit sich nehmen, die sich in Bugarach eingefunden haben am Tag, an dem es kracht. Amerikanische Agenturen organisieren bereits Reisen ins rettende Dorf.

Der grosse Ansturm der Auserwählten

Die französische Sekten-Kommission rät, Bugarach im Hinblick auf 2012 verstärkt zu überwachen. Auch der Bürgermeister des Ortes, Jean-Pierre Delord, ist besorgt. «Das Internet ist zu allen Verrücktheiten fähig. Und wir 200 Einwohner werden dem nicht widerstehen können», klagt er in der «Süddeutschen Zeitung». Er fürchtet, sein Dorf werde beim «Weltuntergang» überrannt, und er erwägt, die Armee zu Hilfe zu rufen.

Bis dahin ist er einem kleinen Geschäft nicht abgeneigt. Eigenhändig hat er eine Postkarte kreiert. Darauf schwebt ein UFO über dem Pic de Bugarach. «Die Karte verkauft sich gut», sagt er. (rub)

Erstellt: 16.06.2011, 17:44 Uhr

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