Das Paradies der Diamantendiebe

Belgien ist ein Diamanten-Umschlagplatz. Ausgerechnet am Flughafen Brüssel hapert es offenbar mit der Sicherheit. Eine Auflistung von Zwischenfällen der letzten Jahre.

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Beim Überfall auf ein Flugzeug der Schweizer Helvetic Airways erbeuteten Diebe Diamanten im Wert von 37 Millionen Euro. Der Fall wirft Fragen nach der Sicherheit am Flughafen Brüssel-Zaventem auf. Denn in den letzten Jahren kam es dort wiederholt zu Überfällen auf Flugzeuge oder Lieferwägen, die Diamanten, Gold oder Geld mit sich führten. Auch die nahe gelegenen Flughäfen von Amsterdam und Luxemburg wurden nicht verschont. Eine Chronologie der Zwischenfälle:

1995, Brüssel

Damals stahlen zwei Gangster mehrere Geldsäcke aus einer Swissair-Maschine des Typs MD-81. Laut Flightforum.ch war das Flugzeug daran, sich auf der Piste einzureihen, als von aussen die Frachttüren geöffnet wurden. Dies wurde im Cockpit angezeigt. Daraufhin teilte der Kontrollturm der Besatzung mit, dass sich ein Auto neben dem Flugzeug befinde. Die Diebe entkamen und wurden nie gefasst. Bei der Beute soll es sich um Goldbarren gehandelt haben. Wie das Internetportal Flanderninfo.be berichtet, waren die beiden Täter bei der belgischen Fluggesellschaft Sabena beschäftigt.

1999, Brüssel

Einer der beiden Täter des Swissair-Überfalls von 1995 (siehe oben) half diesmal vier Gangstern, ein Virgin-Flugzeug auf dem Flugfeld von Brüssel-Zaventem zu überfallen. Dies berichtet Flanderninfo.be.

Im selben Jahr war die Swissair von einem Raubüberfall am Flughafen Brüssel betroffen. Wie der «Tages-Anzeiger» damals berichtete (Artikel online nicht verfügbar), wurde der Airline wertvolle Fracht gestohlen.

2000, Luxemburg

Auf dem Luxemburger Flughafen kam es im Oktober 2000 zu einem bewaffneten Raubüberfall. Ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, der Pakete mit Banknoten und Goldfäden in ein Crossair-Flugzeug verlud, wurde angeschossen. Die Täter packten Geld- und Goldpakete im Wert von rund 2,8 Millionen Franken in einen Lieferwagen und suchten das Weite. Auf einer wilden Verfolgungsjagd feuerten sie auch Schüsse auf die Polizei ab und stiessen mit einem Linienbus zusammen. Später fand die Polizei das völlig ausgebrannte Fluchtauto in einem Wald in Belgien.

2000, Brüssel

Ein sehr ähnlicher Fall wie gestern Montag ereignete sich im Oktober 2000 – ebenfalls in Brüssel. Damals wurde ein Geldtransporter mit sieben Kisten Diamanten überfallen. Die Ladung hätte in einem Airbus A319 der Lufthansa mit Destination Frankfurt transportiert werden sollen. Wie die Zeitung «La Libre Belgique» berichtet, waren die vier Täter als Techniker verkleidet. Sie fielen dem Personal zunächst nicht auf, als sie sich dem Geldtransporter näherten. Dann zückten die Männer ihre Waffen, und innert weniger Sekunden schnappten sie die Beute und verschwanden. Beim Diebesgut handelte es sich um Diamanten im Wert von rund 6,7 Millionen Euro.

2001, Brüssel

Im April 2001 scheiterte ein Überfall auf einen Geldtransporter der Firma Brinks Ziegler. Laut einem Bericht von Flanderninfo.be hatte der Transporter gerade eine Wertladung aus einer Sabena-Maschine übernommen.

2005, Amsterdam

Auch auf dem Flughafen Amsterdam-Schiphol fand ein «lukrativer» Überfall auf ein Flugzeug statt. Im Februar 2005 bedrohten zwei als KLM-Mitarbeiter verkleidete Männer mit Schusswaffen die zwei Fahrer eines Diamantentransporters. Dessen Ladung war für ein Flugzeug der Tulip Air nach Antwerpen in Belgien bestimmt. Mit diesem Transporter machten sich die Täter aus dem Staub. Der Wert der Beute wurde auf 75 Millionen Euro beziffert, wie NBC News damals berichtete.

2005, Brüssel

Kaum einen Monat nach dem Zwischenfall in Amsterdam ereignete sich in Brüssel ein weiterer Zwischenfall – wenn auch kein Raubüberfall: Opfer war diesmal eine Lufthansa-Maschine, die von 59 Exil-Iranern unter Kontrolle gebracht wurde. Sie wollten mit der Besetzung gegen das iranische Regime demonstrieren. Die Polizei konnte die Situation ohne Blutvergiessen lösen, wie es in einem Bericht des «Spiegels» heisst.

Erstellt: 19.02.2013, 19:15 Uhr

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Am Flughafen Brüssel-Zaventem wurden in den letzten Jahren vermehrt Diamanten gestohlen. «Stets erwies sich dabei die Sicherheit als ein Sieb», heisst es auf dem Portal Flanderninfo.be. Die Häufung der Diebstähle hat aber auch einen anderen Hintergrund: Das nur 45 Minuten nördlich von Brüssel liegende Antwerpen gilt als Hauptstadt des weltweiten Diamantenhandels. Von diesen Edelsteinen werden rund 60 Prozent des weltweiten Bestands in Antwerpen verkauft. Mehr als 30'000 Menschen arbeiten in diesem Wirtschaftssektor. Wegen der geografischen Nähe der Flughäfen Amsterdam und Luxemburg landen Diamanten immer wieder auch dort für ihren Weitertransport.

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