«Das Recht wurde verdreht»

Dominique Strauss-Kahns Anwälte prangern in ihrem Schlussplädoyer Missstände im Prozess an. Die Vorwürfe seien eine «aberwitzige Konstruktion».

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Im Zuhälterei-Prozess um Sexpartys mit Callgirls hat die Verteidigung des früheren IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn schwere Vorwürfe gegen die Untersuchungsrichter erhoben. «Das Recht wurde verdreht, von seinem eigentlichen Ziel abgelenkt», sagte Anwältin Frédérique Baulieu im Schlussplädoyer der Verteidigung vor dem Gericht im nordfranzösischen Lille.

Bei den Vorwürfen gegen Strauss-Kahn handle es sich um eine «aberwitzige Konstruktion», sagte Baulieu. Sie kritisierte auch eine «Mediatisierung» der Affäre und wies auf Widersprüche in den Aussagen von Callgirls hin, die Strauss-Kahn belastet hatten. Baulieus Kollege Henri Leclerc sprach von «Absurditäten». Von den Vorwürfen gegen Strauss-Kahn sei letztlich «nichts übrig geblieben», sagte der Jurist, der sich als Menschenrechtsanwalt einen Namen gemacht hat. «Es gibt keinen Ankläger mehr, nur noch einen Fall, der ein Vermögen gekostet hat und in dem nichts steckt.»

Weniger Druck auf Verteidigung

Die drei Anwälte des wegen schwerer Zuhälterei angeklagten früheren Chefs des Internationalen Währungsfonds (IWF) hatten am Mittwoch drei Stunden Zeit, ihre Argumente vorzubringen. Vor und während des seit Anfang Februar laufenden Prozesses hatte sich Strauss-Kahns Verteidigung kaum zu Wort gemeldet, ihr Schlussplädoyer wurde daher mit besonderer Spannung erwartet.

Allerdings war der Druck auf die Verteidigung seit Dienstag spürbar gesunken, nachdem die Staatsanwaltschaft einen Freispruch für Strauss-Kahn gefordert hatte. Staatsanwalt Frédéric Fèvre sagte, dem 65-Jährigen könne keine schwere Zuhälterei nachgewiesen werden, und er müsse daher freigesprochen worden. Für die anderen 13 Angeklagten forderte die Staatsanwaltschaft meist Bewährungs- und Geldstrafen.

Harte Sexpraktiken

Strauss-Kahn – in den Medien oft unter der Abkürzung DSK – war in dem Prozess zur Last gelegt worden, Sexpartys mit Callgirls unter anderem in Paris, Brüssel und Washington mitorganisiert zu haben. Der frühere sozialistische Wirtschafts- und Finanzminister, lange Zeit als künftiger französischer Präsident gehandelt, räumte die Teilnahme an den Sexpartys ein. Er bestritt aber, gewusst zu haben, dass es sich bei den Frauen um Prostituierte handelte.

Seine Anwältin Baulieu nahm am Mittwoch insbesondere das unter dem Namen Jade bekannte Callgirl ins Visier, das schwere Vorwürfe gegen Strauss-Kahn erhoben und ausführlich über dessen harte Sexpraktiken berichtet hatte. «Ich verstehe nicht diesen Willen, um jeden Preis unwahre Dinge zu sagen», sagte die Anwältin.

Der Prozess in Lille läuft noch bis Freitag, ein Urteil wird aller Voraussicht nach erst später gesprochen. Strauss-Kahn hatte im Mai 2011 wegen Vergewaltigungsvorwürfen eines New Yorker Hotelzimmermädchens den IWF-Chefposten abgeben müssen. Ein Strafverfahren in der US-Metropole wurde später wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Frau eingestellt. (thu/sda)

Erstellt: 18.02.2015, 16:51 Uhr

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