Das grosse Sextil

Die heutige spezielle astrologische Konstellation, ein grosses Sextil, wird von Astrologen nur teilweise euphorisch interpretiert. Einig ist sich die Wissenschaft.

«Glück, Frieden und Liebe»: Jupiter, Mars, Venus, Saturn, Pluto und der Mond stehen im Tierkreiszeichen alle in einem 60-Grad-Winkel zueinander und bilden das, was in der Astrologie grosses Sextil, Hexagramm oder auch Davidstern heisst.

«Glück, Frieden und Liebe»: Jupiter, Mars, Venus, Saturn, Pluto und der Mond stehen im Tierkreiszeichen alle in einem 60-Grad-Winkel zueinander und bilden das, was in der Astrologie grosses Sextil, Hexagramm oder auch Davidstern heisst.

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Eine Konjunktion (Jupiter und Mars stehen hintereinander) und ein Hexagramm. So präsentiert sich der Zodiac (Bild) des 29. Juli 2013 zwischen 12 Uhr und Mitternacht. Für die einen verheisst die Konstellation Glück, für andere ist es eine Chance, die man nutzen kann oder nicht.

Die Sterndeuter bewerten die Konstellation unterschiedlich: Die einen, darunter der auf Hawaii lebende bekannte Astrologe Randy Bruner, rufen eine neue Zeit aus: «Dies ist das grosse eine, worauf wir alle gewartet haben.» Die anderen sind verhalten optimistisch, bis sehr zurückhaltend. Die Österreicherin Menega Sabidussi, die den beliebten Astrologie-Blog Lebenszyklen führt, stuft das Ereignis als überbewertet ein: «Der zumeist unreflektierte und wenig hinterfragte Hype, der von einem zum anderen kolportiert wird, hat den Grundton, diese Konstellation wäre selten.»

Über die Seltenheit ist man sich nicht richtig einig. In der Blogosphäre variieren die Meinungen von «Kommt immer wieder vor» bis zu «Jahrhundertereignis». Offenbar handelt es sich bei der gegenwärtigen Konstellation um eine besonders harmonische.

Die Schweizer Astrologin «Madame Etoile» Monica Kissling erwähnt die Konstellation bei ihrem wöchentlichen Radioauftritt am Montagmorgen nicht einmal. Auf der positiven Seite verspricht sie für die kommende Woche «lustbetonte Sterne».

Die Astrologie wurde 1670 aus den Hochschulen verbannt und machte Platz für die Astronomie. Die aktuelle Konstellation ist aber für Wissenschaftler uninteressant. «Von uns glaubt niemand, dass Stellungen von Planeten irgendwelche Bedeutungen für unser Leben haben», sagt der Astrophysiker Dr. Georg Lamer vom Leibniz-Institut für Astrophysik in Potsdam. «Auch wenn die Sterne schöne Konstellationen bilden, ist das höchstens für ein Foto wertvoll. Wissenschaftlich spielt es keine Rolle.» Und ergänzt: «Die Leute glauben auch, wenn mehrere Planeten einen kurzen Moment in einer Reihe stehen, dann müsse man mit Springfluten oder Ähnlichem rechnen. Das ist natürlich Unsinn.»

Ben Moore, Professor für Astrophysik an der Universität Zürich, geht noch härter ins Gericht: «Astrologie ist kompletter Nonsens. Es überrascht mich, dass 30 Prozent der Bevölkerung daran glauben.»

Beide Wissenschaftler sind sich aber einig, dass die Planeten durch die Gravitation einen Einfluss aufeinander haben. Moore: «Neptun wurde entdeckt, weil Wissenschaftler eine minimale Abweichung in der Umlaufbahn von Uranus entdeckt hatten.» Lamer: «Die Entdeckung machte ein Vorgänger an unserem Institut 1846.»

Ben Moore gibt abschliessend noch einen Hinweis: «Wenn Astrologen behaupten, dass die Gravitation diejenige Kraft ist, die unser Schicksal und Verhalten beeinflusst, dann sollten sie auch die Milliarden von Asteroiden einbeziehen, die durch unser Sonnensystem wandern. Und darüber hinaus auch noch die Hunderten von Milliarden Galaxien, mit ihren jeweils Hunderten Milliarden Sternen und Planeten. Viel Glück damit.»

Erstellt: 29.07.2013, 16:53 Uhr

Ben Moore ist Professor für Astrophysik an der Universität Zürich. Seine Forschung konzentriert sich auf das Verständnis der Entstehung und Entwicklung des Universums und wie Sterne, Planeten und Galaxien sich formten. Moore ist der Rockstar unter den Professoren. Er schreibt populäre Wissenschaftswerke («Elefanten im All») und macht Elektrorockmusik unter seinem Künstlernamen «Professor Moore».

Dr. Georg Lamer ist Astrophysiker am Leibniz-Institut in Potsdam bei Berlin. Mit seinem Team entdeckte er 2010 einen supermassiven Galaxienhaufen in 7,7 Milliarden Lichtjahren Entfernung. Er dissertierte 1996 mit der Arbeit «Die Röntgenspektren der BL Lacertae-Objekte und Identifikation».

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