Das ist nicht mehr lustig

Student Alex Powell wurde bekannt als Clown von Northampton. Nun eifern ihm überall Horrorclowns nach.

Als Clown und als Student: Alex Powell. Foto: PD

Als Clown und als Student: Alex Powell. Foto: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Sache begann am Freitag, dem 13., im September 2013. An diesem Tag wurde der Clown von Northampton zum ersten Mal gesehen: weisses Gesicht, blutunterlaufene Augen, rote Nase, rote Haare, irres Lachen. Bald darauf hatte der Clown Zehntausende Fans auf Facebook, Kurzmeldungen auf Twitter schloss er stets mit «beep beep». Die Bürger der englischen Stadt posteten Bilder des Clowns, wie er am Strassenrand stand, mal hielt er Ballone in der Hand, mal einen Teddy­bären. Nicht wenige hatten Angst vor ihm. Dann begann die Jagd: Die Polizei nahm Ermittlungen auf, Reporter legten sich auf die Lauer, CNN schickte ein Kamerateam in die Stadt.

Die Sache war zu Ende am 13. des Folgemonats. Vermeintlich. Inzwischen hatte der Clown von Northampton fast 200'000 Fans auf Facebook. Und von dem Tag an auch einen Namen und ein Gesicht: Unter der Maske steckte Alex Powell, damals 22, Student und Filmemacher. Braunes Haar, adretter Scheitel, bubenhafter Blick – eine ziemlich harmlose Erscheinung. Die Reporter hatten ihm nachgestellt und schliesslich auf einem Parkplatz «Beweisbilder» geschossen. «Okay, ich bin der Clown», gab Powell zu. Eigentlich wollte er das Spiel noch eine Weile unerkannt weiterspielen.

Das taten und tun nun andere. Schon im Dezember tauchte in einer kleinen Ortschaft im Norden ­Northamptons ein böser Clown auf. Der Geschäftsführer von «Clowns International» sah sich zu einer Stellungnahme gezwungen: «Das ist nicht zum Lachen!» Das seien keine Clowns. Zu deren Standesregeln gehört nämlich, in der Öffentlichkeit kein Kostüm zu tragen. Der Appell blieb unerhört: Die Zahl der «falschen» Clowns steigt. Von Horrorclowns ist die Rede, vor allem in Frankreich und den USA sorgen sie für Angst und Schrecken, jüngst auch in Genf und im Aargau.

Jagd auf die bösen Clowns

Spätestens seit Stephen Kings Buch «Es» gehören Clown und Horror ebenso zusammen wie Clown und Spass. Die Figur Pennywise ist quasi der idealtypische Horrorclown; von ihm hat Powell «beep beep» kopiert. Pennywises Vorlage fand King im Serienmörder John Wayne Gacy: Dieser brachte in den 70er-Jahren 33 Menschen um, verscharrte die Leichen unter seinem Haus – und trat nebenbei in Krankenhäusern als Clown auf. Der Grund, dass die krankhafte Angst vor Clowns, die Coulrophobie, heute zu den zehn häufigsten Phobien gehört, wird in der bösen Darstellung der Figur in Film und Literatur vermutet: Heath Ledger etwa gewann posthum einen Oscar für seine Rolle als Joker im Batman-Film «The Dark Knight».

Wurde Alex Powell vor gut einem Jahr in Northampton vor allem mit der Fotokamera gejagt, jagen heute Justiz, Polizei, Bürgerwehren die bösen Clowns. Zum Beispiel in Frankreich: In Douvrin wird ein Metzgerlehrling zu einer bedingten Haftstrafe verurteilt, weil er verkleidet Kinder terrorisierte. In Montpellier nimmt die Polizei einen um sich schlagenden Clown fest. In Bordeaux macht sich eine bewaffnete Meute auf, die Clowns aus der Stadt zu vertreiben.

Auch Alex Powell hatte neben zahlreichen Facebook-Fans eine beträchtliche Gegnerschaft. Nachdem er enttarnt worden war, erhielt er mehr als tausend Morddrohungen. Powells Kommentar dazu: «Offensichtlich haben nicht alle meine Nummer lustig gefunden. Beep beep.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.11.2014, 22:19 Uhr

Video

Quelle: YouTube

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Outdoor Survivalkit für Verletzte
Mamablog Bitte nicht so negativ!

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Edler Schlitten: Eine Yacht wird im holländischen Oss gebaut (8. August 2018).
(Bild: Piroschka van de Wouw) Mehr...