Datenrätsel im Kachelmann-Prozess

Auf dem Handy von Jörg Kachelmann und dem Laptop seines möglichen Opfers sind Daten verschwunden.

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Der 30. Tag im Vergewaltigungsprozess war der Tag der Informatik. Zwei elektronische Spurensicherer sagten im Mannheimer Landgericht aus. Die beiden Polizeitechniker werteten Handys und Laptops des Angeklagten Jörg Kachelmann und der Frau aus, die den Wettermoderator angezeigt hat. Die Sachverständigen untersuchten die sichergestellten Kommunikationsgeräte mit Spezialsoftware und stiessen überall auf merkwürdige Spurenbilder, die sie gestern in der Hauptverhandlung zu deuten versuchten.

Bei Kachelmanns Nokia fehlen laut dem einen Kommissar die «ausgehenden Daten». Es könnte sein, dass der Schaffhauser Informationen über getätigte Anrufe und SMS gelöscht hat. Ähnlich soll es sich beim Blackberry verhalten, das die Ermittler lange nicht knacken konnten. Kachelmann wollte ihnen den PIN-Code dafür nicht verraten. Er habe die Zahlenkombination vergessen, liess er den Verteidiger ausrichten.

Als der ermittelnde Diplomingenieur den Laptop der Frau analysierte, die den TV-Wetterexperten angeklagt hat, entdeckte er, dass die Anzeigeerstatterin bereits ein Jahr vor der angeblichen Sexualstraftat, im Februar 2009, im Internet nach dem Namen einer Nebenbuhlerin gegoogelt hatte. Unter einem Vorwand kontaktierte sie dann Ende 2009 ihre Konkurrentin. Erst am 8. Februar 2010 jedoch konfrontierte sie Kachelmann damit, dass sie von der anderen Freundin wisse. Im folgenden Streit habe Kachelmann sie bedroht und vergewaltigt, behauptet das mutmassliche Opfer. Der Angeklagte bestreitet dies.

Grosse Datenlücke

Auf dem Laptop der Anzeigeerstatterin stiessen Informatiker auf eine Datenlücke von mehreren Monaten. Einer der beiden Zeugen von gestern vermutet, dass sich die fehlenden elektronischen Informationen durch ein Update des Internetbrowsers erklären lassen. Gewisse Suchinformationen allerdings seien wohl manuell gelöscht worden. Für die von der Verteidigung eingebrachte These, dass die Anzeigeerstatterin vielleicht im Internet Informationen über Vergewaltigungen suchte, bevor sie sich selbst verletzte, fanden sich auf ihrem Laptop keine Anhaltspunkte.

Merkwürdige Bilder

Zu rätseln geben hingegen nach wie vor zwei Fotoaufnahmen, welche Informatiker im gelöschten Bereich des Rechners entdeckten. Sie zeigen Hämatome an den Oberschenkeln, die jenen ähneln, welche nach der angeblichen Tat festgestellt wurden. Die so Verletzte erklärt sich die Blessuren mit heftigem Geschlechtsverkehr oder mit einem Kleinkind, das auf ihren Beinen herumgehüpft ist. Unklar ist, wann die Bilder entstanden sind, weil das Kameradatum nicht richtig eingestellt war. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.03.2011, 09:39 Uhr

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