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Demo mit Coop-Plünderung und grossen Schäden: «Mitgegangen, mitgehangen»

In der Nacht ist ein grosser Saubannerzug durch Zürich marschiert. Dabei kam es zu Ausschreitungen und massiven Sachbeschädigungen. Polizeivorsteher Leupi kritisiert die Binz-Besetzer scharf.

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Bei Ausschreitungen in Zürich ist in der Nacht auf Sonntag ein Sachschaden von mehreren Hunderttausend Franken entstanden. Gestern vor Mitternacht zogen weit über Tausend Demonstranten vom besetzten Binzareal her in den Kreis 4, wo sie planlos randalierten. Am Tag nach dem Saubannerzug meldete sich Polizeivorsteher Daniel Leupi (Grüne) zu Wort: «Ich verurteile die Aktion von gestern Nacht in aller Schärfe. Dieser Gewalt- und Zerstörungszug durch Wiedikon und den Kreis 4 kann nur als kriminell bezeichnet werden», schreibt er in einer Stellungnahme.

Offenbar sei die Gewaltanwendung von einer relativ kleinen Kerngruppe ausgegangen. «Bedenklich ist aber, dass die grosse Menge der Mitläufer sich nicht deutlich von der Gewaltanwendung distanziert hat.» Für Leupi ist klar, dass der Grundsatz gelte «Mitgegangen, mitgehangen». Der linke Polizeivorsteher kritisiert die verantwortlichen Binz-Aktivisten scharf: «Sie haben sich mit dieser nächtlichen, anonymen Gewalteskalation mehr als diskreditiert.» Konkrete Massnahmen nennt er jedoch keine. Er teilt mit, die Stadtpolizei werde alles daran setzen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Dutzende Gewaltbereite

Bei der Demonstration in der Nacht schlossen sich immer mehr Leute spontan dem Pulk an, der von Wagen mit lauter Musik und einer Liveband begleitet wurde. Zum grossen Teil handelte es sich zwar um friedliches Partyvolk. Doch unter den Teilnehmern befanden sich auch «Dutzende Vermummte, die gewaltbereit sind», wie ein Augenzeuge berichtete.

Die Vermummten warfen Bauabsperrungen auf die Strasse und zündeten Container an. Immer wieder knallten Feuerwerke. In der Nähe des Stauffachers im Kreis 4 kam es erstmals zu Ausschreitungen und Sachbeschädigungen: «Einige Demonstranten warfen Steine in Richtung der Polizisten», sagte ein weiterer Augenzeuge.

Die Polizei schien offenbar von der grossen Menschenansammlung überrascht. Sie konnte den Krawallmachern stundenlang kein wirksames Aufgebot entgegenstellen. Nach ersten Scharmützeln zogen die Demonstranten weiter in Richtung Langstrasse. Dort setzten sie Mülltonnen in Brand und sprayten Hauswände voll. Viele von ihnen stammen aus dem Umfeld der Binz-Besetzer – oder schlossen sich spontan den Gewaltbereiten an.

Sinnlose Gewalt

Der Umzug entwickelte sich immer mehr zu einem Saubannerzug. Krawallanten schlugen die Türe des Coop Pronto an der Ecke Badener-/Langstrasse ein. Insgesamt ein Dutzend Vermummter betrat daraufhin die Filiale, heraus trugen sie Alkohol und Zigaretten, einige warfen Schokohasen auf die Strasse.

Mit Tränengas, Gummischrot und einem Wasserwerfer verhinderte die Polizei, dass der Demonstrationszug mit weit über tausend Leuten weiter die Langstrasse hinab gelangte. Die Wagen mit Musik und einer Lichtshow wichen in eine Seitenstrasse Richtung Lochergut aus.

An jeder Ecke wurden Baustellen verwüstet, Wände versprayt und Feuer entfacht. Beim Bezirksgericht schlugen Unbekannte ein Fenster ein, ebenso bei einem Autohändler. Während die Feuerwehr auf der Badenerstrasse ein Feuer löschte, wurden wenige Meter weiter bereits neue Container angezündet. Verhaftet wurde niemand, wie es bei der Stadtpolizei auf Anfrage hiess. Bisher seien auch keine Meldungen über Verletzte eingegangen.

Zeichen gegen Binz-Räumung

Die Leute hatten sich vermutlich aufgrund eines Partyaufrufes unter Gleichgesinnten im besetzten Binzareal besammelt. Kurz nachdem sich der Demozug stadteinwärts in Bewegung gesetzt hatte, kam es zu ersten Sachbeschädigungen, wie die Stadtpolizei am Sonntag mitteilte. Unter anderem wurden die Regionalwache Wiedikon und diverse umliegende Gebäude durch Schmierereien und eingeschlagene Fensterscheiben massiv beschädigt.

Das ehemalige Fabrikgebäude auf dem Binzareal wird seit 2006 besetzt und als alternatives Wohn- und Kulturzentrum genutzt. Die Demonstranten hatten am späten Samstagabend zu einer unbewilligten Kundgebung aufgerufen. Sie wollten als Reaktion auf die angekündigte Räumung «ein Zeichen setzen», wie sie in einer Mitteilung schrieben.

Auch mehrere Einsatzfahrzeuge sind laut der Stapo massiv beschädigt und Geschäfte geplündert. Nach weiteren Einsätzen von Gummischrot und Reizstoff zog sich die immer noch mehrere Hundert Personen umfassende und «sehr aggressive Menschenmenge» gegen 2 Uhr ins Binzareal zurück. Bisher gingen bei der Stadtpolizei keine Meldungen über verletzte Personen ein.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.03.2013, 00:33 Uhr

Kurz darauf lieferten sich die Teilnehmer erneut Scharmützel mit der Polizei: Unbewilligte Party im Kreis 4.

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