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Den Krebs besiegt und vom Stein erschlagen

Der amerikanische Speedkletterer und Extremalpinist Chad Kellogg ist 42-jährig am Mount Fitz Roy gestorben. Sein Leben gleicht einer verrückten Geschichte mit lauter Extremen.

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In 36 Stunden vom Basecamp zum Mount Everest und zurück, das war das Ziel, nein die Obsession von Chad Kellogg. Ohne Sauerstoff versteht sich. Dieses Ziel wird der US-amerikanische Extremkletterer nicht mehr erreichen, denn er starb am 14. Februar am Fitz Roy in Patagonien durch Steinschlag.

Chad Kellog und sein Kletterpartner Jens Holstein hatten den 3406 Meter hohen Granitberg in den argentinisch-chilenischen Anden erfolgreich bezwungen, als Kellogg beim Abseilen von einem Stein getroffen und sofort getötet wurde. Holstein überlebte, doch die Gilde der Extrembergsteiger verliert mit Chad Kellogg einen ihrer Pioniere und profiliertesten Exponenten.

Zuerst auf Bäume, dann auf Berge geklettert

Geboren 1971 in den USA, lebte Kellogg als Sohn von Missionaren bis zum Alter von acht Jahren in Kenia, wo er statt auf Berge auf Bäume kletterte. Zurück in Seattle, waren zwar die Berge im Pazifischen Nordwesten der USA präsent, doch Kellogg setzte all seinen sportlichen Ehrgeiz auf eine Olympiateilnahme im Rennrodeln. Erst als dieser Traum in den 1990ern platzte, transferierte Kellogg seine ganze Energie in den Alpinismus.

Ende des letzten Jahrtausends waren jedoch die Erstbesteigungen aller höchsten Berge dieses Planeten längst erfolgt. Kellogg, der Bergsteigen sicher nicht als Hobby, sondern als Lebenszweck betrachtete, spezialisierte sich folglich auf eine ganz spezielle Disziplin im Hochgebirge – Geschwindigkeitsrekorde im Extremalpinismus, kurz Speed Climbing.

Als Erstes setzte Chad Kellogg mit weniger als fünf Stunden den – längst egalisierten – Rekord für den schnellsten Auf- und Abstieg auf den Mount Rainier, den höchsten Berg seines Heimatstaates Washington. 2003 gewann er bei seiner ersten Teilnahme an einem offiziellen Speed-Climbing-Wettkampf sogleich die Goldmedaille beim Khan Tengri Mountaineering Race in Kasachstan. Im gleichen Jahr bezwang er den höchsten Berg Nordamerikas, den Mount McKinley in Alaska, in weniger als einem Tag – nach 23 Stunden und 55 Minuten war Kellogg zurück am Ausgangspunkt. Der 6168 Meter hohe McKinley, alternativ auch Denali genannt, ist einer der Seven Summits, der jeweils höchsten Berge der sieben Kontinente, und gilt als einer der kältesten Berge der Welt. Bis heute steht dieser Speed-Rekord, auch wenn er mangels offizieller Begleitung und Beweisen von einigen Konkurrenten nie anerkannt wurde.

Dreimal am Everest gescheitert, ein vierter Versuch war bereits geplant

«Es ist nicht so, dass ich ein besonders herausragender Kletterer wäre», sagte Kellogg 2011 während seiner Vorbereitungen für seinen zweiten Versuch am Mount Everest. «Es ist einfach so, dass ich es mehr will als alle anderen und bereit bin, dafür härter zu trainieren als alle anderen.» Dennoch scheiterte Kellogg dreimal beim Versuch, den Mount Everest allein und ohne Sauerstoff in einer neuen Bestzeit zu besteigen. In 22 Stunden vom Basislager hoch zum Gipfel und in weiteren 14 Stunden zurück zum Ausgangspunkt war sein Ziel, womit er den Rekord des französischen Alpinisten Marc Batard aus dem Jahr 1988 geschlagen hätte. Doch der Gipfelerfolg blieb im verwehrt – ein weiterer Versuch war für die kommende Saison bereits eingeplant.

Dass im Leben und im Alpinismus nicht alles kontrollierbar ist, wusste Chad Kellogg aus eigener Erfahrung. Er scheiterte an gesteckten Zielen, sah Bergkameraden zu Tode stürzen und erfuhr bei der Erstbesteigung eines unbenannten Gipfels in China per Telefon vom Tod seiner Frau Lara Bitenieks Kellogg am Mount Wake in Alaska. Doch der Tod lauert nicht nur im Gebirge, sondern auch im eigenen Körper. Kurz nach der Beerdigung seiner Frau erkrankte Kellogg an Darmkrebs, den die Ärzte unter Kontrolle bringen konnten. Vor zehn Jahren sagte Kellogg, auf die Gefahren des Speed Climbings angesprochen, er werde wohl früher oder später in einer Gletscherspalte oder im Steinhagel ums Leben kommen. Chad Kellogg sollte recht bekommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.02.2014, 16:54 Uhr

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