Der «Advokat des Teufels» ist tot

Jacques Vergès verteidigte Nazi-Kriegsverbrecher, einen Gestapo-Chef und Slobodan Milosevic. Jetzt ist der legendäre und ebenso umstrittene französische Anwalt 88-jährig gestorben.

Übernahm berühmt-berüchtigte Fälle: Jacques Vergès. (Archivbild)

Übernahm berühmt-berüchtigte Fälle: Jacques Vergès. (Archivbild) Bild: AFP

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Der umstrittene Anwalt Jacques Vergès, der unter anderem den Nazi-Kriegsverbrecher Klaus Barbie verteidigte, ist tot. Nach Angaben des Präsidenten der französischen Anwaltsvereinigung (CNB) starb er am Donnerstag im Alter von 88 Jahren in Paris.

Vergès sei eines natürlichen Todes gestorben, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf den CNB-Präsidenten. Er habe die Informationen aus dem Umfeld des Verstorbenen erhalten, bestätigte Christian Charrière-Bournazel eine Meldung des Fernsehsenders BFMTV.

Legendärer Ruf

Vergès genoss in Frankreich einen legendären Ruf als Anwalt für berühmt-berüchtigte Fälle. Unter anderem verteidigte er den ehemaligen Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, und den ehemaligen jugoslawischen Staatschef Slobodan Milosevic.

Zu seinen Mandanten zählte auch der venezolanische Terrorist Ilich Ramírez Sánchez, besser bekannt als Carlos. Ausserdem verteidigte er Khieu Samphan, einen hohen Funktionär der Roten Khmer in Kambodscha, sowie Mitglieder verschiedener linksextremer Gruppierungen.

Vergès sei ein sehr brillanter und kultivierter Anwalt gewesen, sagte Charrière-Bournazel, «sehr mutig und unabhängig», aber auch «sehr narzisstisch». In Erinnerung zu behalten sei Vergès «Talent, sein Mut und sein Engagement». Er habe gerne widersprochen, dabei jedoch nie den Respekt für sein Gegenüber verloren.

In Thailand geboren

Vergès wurde 1925 im heutigen Thailand geboren. Seine Kindheit verbrachte er grösstenteils im französischen Überseegebiet La Réunion. Während des Zweiten Weltkriegs schloss er sich mit 17 Jahren französischen Widerstandskämpfern an und trat später in die Kommunistische Partei Frankreichs ein.

In den 50er-Jahren lebte Vergès zunächst in Prag, bevor er 1955 sein Jurastudium in Paris begann. Seine Vorliebe für die Verteidigung prominenter Verbrecher brachte Vergès später den Beinamen «Advokat des Teufels» ein. (chk/sda)

Erstellt: 16.08.2013, 05:32 Uhr

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