Der «Dog-Selector» findet den idealen Ferienplatz für Hunde

Das Geschäft mit dem Tierhüten floriert. Doch Haustier-Experten warnen vor unseriösen Angeboten.

Wohin mit dem Liebling, wenn man nach Kreta fliegt?

Wohin mit dem Liebling, wenn man nach Kreta fliegt? Bild: Keystone

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Endlich Ferien! Doch wohin mit dem Hund, wenn man einen Flug nach Kreta geplant hat? Oder eine Kletterwoche im Hochgebirge? Befreundete Hundehalter sind selber verreist und die Tierheime längst ausgebucht. Als rettende Alternative gibt es jetzt Dogchange.ch, ein privates Unternehmen in der Ostschweiz, das sich auf die Platzierung von Ferienhunden spezialisiert hat. Das Besondere daran: Hier schliessen sich Hundefreunde auf einer Internetplattform zusammen, um sich während der Ferien gegenseitig die Vierbeiner zu hüten.

Konkret geht das so: Man zahlt beispielsweise einen Jahresbeitrag von 170 Franken ein. Damit hat man Anspruch auf 14 Hütetage bei einem anderen Hundehalter – und bietet im Gegenzug selber 14 Hütetage an. «Auf die Idee, im Internet Ferien gegen Hunde auszutauschen, sind wir gekommen, weil wir das Problem selber kennen», sagt Karin Koch, Geschäftsführerin von Dogchange mit Sitz in Appenzell. Zudem sei sie von Medienberichten über ausgesetzte Hunde aufgeschreckt worden.

Doch wie finden Mitglieder von Dogchange den idealen Platz für ihr Tier? Mit dem Dog-Selector – einer Weltneuheit, wie Karin Koch zu wissen glaubt. Dabei handelt es sich um ein Computer-Programm, das ähnlich funktioniert wie eine Partnervermittlung: Neben Rasse, Geschlecht und Alter des Hunds berücksichtigt es auch die kantonalen Tiergesetze und die Verträglichkeit mit anderen Haustieren und Kindern. «So findet der Benutzer im Nu heraus, welche Hunde zueinander passen», sagt Koch.

Fremde Hunde sind ein Risiko

Trotzdem ist man in Fachkreisen skeptisch. In Zeiten der Wirtschaftskrise schössen solche Vermittlungsfirmen wie Pilze aus dem Boden, sagt Peter Rub, Präsident der schweizerischen kynologischen Gesellschaft. «Die beste Garantie für eine fachgerechte Betreuung besteht bei behördlich kontrollierten Hundepensionen.» Das Risiko von alternativen Hütediensten sei beträchtlich: «In fremder Umgebung und ohne den eigenen Meister kann ein Hund völlig unberechenbar sein.» Und die Verantwortung liege letztlich beim Halter.

Rub verweist auf das nationale Hundegesetz, welches das Parlament im Nachgang zur tödlichen Pitbull-Attacke von Oberglatt erarbeitet hat. Das neue Gesetz dürfte im Herbst verabschiedet werden und schreibt explizit vor, dass Hunde «so zu beaufsichtigen sind, dass sie weder Menschen noch Tiere gefährden».

Kein Platz für Kampfhunde

Genau deshalb habe man bei Dogchange entsprechende Sicherungen eingebaut, sagt Karin Koch. Bei der Aufnahme von neuen Mitgliedern führe sie ein ausführliches Telefongespräch. Weiter müssten die Hundehalter ihre Tiere für einen Probetag ins Ferienasyl bringen. Und Kampfhunde würden keine vermittelt.

Davon rät man beim Schweizer Tierschutz auch dringend ab. «Für das Hüten von Listenhunden braucht es viel Fachwissen», sagt Hundeexpertin Julika Fitzi. Probetage seien generell sinnvoll, «aber mit einem einzigen Tag lernt man einen fremden Hund noch lange nicht kennen». Die Tierärztin bestätigt den Boom von privaten Hütediensten. Das sei wohl eine Folge der verschärften Vorschriften zum Besuch von Hundeschulen: «Viele Hundetrainer wollen ihr erworbenes Knowhow zusätzlich nutzen.»

Schweizer Marktführerin bei der Online-Vermittlung von Tierbetreuung ist nach eigenen Angaben Petsitting 24.ch. Die Firma hat derzeit 2800 Personen in der Datenbank, die Heimtiere aller Art betreuen. Die Interessenten müssen den geeigneten Partner aber selber finden und mit ihm die Entschädigung aushandeln. Teuer wird es, wenn man den Betreuer gleich tageweise zu sich nach Hause bestellt. Günstiger, wenn etwa eine Studentin ein Pferd stundenweise ausreitet.

In der Schweiz leben 500 000 Hunde, von denen eine beträchtliche Zahl ferienhalber versorgt sein will. Trotzdem komme es sehr selten vor, dass Hunde ausgesetzt würden, sagt Hanns Fricker von der Schweizerischen Tiermeldezentrale: «Dies wohl deshalb, weil der Besitzer wegen der Chip-Pflicht rasch eruierbar wäre.»

Von den rund 50 Vermisst- und Fundmeldungen pro Tag beträfen rund 80 Prozent Katzen. Und eine «markante Zunahme» gebe es bei den Schildkröten.

Erstellt: 19.07.2010, 18:04 Uhr

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