Der Polterer hat seinen BMW wieder

Der «Kultmotzer» Massimo Portmann darf wieder Gas geben. Auf der Strasse und vor der Kamera.

Grüne sind für ihn «Fröschlistreichler»: Mit seinen Youtube-Filmchen hat Massimo Portmann grosse Popularität erlangt.

Grüne sind für ihn «Fröschlistreichler»: Mit seinen Youtube-Filmchen hat Massimo Portmann grosse Popularität erlangt. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Massimo Portmann feiert schon heute Weihnachten. Die Kantonspolizei Luzern gibt ihm den Führerschein zurück. Zweimal war er im 2012 zu schnell unterwegs, deshalb musste der 24-Jährige seinen BMW die letzten drei Monate in der Garage stehen lassen.

Portmann und dessen Auto wurden im Frühling quasi über Sonntagnacht berühmt, nachdem die Satiresendung «Giacobbo/Müller» ein Youtube-Filmchen des Luzerners ausgestrahlt hatte. Darin flucht der Secondo mit neapoletanischen Wurzeln über die Juso, die «Fröschli-Streichler» (Grüne), die «Scheisspolitiker». Ungefähr so: «Wieder irgendeine verfickte Demo von ein paar Linken, von wegen Frieden auf Erden, und es gehe immer alles nur ums Geld. Haltet eure Fresse. Gopfertami no einisch!»

Wut über linke Demonstration

Den Zorn des jungen Mannes erregte eine Demo in der Innenstadt, auf dem Weg ins Fitness blieb er im Stau stecken – und warf die Kamera an. Man sei doch in der Schweiz, «dem Land mit dem meisten Frieden», wo die halbe Bevölkerung M3 fahre, und zwar nur, weil die Strassen in so viel besserem Zustand seien als etwa in Italien oder Portugal, da habe es alle drei Meter ein Schlagloch. «Ihr stresst allen die Eier!», polterte Portmann, Zehntausenden von Leuten, die nach einer harten Arbeitswoche einfach «chillig» etwas trinken gehen wollten, spazieren oder «ein Glacé fressen».

Sein knapp dreiminütiger Monolog zählt auf Youtube inzwischen über 100'000 Klicks, «Blick» berichtete mehrere Tage über den «Kultmotzer», erfuhr, dass er keinen Alkohol mehr trinkt und Tattoos liebt. Massimo Portmann wurde von TeleZüri ins «TalkTäglich» eingeladen und auch vom Tagi interviewt.

Der Mann kam an. Auch wenn er sich im Ton vergreife, fanden die meisten, habe er im Kern doch recht: «Endlich sagts mal einer!»

Die SVP ist ihm zu radikal

Vor den Karren spannen liess sich der Bauleiter und Freizeit-DJ trotzdem nicht. Anfragen von der SVP, er möge doch beitreten, schlug er aus. Zu radikal sei ihm die Partei, wenn es um die Legalisierung weicher Drogen gehe. «Die Leute kiffen eh», sagte Portmann. Noch viel weniger aber kann er mit den Jusos anfangen: «Ein Kindergarten in Secondhand-Kleidern», wie er der «Weltwoche» anvertraute. Was Portmann von der 1:12-Initiative hält, demonstrierte er im November in einem Videoclip: Er nahm die rote Fahne und wischte sich damit den Hintern ab. Die Initiative sei ein «absoluter Scheissdreck, der einem nur bekifft in den Sinn kommen kann».

Gestern stellte Massimo Portmann abermals einen Clip auf Youtube. Aus seinem Heimstudio sendet er mittlerweile in unregelmässigen Abständen eine Art politische Satiresendung. Aktuelle Themen: SVP-Nationalrat Hans Fehrs Putzfrau («Wasser predigen, Wein trinken») und Jugendarbeitslosigkeit («Das RAV soll die jungen Männer im Puff abholen»).

So witzig wie der spontane Wutausbruch im BMW sind die neuen Sachen des Schnellredners nicht. Trotzdem hat Massimo Portmann viele Fans, die bisweilen das Ironische in seinen Tiraden nicht erkennen und sich zu fremdenfeindlichen Kommentaren hinreissen lassen. Auch ihnen zeigt er den Mittelfinger. Denn mit Politik, so der clevere Selbstvermarkter, gewinne man keine Frauenherzen.

Erstellt: 21.12.2013, 08:42 Uhr

Massimo Portmann
in seinem Element

Artikel zum Thema

«Super Typ mit glänzender Rhetorik»

Hintergrund Die Videos von Massimo Portmann werden von Zehntausenden angeklickt, so zuletzt auch sein Kommentar zum Fall Carlos. In der SVP wäre der «Kultmotzer» hochwillkommen. Mehr...

«Ich will das E-Voting pushen»

Interview «Kultmotzer» Massimo Portmann ist ein Beppe Grillo im Kleinformat. Im Interview spricht er über seine politischen Pläne, digitalen Ruhm und über den von ihm geprägten Begriff «Fröschlistreichler». Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Blogs

Geldblog Zurich unterstreicht Wachstumsambitionen

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Nichts wie weg: Ein Känguru flieht vor den Flammen in Colo Heights, Australien, die bereits 80'000 Hektaren Wald zerstört haben (15. November 2019).
(Bild: Hemmings/Getty Images) Mehr...