Der Rentner, der von Widmer-Schlumpf 25 Millionen fordert

Jean-Claude Blumenstein richtete eine ungewöhnliche Forderung an die Bundespräsidentin: Er forderte Schadensersatz für Komplikationen nach einer Operation. Und die Bundesrätin antwortete – höchstpersönlich.

Er hätte auch mehr fordern können: Jean-Claude Blumenstein in seiner Wohnung im neuten Stock eines Hochhauses am Rand von Sion.

Er hätte auch mehr fordern können: Jean-Claude Blumenstein in seiner Wohnung im neuten Stock eines Hochhauses am Rand von Sion. Bild: Sabine Papilloud/Le Matin

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«Es tut mir leid, dass ich Sie enttäuschen muss, aber Ihre Anfrage um Schadensersatz übersteigt alle Möglichkeiten, Ihnen auf irgendeine Art und Weise helfen zu können, um Ihre alltäglichen Probleme zu bewältigen», schreibt Eveline Widmer-Schlumpf in einem Brief, welcher der westschweizer Zeitung «Le Matin» vorliegt. Die Bundespräsidentin richtet diese Worte an einen Walliser Rentner, der sich von den Behörden im Stich gelassen fühlt. In seiner Enttäuschung wandte sich Jean-Claude Blumenstein an die Bundespräsidentin und forderte vom Bund 25 Millionen Franken Schadensersatz.

Der Grund für dieses ungewöhnliche Schreiben liegt zwei Jahre zurück. Damals liess sich der 73-Jährige im Spital Sion an der Aorta operieren. Aufgrund von Komplikationen büsste der ehemalige Akkordeon-Restaurator einen grossen Teil seiner Mobilität ein. «Mein rechtes Bein und der linke Arm funktionierten nicht mehr. Alles war irgendwie verschoben und niemand fand eine Erklärung dafür», erklärt der Rentner gegenüber «Le Matin» (Artikel online nicht verfügbar). Blumenstein glaubt, dass er unter Narkose einen Sauerstoffmangel erlitten habe. Seither muss er an einem Rollator gehen.

Die höchste Instanz soll ihm helfen

Der Rentner wollte seine Situation nicht einfach so hinnehmen und wurde bei zwei lokalen Behörden vorstellig. Von der Sozialeinrichtung forderte er einen motorisierten Roller, weil ihn der manuelle zu sehr erschöpft habe. Doch die Anfrage wurde abgelehnt. Auch die IV wolle sich nicht um ihn kümmern, wie Blumenstein erzählt. «Solange man sich noch selbständig ankleiden und essen kann, gilt man nicht als invalid», konstatiert der Walliser.

Derart bitter enttäuscht, sah der 73-Jährige nur noch einen Ausweg: Die höchste Instanz solle ihm helfen. Doch auch Widmer-Schlumpf musste ihn enttäuschen: «Der Bund ist nicht die richtige Anlaufstelle für eine solche Anfrage. Wenn Sie Schadensersatz erhalten möchten, müssen Sie mit Hilfe eines Anwalts eine Klage gegen die Beteiligten einreichen», schreibt die BDP-Bundesrätin in ihrem persönlich signierten Brief.

«Man kann die Leute nicht so behandeln»

Wie aber findet eine vielbeschäftigte Bundespräsidentin die Zeit, sich persönlich um die Anliegen der Bürger zu kümmern? «Die Präsidentin und, soviel ich weiss auch alle anderen Bundesräte, beantworten alle Briefe der Bevölkerung, ausser sie sind in einem aggressiven Ton verfasst», sagt der Pressesprecher des Finanzdepartements, Roland Meier, auf Anfrage von «Le Matin».

Wie aber nahm Blumenstein die erneute Absage auf? Er zeigt sich nicht als schlechter Verlierer. «Das war lediglich eine Geste des Widerstandes, um darauf aufmerksam zu machen, dass man die Leute nicht so behandeln kann», sagt der Rentner und fügt an: «Ich hätte gut und gerne auch das Doppelte fordern können», findet Blumenstein. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.08.2012, 11:20 Uhr

Ein freundliches, aber bestimmtes Nein: Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf antwortete dem Walliser Rentner persönlich auf die Schadensersatzforderung. (Bild: Keystone )

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