Der Zungenbrecher von Ricola

Die Marketingabteilung beim Schweizer Bonbon-Hersteller Ricola ging über die Bücher. «Wer hats erfunden?» war einmal. Das neue Schlagwort ist ein Zungenbrecher – und hat wohl fernere Ziele im Visier.

In aller Munde: Die neue Werbekampagne von Ricola soll die ganze Welt begeistern und ihr Schweizerdeutsch beibringen.

In aller Munde: Die neue Werbekampagne von Ricola soll die ganze Welt begeistern und ihr Schweizerdeutsch beibringen. Bild: ricola.com

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Laufen. 15 Jahre lang lautete die Frage: «Wer hats erfunden?» Die Frage ist mittlerweile Kult und jedes Kind weiss die Antwort darauf. Nun geht Ricola, die Weltfirma aus dem Baselbiet, in ihrer neuen, weltweiten Markenkampagne einen Schritt weiter und zeigt, was genau die Traditionsfirma ­erfunden hat: «Chrüterchraft!» Ein ­magisches Wort mit 13 Buchstaben für ein aussergewöhnliches Bonbon mit 13 Kräutern, laut Ricola.

Seit 1998 reiste ein zappeliger und aufmüpfiger Ricola-Agent mit typisch Schweizer Krawatte durch verschiedene Kulturen und deckte dort die Lügen­geschichten rund um die Erfinder des Ricola-Bonbons auf. Die «Wer hats erfunden?»-Kampagne verhalf Ricola vor allem im deutschsprachigen Raum zu grosser Bekanntheit. Nun präsentiert sich Ricola in einem neuen Gewand, das dennoch logisch an «Wer hats erfunden?» anknüpft: «Chrüterchraft» ist das neue Schlagwort. Nachdem man weiss, wer es erfunden hat, beantwortet sie ganz einfach die Frage «Was hat Ricola erfunden?».

Bewusster Zungenbrecher

«Chrüterchraft ist ein Schweizer Wort. Es steht für Kräuter, für Wirkung und Genuss. In diesem einen Wort stecken also sämtliche Ricola-Werte: die magische Kräutermischung sowie die Schweizer Herkunft, wohltuende Wirkung und der gute Geschmack unserer Produkte», sagte Felix Richterich, CEO und Verwaltungsratspräsident von ­Ricola, zu «Blick.ch».

Die Frage, die sich nun aber stellt: Ist Werbung ohne den Ricola-Mann nicht ein Risiko? Ist er überhaupt zu toppen? «Sich gar nicht zu bewegen, wäre das grössere Risiko», sagt Bernhard Christen, Kommunikationschef der Ricola AG, zum Onlineportal persönlich.com. Hinter der neuen Kampagne steckt Werber Jean-Remy von Matt, der Erfinder von «Wer hats erfunden?» Das Ziel: Ricola mit «Chrüterchraft» noch mehr als globale Marke zu positionieren. Das sei keine Kampagne, sondern eine Mission, der «Welt ein Schweizer Wort in den Mund zu legen».

Amerikaner, Russen oder Japaner im Visier

Die «Wer hats erfunden?»-Kampag­ne sei für den deutschen Markt konzipiert gewesen. «Chrüterchraft» soll nun aber auch Amerikanern, Russen oder Japanern ein Begriff werden. «Es ist immer sehr mutig, etwas aufzugeben, das erfolgreich ist», sagt Werber Frank Baumann. «Der Ricola-Mann war in Deutschland extrem positiv besetzt. Diese Frage war das Kapital der Werbung, das Fleisch am Knochen.» Baumann ist überzeugt, dass sich die Verantwortlichen «das sicher gut überlegt» haben. Aber: «Meiner Meinung nach ist es so austauschbarer geworden. Der Ricola-Mann, der Ur-Schweizer wird aufgegeben. Ich hätte den Mut nicht gehabt.» Anders sieht das Thomas Ammann von der Werbeagentur TBWA Switzerland AG: «Dieser Schritt ist nachvollziehbar und logisch. Die Swissness bleibt, doch es wird besonnener, mit weniger Klamauk.» Die Menschen sollen weltweit mit diesem schrägen Schweizer Wort vertraut werden und Spass dabei haben, es auszusprechen. (baz)

Erstellt: 15.10.2013, 12:03 Uhr

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