Der härteste Sheriff der USA

Joe Arpaio aus Arizona ist ein unerbittlicher Sheriff wie aus einem Western-Film. Jetzt hat der Gesetzeshüter aber Ärger mit dem FBI.

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Seit 18 Jahren sorgt Sheriff Joe Arpaio in Maricopa County (Arizona) für Ruhe und Ordnung. Und er tut dies mit unerbittlichen Methoden, die seit Jahren auf die Kritik von Menschenrechtler stossen. Der 78-jährige Mann italienischer Herkunft bezeichnet sich selbst als «America's Toughest Sheriff» («Amerikas härtester Sheriff)» . Möglicherweise ist er nun zu weit gegangen. Laut Medienberichten ermittelt das FBI gegen den Sheriff. Einen solchen Vorgang gab es in den USA seit 30 Jahren nicht mehr.

Der Vorwurf des US-Justizministeriums lautet: Behinderung der Untersuchung wegen des Verdachts der Verletzung von Grundrechten und Antidiskriminierungsgesetzen. Die Gegner des «schlimmsten Sheriffs Amerikas» («New York Times») werfen ihm rassistischen Machtmissbrauch vor, ebenso Folterung von Häftlingen in 50 Grad Hitze und mit verdorbenen Mahlzeiten. In Arpaios Obhut starben mindestens fünf Gefängnisinsassen. Deren Familien erhielten rund 20 Millionen Dollar Schadenersatz. Arpaio führt Razzien durch, die er als «Clean Sweep» («sauber machen») bezeichnet. Gerne geht der Sheriff gegen illegale Einwanderer und «liberale Spinner» vor.

Boxershorts für Häftlinge mit Aufdruck «Go Joe!»

Sheriff Arpaio wehrt sich entschieden gegen die Vorwürfe aus Washington. Er habe sehr wohl mit dem Justizministerium zusammengearbeitet, indem er tausende Dokumente zur Verfügung gestellt habe. Auch den Rassismusvorwurf weist Arpaio zurück. Er und seine rund 880 Leute diskriminierten keinen Menschen, schon gar nicht, wenn er eine dunklere Hautfarbe habe und kein Englisch spreche. Er entstamme einer italienischen Familie, und seine Schwiegertocher sei Latina, hält der Sheriff fest. Und er schiebt einen Satz nach, der zu seinem Gebaren passt: «Ich bin ein Gesetzeshüter, bei dem jeder dieselbe faire Chance hat – eingesperrt zu werden.»

Ein anderer denkwürdiger Satz von ihm lautet: «Mir geht's nur gut, wenn ich die Strasse entlang gehe, und die Leute kommen zu mir und sagen: ‹Danke, Sheriff.›» Sehr typisch war seine erste Amtshandlung nach der Wahl zum Sheriff vor 18 Jahren: Arpaio ordnete rosa Boxershorts für Häftlinge an - mit dem Logo des Sheriffs und dem Aufdruck «Go Joe!». Laut Medienberichten pflegt der selbstverliebte Sheriff auch einen Sprechstil, der an den Westernfilm-Helden John Wayne erinnert.

Büro von Sheriff Arpaio erhält 3,8 Millionen

«Sollen sie doch ruhig schnüffeln», sagt Arpaio zu den laufenden Ermittlungen des FBI. «Schauen Sie meine Beliebtheitskurve an. 69 Prozent. Trend nach oben. Kann Obama damit konkurrieren?» Die Untersuchung könnte dem Sheriff ein paar Millionen Dollar kosten - falls das Ergebnis eine Verletzung des «Civil Rights Act» von 1964 ist. Maricopa County erhält rund fünf Prozent seines Budgets in der Höhe von zwei Milliarden Dollar aus staatlichen Mitteln; das Sheriff-Büro bekommt 3,8 Millionen.

Arpaio hatte als Polizist in Las Vegas und Washington begonnen. Dann arbeitete er als Beamter der US-Anti-Drogenbehörde DEA in der Türkei, Texas und Mexiko-Stadt. Er ging als DEA-Chef von Arizona in Pension und liess sich zum Sheriff wählen. Das war vor 18 Jahren. Sheriff Arpaio, Jahrgang 1932, denkt noch lange nicht ans Aufhören. Medienberichten zufolge will sich der Wildwest-Sheriff 2016 zur Wiederwahl stellen. (vin)

Erstellt: 09.09.2010, 10:39 Uhr

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