Interlaken

«Der ideelle Schaden ist sehr gross»

Drei historische Dampflokomotiven – allesamt Unikate – befanden sich in der abgebrannten Remise der Ballenberg-Dampfbahn in Interlaken. Für die Besitzer ist der materielle Schaden nicht der schlimmste.

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«Ich wünsche mir, dass im Backofen mehr Ober- als Unterhitze herrschte», sagt Hans Peter Maurer am Sonntag am Telefon. Der Verwaltungsratspräsident der Ballenberg-Dampfbahn Rollmaterial AG hatte 24 Stunden nach dem verheerenden Brand in einer der beiden Remisen beim Bahnhof Interlaken-Ost den Humor nicht ganz verloren.

«Die Oberhitze wäre vermutlich weniger heiss gewesen als die Unterhitze, und das könnte entscheidend für den an den Dampflokomotiven entstandenen Schaden sein», spekuliert Maurer. Ihn und die anderen Dampflokfreunde des Vereins Ballenberg Dampfbahn (VBD) plagte am Sonntag die Ungewissheit, in welchem Zustand sich die historischen Unikate befinden. Maurer geht allerdings schon jetzt davon aus, dass sie auch bei einem Totalschaden wieder neu aufgebaut werden.

Drei Lokomotiven in der Ruine

In der Remise standen zum Zeitpunkt des Brandes die 100-jährige Dampflok G3/4 208, der Rahmen und der Kessel der zu restaurierenden HG3/3 1068 (vgl. Kasten) sowie die C5/6 – die Lok mit Spitzname Elefant, wurde eigens für den Einsatz am Gotthard gebaut. Sie wird vom VBD zurzeit im Auftrag gewartet. Nicht beschädigt wurden die Dampflok HG3/3 1067, die historischen Dreiachspersonenwagen sowie die Achsen der HG3/3 1068; sie standen im alten Depot, welches beim Brand nur leicht in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Über den entstandenen Sachschaden konnten am Sonntag keine klaren Auskünfte gegeben werden. Laut Maurer kostet alleine die im Jahr 2000 gebaute Remise über eine Million Franken: «Ich befürchte, dass wir von einem Totalschaden ausgehen müssen. Die Halle war als komplette Werkstatt mit allerlei Spezialwerkzeugen und Maschinen ausgerüstet, weil wir ja viele Einzelteile der Loks neu herstellen müssen.» Der Wert einer Dampflok lasse sich nicht «einfach so mit Geld beziffern. Wir sprechen hier von Unikaten, die in Tausenden von Stunden Fronarbeit restauriert worden sind – entsprechend hoch ist der ideelle Wert einer solchen historischen Dampflokomotive.» Allein für die Restauration der HG3/3 1068 sind 570'000 Franken budgetiert; ohne zig Stunden Fronarbeiten.

90 Feuerwehrleute im Einsatz

Der Brand in der Remise war am Samstagmorgen ausgebrochen. Gemäss Mitteilung der Kantonspolizei Bern ging der Alarm gegen 8.30 Uhr ein. Als die Feuerwehren Bödeli, Wilderswil und Ringgenberg-Goldswil-Niederried vor Ort eintrafen, stand das Gebäude bereits in Vollbrand. Den rund 90 Feuerwehrleuten sei es zwar gelungen, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Sie konnten aber nicht verhindern, dass das Depot ausbrannte. Verletzt wurde laut Polizeiangaben niemand. Die Brandursache sowie die Höhe des Sachschadens seien Gegenstand der laufenden Untersuchungen. Da sich der Brandplatz unmittelbarer neben Bahngeleisen befindet, musste der Bahnhof Interlaken-Ost aus Sicherheitsgründen während rund dreier Stunden für den Bahnverkehr geschlossen werden. Gegen Mittag begann sich die Verkehrslage zu normalisieren. (Berner Oberländer)

Erstellt: 18.11.2013, 06:36 Uhr

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Infobox

Das Rollmaterial und die Gebäude der Ballenberg-Dampfbahn sind im Besitz der Aktiengesellschaft Ballenberg-Dampfbahn Rollmaterial AG.

Das Rollmaterial und die Gebäude sind an den Verein Ballenberg-Dampfbahn (VBD) vermietet. Der Verein betreibt die Dampfbahn als eidgenössisches Verkehrsunternehmen selbstständig.

Gemäss der Internetseite des VBD retteten Ende der 1970er-Jahre Eisenbahnfreunde die Dampfloks G3/4 Nummer 208 und die HG3/3 Nummer 1067 in letzter Minute vor der Verschrottung. Sie restaurierten die Loks sowie sechs Personenwagen aus den Jahren 1888 bis 1925, einen Gepäckwagen von 1890 und einen Güterwagen von 1888.
Wie diese Zeitung in der Ausgabe vom 11.November berichtete, will der Verein bis 2017 eine weitere Dampflok, die Brünig-Berglok HG 3/3 1068, für 570'000 Franken restaurieren. Sie befand sich auch in der abgebrannten Remise. Wie sie den Brand überstanden hat, ist noch unklar.

Die Züge der Ballenberg-Dampfbahn verkehren zwischen Interlaken-Ost und Giswil im Juli, August und September an jedem zweiten Wochenende. Ende September führt die Saisonschlussfahrt jeweils nach Grindelwald und Lauterbrunnen. Bei den öffentlichen Fahrten zieht die Tallok 208 den Nostalgiezug den Brienzersee entlang Über den Brünig werden die Personenwagen dann von der Zahnradlok 1067 gezogen.

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