Die ARD will Kachelmann loswerden

Der TV-Sender will den freigesprochenen Moderator nicht zurück. Die Wettersendungen sollen statt in der Schweiz in München produziert werden – aber nach wie vor mit Kachelmanns Firma Meteomedia.

Wird von der ARD im Stich gelassen: Der Schweizer Wettermoderator Jörg Kachelmann im Februar 2011 vor dem Gericht in Mannheim.

Wird von der ARD im Stich gelassen: Der Schweizer Wettermoderator Jörg Kachelmann im Februar 2011 vor dem Gericht in Mannheim. Bild: Reuters

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Heute feiert Meteomedia, die Firma von Jörg Kachelmann, im Appenzellerland Weihnachten. Der verschobene Mitarbeiteranlass wird nachgeholt, nachdem es Ende Jahr wenig Grund zum Feiern gab. Firmengründer Kachelmann stand damals in Mannheim vor Gericht. Mittlerweile ist er vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen.

Nun kommt es zur wohl heissesten Weihnachtsfeier in der zwanzigjährigen Firmengeschichte. Nicht wegen der 13 Grad Höchsttemperatur, die Meteomedia für den Durchführungsort vorhersagt. Sondern weil dem Unternehmen einschneidende Veränderungen bevorstehen.Wie TA-Recherchen zeigen, will die ARD, der Hauptauftraggeber des Wetterdienstleisters, dass seine Wettersendungen künftig nicht mehr am Meteomedia-Sitz in Gais AR produziert werden, sondern direkt beim Sender in München. Damit möchte Das Erste mehr Einfluss auf die Gestaltung der Vorhersagen und die Moderatorenauswahl nehmen.Die Verlegung hätte den wohl erwünschten Nebeneffekt, dass die Anstalt Jörg Kachelmann relativ elegant loswerden könnte. Einzelne TV-Entscheidungsträger halten den Wettermoderator dem Vernehmen nach für nicht mehr bildschirmtauglich bei einem öffentlich-rechtlichen Sender.Über Jörg Kachelmann waren im Verlauf des Verfahrens Parallelbeziehungen zu verschiedenen Frauen und intime Details bekannt geworden. Nach seinem Freispruch vor drei Wochen hatte sich Kachelmann mit Rundumschlägen in Interviews gegen solche Blossstellungen gewehrt.

Unmut in der ARD

Innerhalb der ARD kam auch nicht gut an, dass der Strafverteidiger des Schaffhausers, Johann Schwenn, den Intendanten des Mitteldeutschen Rundfunks indirekt einer Art Verschwörung gegen seinen Mandanten bezichtigte. Für Unmut bei der ARD soll zudem gesorgt haben, dass Jörg Kachelmann noch während des Prozesses wieder anfing, bei Radio Basel und Radio Primavera in Aschaffenburg zu moderieren.

Jörg Kachelmann soll bereits vor dem Freispruch in Mannheim von den Plänen der ARD erfahren haben. Er sei darüber, so sagen Eingeweihte, nicht erfreut gewesen. Zwar hat Kachelmann wiederholt erklärt, er müsse nicht unbedingt auf den Bildschirm zurückkehren. In einem «Zeit»-Interview behauptete er gar, von der ARD hätte sich gar niemand bei ihm gemeldet. Mit seiner Firma hat die Sendeanstalt aber zu diesem Zeitpunkt längst Gespräche geführt, wie Recherchen zeigen. Verschiedene Sprecherinnen bei der ARD wollten dies gestern nicht bestätigen. Vieles deutet darauf hin, dass hinter den Kulissen noch über Einzelheiten verhandelt wird.Für Meteomedia steht viel auf dem Spiel, denn die ARD ist mit Abstand der wichtigste Kunde. Die Wetterfirma beschäftigt über 100 Angestellte, ein grosser Teil davon in der Schweiz.

Ein Millionenpublikum

Allzu viele Arbeitsplätze scheinen allerdings nicht gefährdet, denn im Appenzellerland sollen gemäss den noch nicht definitiven Plänen weiterhin die Wetterprognosen für die ARD erstellt werden. Von einer Verlegung bedroht sind aber die Stellen in der Gestaltung und der Moderation der Wettersendungen.

Die Vorhersagen vor der Tagesschau und nach den Tagesthemen erreichen täglich ein Millionenpublikum.

Erstellt: 25.06.2011, 12:23 Uhr

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