Die Bergsteigerlegende Walter Bonatti ist verstorben

Walter Bonatti, einer der grössten Bergsteiger aller Zeiten, ist tot. Er hat die Geschichte des Alpinismus geprägt. Reinhold Messner nannte ihn einen der letzten Abenteurer.

«Er hat Grenzen verschoben»: Walter Bonatti an einer Veranstaltung in Italien.

«Er hat Grenzen verschoben»: Walter Bonatti an einer Veranstaltung in Italien. Bild: Keystone

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Zum Abschluss gelingt ihm der grosse Coup: Am 18. Februar 1965 steigt Walter Bonatti solo in die Matterhorn-Nordwand ein. Er benötigt vier Biwaks, um eine neue Route zu erschliessen. Sie ist derart kühn, dass sie bis heute nur selten wiederholt wurde. Zurück im Tal, gibt Bonatti das Extrembergsteigen auf. Er ist gerade mal 35-jährig auf dem Höhepunkt seines Könnens. Doch sein Interesse beschränkt sich nicht auf die Vertikale. Bonatti bereist fortan als Forscher, Fotograf und Autor die Welt. Am Dienstag ist er 81-jährig in Rom gestorben.

«Walter Bonatti hat Grenzen verschoben. Er hat das Bergsteigen vorangebracht wie kaum ein anderer», sagt Extremalpinist Ueli Steck. Der Italiener ist eines der wenigen Vorbilder von Steck. Bereits als 21-Jähriger gelingt dem 1930 in Bergamo geborenen Bonatti die Erstbegehung der Ostwand des Grand Capucin im Montblanc-Massiv. 1954 ist er Teilnehmer der italienischen K2Expedition, der die Erstbesteigung des 8611 Meter hohen Gipfels gelingt. Als Jüngster, aber einer der Stärksten muss er die Sauerstoffflaschen des Gipfelteams nach oben tragen. Am abgemachten Treffpunkt auf 8100 Meter finden Bonatti und ein Träger aber keine Zelte vor – das Gipfelteam ist weitergestiegen. Mit grösster Not überleben die beiden die Nacht im Freien. Bonatti sieht sich um den Gipfelerfolg gebracht und mit absurden Vorwürfen konfrontiert. Tief enttäuscht wird er zum Alleingänger.

«Visionärer Zustand»

1955 wagt sich Bonatti solo an den Südwestpfeiler des Petit Dru im Montblanc-Massiv. Die 750 Meter hohe, extreme Felsnadel war für die damalige Zeit ein unvorstellbares Unterfangen. «Ich lebte wie auf einem anderen Planeten, ich drang in eine unbekannte Dimension ein, in einen geheimnisvollen, visionären Zustand, in dem es das Unmögliche nicht gibt», schrieb er später. Nach fünf Tagen ist Bonatti am Ziel und hat Alpingeschichte geschrieben. Der Felspfeiler trägt seither seinen Namen.

Drei Jahre später stehen Bonatti und Carlo Mauri als erste Menschen auf dem Gasherbrum IV (7925 Meter). 1961 dann die Tragödie am Frêney-Pfeiler: Ein Wetterumsturz hält Bonatti und seine Seilpartner 60 Stunden in der Wand fest. Beim dramatischen Rückzug sterben vier der sechs Kameraden. Bonatti trägt Erfrierungen davon. Trotzdem gelingen ihm auch danach spektakuläre Erstbegehungen. «Er war ein genialer Kenner der Natur. Einer der letzten Abenteurer», sagt Reinhold Messner.

Erstellt: 15.09.2011, 07:09 Uhr

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