Die Schwingfest-Puristen begehren auf

Das «Eidgenössische» wurde auch zum Schweizer Oktoberfest der Nichtschwinger. Trotzdem hält der Schwingerverband am neuen Konzept fest. Sponsoren wollen es so.

Katerstimmung nach dem Fest: Am «Eidgenössischen» wurde randaliert.

Katerstimmung nach dem Fest: Am «Eidgenössischen» wurde randaliert. Bild: Schwinger Journal

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Vor zwei Wochen frohlockten noch alle. Mit 260'000 Besuchern war es das grösste Eidgenössische Schwingfest aller Zeiten. Männiglich lobte die friedliche Atmosphäre in Frauenfeld, bei der es keine Hooligans und keine Polizeigrenadiere gab. Und OK-Präsident Urs Schneider bilanzierte, es sei gelungen, Tradition und Moderne zu vereinen.

Jetzt hat der «Blick» aber Bilder ins Internet gestellt, die ein Chaos zeigen: eine Halle mit wild durcheinandergewirbelten Festbänken, und der Boden übersät mit Bierflaschen. Kein Zweifel: Während draussen im Sägemehl wacker geschwungen wurde, sind hier im Alkoholrausch die Bänke geflogen. Kann man ein Schwingfest mit solchen Kollateralschäden noch als friedlich bezeichnen?

«Kein Vandalismus»

«Es gab definitiv keinen Vandalismus», kontert Isabelle Denzler, Medienchefin des Schwingfests. Dass junge Festbrüder zu schmissiger Musik auf die Bänke stiegen, «die halt umkippen können», sei nichts Aussergewöhnliches. Von blinder Zerstörungswut könne keine Rede sein: Gerade mal zwei Bänke seien in die Brüche gegangen. Und überhaupt: Die Polizei, die auf dem Festgelände einen Posten eingerichtet hatte, kam in den drei Tagen bloss ein Dutzend Mal zum Einsatz «hauptsächlich wegen tätlicher Auseinandersetzungen zwischen alkoholisierten Personen».

Ballermann statt Ländler

Ein Nachspiel gibt es trotzdem, denn die angeblichen Schlachtfeld-Bilder haben die Schwingfest-Puristen auf den Plan gerufen. Angeführt werden sie von Werner Ochsner, Herausgeber des Fachblatts «Schwinger Journal». Er besuche das «Eidgenössische» schon seit 50 Jahren, «aber so etwas habe ich noch nie erlebt», sagt Ochsner. Einst sei das Schwingfest ein Grossanlass «mit sportinteressiertem, gesittetem Publikum gewesen». Nun sei es zum Mega-Event mutiert, der Zehntausende junger Leute anziehe, «die ihr eigenes Fest durchziehen».

Die Schuld gibt Ochsner dem Rahmenprogramm, und hier stört ihn vor allem die «Ballermann-Musik aus Österreich». Anstatt auf Stimmungskanonen müsse das Schwingfest 2013 in Burgdorf wieder auf gemütliche Ländlermusik setzen, fordert Ochsner: «Man muss zurück zu den traditionellen Werten.»

Eintrittspreise tief halten

Doch Ernst Schläpfer, Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbands, blockt ab: «Ein Zurück gibt es nicht.» Dass der Anlass keine Insiderveranstaltung mehr sei und mit jeder Ausgabe auf ein grösseres Medieninteresse stosse, nütze auch dem Schwingsport.

Entscheidend seien aber die Wünsche der Sponsoren, sagt Schläpfer. «Feldschlösschen» beispielsweise habe die ganze Logistik des Schwingfests finanziert. Es sei deshalb logisch, dass die Getränkefirma auch ihr eigenes Bierzelt betreiben wolle inklusive Oktoberfeststimmung. «Hätten wir weniger Sponsoren, würden die Eintrittspreise fürs Schwinget massiv teurer.» Der Festpass für zwei Tage kostete heuer 190 Franken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.09.2010, 23:20 Uhr

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