Die Strafverfahren gegen Carl Hirschmann

Obwohl der Zürcher Klubbetreiber und Jetsetter in einem Basler Verfahren ohne Strafe davongekommen ist, hat er noch lange nicht Ruhe vor der Justiz.

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Der 30-jährige Carl Hirschmann hat in den letzten Jahren immer wieder Polizei und Justiz beschäftigt. Einige Strafverfahren gegen den prominenten Zürcher wurden eingestellt. Andere Strafuntersuchungen laufen noch. Hirschmann bestreitet die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung. Hier folgt eine Übersicht:

Laufende Verfahren

Gewalt- und Sexualdelikte: Die Zürcher Staatsanwaltschaft führt seit letztem Dezember eine Strafuntersuchung wegen Gewalt- und Sexualdelikten. In diesem Zusammenhang ist Hirschmann zweimal – Anfang November 2009 und Ende März 2010 – verhaftet worden. Unter anderem soll Hirschmann eine frühere Freundin geschlagen und bedroht haben. Nach der ersten Verhaftung auf offener Strasse konnte Hirschmann gegen Zahlung einer hohen Kaution das Gefängnis nach wenigen Tagen wieder verlassen. Er musste allerdings seine Reisepapiere abgeben.

Die zweite Festnahme erfolgte, nachdem bei der Stadtpolizei Zürich zwei Anzeigen gegen Hirschmann eingegangen waren – eine wegen sexueller Nötigung, eine zweite wegen sexueller Handlungen mit einer Minderjährigen.

Eine Woche vor der Festnahme an seinem Wohnort im Hotel Dolder Grand hatte eine Frau Anzeige gegen Hirschmann erstattet, weil er sie im Hotel-Foyer ins Gesicht geschlagen haben soll. Vor dieser Tat prügelte er sich mit Ex-Mister-Schweiz Sven Melig, weil dieser Hirschmanns Begleiterinnen angeblich als «Schlampen» bezeichnete.

Die Strafuntersuchung der Zürcher Staatsanwaltschaft befindet sich in der Endphase. Es kam allerdings zu Verzögerungen, weil eine Ex-Freundin Hirschmanns, die Anzeige erstattet hatte, ein Ausstandsbegehren gegen den zuständigen Staatsanwalt stellte – wegen angeblicher Mängel in der Verfahrensführung. Wie am letzten Freitag bekannt wurde, hat die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft das Ablehnungsbegehren wegen Befangenheit abgelehnt. Damit kann das Verfahren fortgesetzt werden. Mit einem Abschluss der Strafuntersuchung ist in den nächsten Wochen zu rechnen. Dann wird der Staatsanwalt bekannt geben, inwieweit er Anklage gegen den Partykönig erhebt.

Angesichts der finanziellen Mittel des Millionärssohns Hirschmann ist nicht ausgeschlossen, dass das Verfahren sogar eingestellt wird. Die Voraussetzung dazu ist gemäss dem Gesetz, dass der Täter «den Schaden gedeckt oder alle zumutbaren Anstrengungen unternommen hat, um das von ihm erwirkte Unrecht auszugleichen».

Drohungen: Dieselbe Ex-Freundin, die Hirschmann vor einem Jahr angezeigt hatte, strengte ein weiteres Verfahren an. In diesem Fall, der beim Zürcher Bezirksgericht hängig ist, geht es um eine sogenannte Friedensbürgschaft. Laut der heute 20-jährigen Frau drohte ihr Hirschmann, er werde sie zusammenschlagen, wenn er sie treffe, und er werde intime Fotos oder Filme von ihr veröffentlichen. Um dies zu verhindern, verlangt sie, dass Hirschmann eine Friedensbürgschaft leistet respektive ein Versprechen abgibt. Mittels einer Friedensbürgschaft soll jemand, der Drohungen ausgestossen hat, gerichtlich dazu angehalten werden, die Drohungen nicht wahr zu machen. Mitte September verlangte der Hirschmann-Anwalt, dass die Richterin wegen angeblicher Befangenheit ausgewechselt werden soll. Inzwischen hat das Zürcher Obergericht das Ablehnungsbegehren als unbegründet abgewiesen. Damit kann das Bezirksgericht Zürich das Verfahren fortsetzen und demnächst sein Urteil bekannt geben.

Abgeschlossene Verfahren

Körperverletzung: Im Dezember 2009 verurteilte das Basler Strafgericht Hirschmann wegen Körperverletzung und Tätlichkeiten zu einer bedingten Geldstrafe von 54'000 Franken und zu einer Busse von 1000 Franken. Der Jetsetter hatte im Juni 2008 in Basel einen jungen Mann und dessen Freundin geschlagen. Das Paar verliess die von Hirschmann organisierte Party mit Prellungen und einem Nasenbeinbruch. Hirschmann gab an, er habe sich nur gegen den Angriff des Mannes verteidigen wollen. Diese Verurteilung ist kürzlich aufgehoben geworden, weil die beiden Geschädigten ihre Strafanzeigen zurückgezogen haben, wie das Appellationsgericht Basel-Stadt am Montag mitteilte.

Über die Umstände des Rückzugs der Strafanzeigen ist nichts bekannt, weil die beiden Parteien Stillschweigen vereinbart haben. Es ist aber davon auszugehen, dass das Verfahren nach einem Vergleich eingestellt wurde. Hirschmann dürfte eine finanzielle Wiedergutmachung in Aussicht gestellt haben. Vor dem Prozess hatte Hirschmann 5000 Franken angeboten, die Betroffenen hatten aber 60'000 Franken verlangt.

Verkehrsdelikte: In den Jahren zuvor wurde Hirschmann zudem mehrmals wegen Verkehrsdelikten verurteilt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.10.2010, 13:07 Uhr

Er kann gute Anwälte brauchen: Carl Hirschmann. (Bild: Keystone )

Stellungnahme von Hirschmann

Carl Hirschmann bestreitet entschieden sämtliche Vorwürfe, die mehrere Frauen in ihren Strafanzeigen gegen ihn erhoben haben. Zu einem Fall sagt er unter anderem, dass man gezielt versuche, ihn hereinzulegen. Hirschmann nimmt selber nicht öffentlich Stellung zu den Strafverfahren. Dies macht die PR-Agentur des Ex-Journalisten Sacha Wigdorovits. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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