Die Titanwurz stinkt in voller Blüte

Die seltene tropische Pflanze hat ihr Hüllblatt geöffnet. In der Nacht wird die Titanwurz nun im Botanischen Garten Basel ihre berüchtigte Duftnote versprühen.

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Kurz vor 18 Uhr liegt im Botanischen Garten euphorische Nervosität in der Luft – und ein ganz eigentümlicher Duft: Bei einer Höhe von 2,27 Metern hat die Titanwurz am Nachmittag ihr Hüllblatt geöffnet. Biologiestudenten, wissenschaftliche Mitarbeiter und Leute aus dem Vorstand des Vereins Botanischer Garten Basel treffen die letzten Vorbereitungen für die Besucher, die ab 18 Uhr während der ganzen Nacht eingelassen werden. «Wir sind diesmal viel besser organisiert», meint Nora Holzer aus dem Vorstand. Ausserdem sei die Pflanze grösser gewachsen als letztes Jahr.

Der wissenschaftliche Leiter des Botanischen Gartens, Heinz Schneider, pflichtet ihr bei. Damit die Titanwurz ob der ganzen Publicity sich auch im besten Licht präsentieren kann, sind 13 Lampen eingerichtet, die die Pflanze in perfektes, weiches Licht tauchen. «Es war ein tagelanges Tüfteln», sagt Schneider. Er gibt den Studenten, die die Führungen begleiten, noch die letzten Anweisungen. Dann, kurz nach 18 Uhr, hat sich die erste Besuchergruppe auch schon neugierig vor der Glastür eingefunden.

Wie im Dschungel – oder im Zolli

Beim Betreten des Gewächshauses schlägt den Besuchern die schwülwarme Luft mit der berüchtigten Duftnote entgegen. Es ist eine Mischung aus abgestandenem Fussschweiss, verwesendem Fleisch, totem Fisch und etwas Säuerlich-Fruchtigem – so wird jedenfalls das synthetisch hergestellte Titanwurz-Duftelixier beschrieben, das es für fünf Franken im Botanischen Garten zu kaufen gibt. Auf einige Besucher wirkt der Geruch nicht derart umwerfend und ekelerregend, wie darüber berichtet werde. Vielmehr stinke es etwa ähnlich stark wie im Elefanten- oder Nashornhaus im Zolli.

«Der Höhepunkt wird heute gegen Mitternacht erreicht sein», erklärt Schneider. Dann stinke es wirklich gewaltig. Das sei dann auch das Zeichen, dass die weiblichen Teile der Blume bereit seien für die Bestäubung. In der Natur würde dies durch Aaskäfer und -bienen übernommen. Sie werden vom hellen Kolben angezogen, der förmlich eine chemische Duftfabrik ist. Dessen oberes Ende ist mit circa 37 Grad zudem wärmer als die Umgebungstemperatur. «So steigt die Luft und der Duft kann sich optimal verbreiten», erklärt Holzer.

Stinkende Souvenirs

Der Botanische Garten ist wirklich bestens vorbereitet auf das Ereignis. So werden die Besucher nach dem Verlassen von einem einladenden Café unter einem Festzeltdach empfangen, wo es allerhand Souvenirs zu kaufen gibt, wie etwa die Duftflacons. Zum Selberpflanzen sind aber auch Knollen der Drachenwurz (Dracunculus vulgaris) erhältlich, eine kleinere Verwandte der titanenhaften Stinkblume, die zu Hause dann ebenfalls während zweier Tage furchtbaren Gestank verströmt.

Am kommenden Morgen neigt sich die Blütenpracht schon bald wieder dem Ende entgegen; der Gestank jedenfalls nimmt im Verlauf des Dienstagmorgens wieder merklich ab (Link zur Webcam der Universität Basel). Heinz Schneider ist froh, wenigstens für die gut drei Viertel Jahre, die die Pflanze braucht, um nach der Bestäubung die Frucht auszubilden, etwas Ruhe zu haben. Wann die Basler Titanwurz das nächste Mal blühen wird, vermag er nicht zu prognostizieren.

Erstellt: 19.11.2012, 20:53 Uhr

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