Die Züge werden zusätzlich kontrolliert

Die SBB wollen nach tödlichem Unfall in Baden die betroffenen Züge überprüfen. Der Wagentyp bleibt auf den Schienen.

Seit Jahrzehnten im Einsatz: Der Einheitswagen IV. Foto: Keystone

Seit Jahrzehnten im Einsatz: Der Einheitswagen IV. Foto: Keystone

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In der Nacht vom letzten Samstag auf Sonntag klemmte eine Zugtür einen Zugbegleiter ein. Der 54-Jährige wurde vom Zug mitgeschleift und verstarb. Seine Kollegen nehmen heute um 13 Uhr am Zürcher Hauptbahnhof mit einer Gedenkminute Abschied. SBB-Chef Andreas Meyer war gestern sichtlich betroffen vom Vorfall. Er sagte: «Das betrifft uns alle bei der Bahn. Und so etwas schüttelt man nicht einfach so aus den Kleidern.»

Philippe Thürler von der Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) sagte in einem Interview mit «20 Minuten», dass der sogenannte Einklemmschutz versagt habe. Normalerweise hören Türen auf zu schliessen, wenn sich etwas im Weg befindet – nicht aber am vergangenen Wochenende. Was allenfalls sonst noch nicht richtig funktioniert und zum Unfall geführt hat, ist nun Gegenstand der Untersuchung.

Fest steht, dass es bei moderneren Zügen Systeme gibt, die eine Abfahrt verhindern, wenn eine Tür nicht geschlossen ist. Der Unfall passierte mit einem Einheitswagen IV, der seit Jahrzehnten im Einsatz steht. Bei diesem Wagentyp gibt es ein anderes Sicherheitssystem. Einerseits meldet der Zugbegleiter dem Lokführer per SMS, ob der Zug abfahrbereit ist. Andererseits ist in den Zügen ein technisches System verbaut: Sind alle Türen verschlossen, erlischt im Führerstand eine rote Lampe. Erst dann darf der Lokführer den Zug in Gang setzen.

Die Sust geht davon aus, dass die Lampe tatsächlich auch erloschen war. Das werde aber noch genauer untersucht. Die SBB sagen, dass das eingebaute System mit der Meldelampe sich bewährt habe und sicher sei.

Rollmaterial am Anschlag

Im Moment haben die SBB 493 der Einheitswagen IV im Einsatz. Dies bleibt auch so. Auf die Frage, ob die Wagen nun aus dem Verkehr gezogen würden, heisst es von den SBB nur, dass man in den nächsten Wochen die Züge einer zusätzlichen Kontrolle unterziehen werde. Bereits heute werde alle sieben bis zehn Tage die Funktionalität der Türen überprüft. Beim betroffenen Zug war das zuletzt am 31. Juli passiert. Der Eisenbahngewerkschaft SEV geht dies zu wenig weit. Sie fordert laut dem «Blick», dass die Wagen aus dem Verkehr gezogen werden, wenn das Risiko besteht, dass sich der Vorfall wiederholen könnte. Die Wagen werden zurzeit gar vermehrt eingesetzt, weil die neuen Doppelstockzüge von Bombardier nicht rechtzeitig geliefert wurden. Ein Ausfall der Flotte hätte entsprechend grosse Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr. Das knappe Rollmaterial habe aber keinen Einfluss darauf, wie häufig die Züge gewartet würden.

Nach dem tragischen Tod ihres Kollegen berichten andere Zugbegleiter von Problemen mit den Türen dieser Züge. So soll es vorkommen, dass sich auch jene Türen schliessen, bei welchen die Zugbegleiter als Letzte den Zug besteigen. Dies sollte nicht passieren, damit sie kontrollieren können, ob alle anderen Türen geschlossen sind. Mit schmerzhaften Auswirkungen: So würden die Türen in den Rücken knallen, während sich die Zugbegleiter noch im Türrahmen befinden. Den SBB sind laut einem Sprecher keine solchen Vorfälle bekannt. Falls es aber Probleme gebe, werde das bei der jetzigen Überprüfung erkannt und behoben.

In den letzten Jahren gab es immer wieder Vorfälle, bei denen trotz eingeklemmter Personen Züge losgefahren sind. Ein Betroffener ist Simon Gerber. Er war im Januar 2012 von einer Tür eingeklemmt und mitgeschleift worden. «Als ich davon gelesen habe, ist alles wieder hochgekommen», sagt Gerber. Er könne mit der Familie des verunglückten Zugbegleiters mitfühlen. Er selber habe Glück gehabt und könne heute wieder arbeiten.

Erstellt: 08.08.2019, 21:50 Uhr

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