Die verschiedenen Wege ins Cockpit

In der Schweiz gibt es zwei Schulen für Linienpiloten. Eine davon führt direkt ans Steuer von Swiss-Maschinen.

Sammeln bei der Swiss praktische Erfahrungen: Piloten auf dem Weg ins Landetraining in einem Airbus A330.

Sammeln bei der Swiss praktische Erfahrungen: Piloten auf dem Weg ins Landetraining in einem Airbus A330. Bild: Keystone

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Die jüngsten Erkenntnisse zum Absturz der Germanwings-Maschine werfen Fragen zur Ausbildung und Selektion der Cockpitbesatzungen auf. In der Schweiz gibt es zwei Anbieter für die Ausbildung zum Linienpiloten: Swiss Aviation Training (SAT) oder Horizon Swiss Flight Academy.

Beide Schulen sind in Kloten zu Hause, bieten Ausbildungen ohne fliegerische Vorkenntnisse an und beide sind mit Fluggesellschaften verbunden: Swiss Aviation Training ist eine Swiss-Tochter, Horizon ist an Helvetic Airways Group angebunden. Die meisten Piloten, die später bei Swiss oder bei Edelweiss anheuern, absolvieren ihre Ausbildung bei SAT.

Direkter Einstieg ins Swiss-Cockpit

Direkt zu einem Arbeitsvertrag bei der Swiss führt eine erfolgreich abgeschlossene «Integrierte Multi-Crew-Pilot-License-Ausbildung». Sie dauert 18 Monate und wird von der Airline vorfinanziert. SAT bietet aber auch die «Air Transport Pilot»-Ausbildung an, die ebenso lange dauert, nach welcher der Weg aber auch zu anderen Airlines führt. Die Kosten für die SAT-Ausbildung betragen rund 130'000 Franken. Wer sich bei SAT bewirbt, muss:

  • Schweizer, EU- oder Efta-Bürger sein
  • Zwischen 20 und 33 Jahre alt und zwischen 160 und 198 Zentimetern gross sein
  • Eine Matura, eine Berufsmatura oder eine Lehre absolviert haben
  • Über eine abgeschlossene Rekrutenschule oder Zivildienst-/Zivilschutz-Grundausbildung sowie über
  • Deutsch- und Englischkenntnisse verfügen

Die Kandidaten durchlaufen in beiden Flugschulen erst einen mehrstufigen Eignungstest. Dort werden unter anderem das fliegerische Talent und die persönliche Eignung gecheckt. Hinzu kommen ein medizinischer Untersuch und die Prüfung von mathematischen Kenntnissen. Bevor die künftigen Cockpitbesatzungen als Co-Pilot auf dem Kurzstreckennetz der Swiss unterwegs sind, werden sie auf einem bestimmten Flugzeugtyp geschult.

Zwei Entscheide – ein Gremium

Die Fluggesellschaft Swiss führt nach eigenen Angaben bei der Pilotenauswahl für eine Anstellung ein normiertes Assessment durch. Dieses mehrstufige Verfahren dauert vier bis acht Monate. Dabei durchlaufen die Aspiranten verschiedene psychologische und medizinische Leistungstests sowie Gruppenübungen und erste Trainings. Der Abschluss des Auswahlverfahrens bildet ein längeres Interview, an dem auch Psychologen und ein Pilot anwesend sind.

Im Fokus des Gesprächs steht die Persönlichkeit des Bewerbers. Anschliessend entscheidet ein Gremium aus Vertretern der relevanten Fachbereiche der Fluggesellschaft über die Aufnahme in das Pilotenausbildungsprogramm. Nach der Pilotenausbildung, die rund zwei Jahre dauert, fällt das Fachgremium einen zweiten Entscheid. Fällt dieser positiv aus, hat dies die Ausstellung des Arbeitsvertrages bei Swiss zur Folge.

Die berufsbegleitende Möglichkeit

Im Unterschied zur Schulung bei SAT bietet Horizon eine berufsbegleitende Ausbildung an. Sie dauert je nach Beschäftigungsgrad zwischen 18 Monaten und drei Jahren. Die Kosten dafür belaufen sich laut Geschäftsführer Michael Anklin auf rund 100'000 Franken, wobei auch Horizon Finanzierungsmodelle anbietet. Die Ausbildung beträgt rund 2500 Stunden und besteht aus verschiedenen Modulen.

Wer sich bei Horizon bewerben will, muss mindestens 17 Jahre alt sein und durchläuft eine sogenannte Standortbestimmung. Dabei wird festgestellt, ob der Kandidat in der Lage ist, die verschiedenen Ausbildungsstufen zum Linienpiloten erfolgreich zu durchlaufen, und eine Anstellung bei einer Fluggesellschaft möglich sein könnte. Gemäss Anklin beinhaltet diese Selektion auch ein psychologisches Gutachten, das von einem Psychiater erstellt wird. Würde dieses zeigen, dass der Bewerber für Ausbildung oder Beruf nicht geeignet ist, wird dieser nicht zugelassen. «Das kommt beispielsweise bei einer gespaltenen Persönlichkeit vor oder wenn die Motivation nicht ausreicht.»

Vor der Ausbildung muss sich der Bewerber von einem Fliegerarzt untersuchen lassen. Die Studenten legen am Ende der Ausbildung eine Prüfung ab, die von Experten des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl) abgenommen wird und aus einem Theorieblock und einem Checkflug besteht. Sind sie dabei erfolgreich, haben sie eine sogenannte Frozen Airline Transport Pilot License in der Tasche. «Diese berechtigt die Absolventen theoretisch, als Co-Pilot zu fliegen.» Anschliessend treten die Piloten in diverse Airlines über, wo sie auf die entsprechenden Flugzeugtypen geschult werden. Dies geschieht vorwiegend im Simulator.

Um Aus- und Weiterbildungen von Piloten anbieten zu können, benötigen die Ausbildungsstätten eine Bewilligung. Diese stellt das Bazl aus. Sie werden zudem regelmässig vom Bundesamt überprüft.

Erstellt: 27.03.2015, 08:37 Uhr

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