«Diese Katastrophe übersteigt jede Vorstellungskraft»

Nach dem schweren Erdbeben in Nepal gibt es bisher keine Hinweise auf Schweizer Opfer. Bharat Pokharel, Programmdirektor von Helvetas, sagt, wie er die Katastrophe erlebte und wie die Situation ist.

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«Das Erdbeben war schrecklich und furchteinflössend», sagt Bharat Pokharel, Programmdirektor von Helvetas in Nepal. «Alles rüttelte sehr heftig um uns herum. Häuser und andere Gebäude stürzten ein, die Strassen bekamen Risse, Strommasten und Bäume fielen um.» Die Menschen hätten ihre Häuser verlassen, sie hielten sich seither im Freien auf. «Es herrscht Chaos und Angst. Die Spitäler kommen kaum nach mit der Versorgung der vielen Verletzten», erzählt Pokharel, der mit seiner Familie in Kathmandu lebt. «Diese Katastrophe übersteigt jede Vorstellungskraft.» Auch zehn Stunden nach dem Erdbeben kurz vor Mittag (Ortszeit) seien Erschütterungen zu spüren gewesen. In der Zeit dazwischen habe es mindestens 15 Nachbeben gegeben.

«Meine Familie und unsere Nachbarn werden die Nacht auf einem offenen Feld in der Nähe unseres Hauses verbringen», sagt Pokharel gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Uns stehen ein paar Zelte zur Verfügung. Viele Menschen werden die Nacht in Autos verbringen.» Pokharel geht davon aus, dass die Schäden ausserhalb der nepalesischen Hauptstadt noch grösser sind, vor allem in den Gebieten in der Nähe des Epizentrums des Bebens, das mit einer Stärke von 7,8 das ganze Land erschüttert hatte. Gemäss Behördenangaben lag das Epizentrum rund 80 Kilometer nordwestlich von Kathmandu. Weil die Telefonnetze nicht mehr störungsfrei funktionieren ist es laut Pokharel noch kaum möglich, sich ein genaues Bild über das Ausmass der Katastrophe zu machen. Klar sei aber, dass die Zahl der Opfer laufend steige. Und dass Tausende Menschen vermisst würden. Am Samstagabend mitteleuropäischer Zeit lag die Zahl der Toten bei über 1450. Die endgültige Zahl der Opfer könnte gemäss nepalesischen Behördenangaben noch viel höher liegen, womöglich sogar dreimal so hoch.

Nach dem schweren Erdbeben wurden in Nepal Polizei, Armee und humanitäre Organisationen mobilisiert, um Verletzte und Tote zu bergen. «Sie machen, was sie können», berichtet Pokharel, «aber es ist weniger, als eigentlich erforderlich wäre.» Dies stosse bei der Bevölkerung auf grossen Unmut. «Die Menschen sind wütend auf die Regierung, sie ärgern sich über zu langsame und ungenügende Rettungsarbeiten.»

Keine Hinweise auf Schweizer Opfer

Das verheerende Erdbeben in Nepal hat vermutlich keine Schweizer Opfer gefordert. Das Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) erklärte auf Anfrage, dass bislang keine gesicherten Informationen über Schweizer vorliegen, die durch das Erdbeben Schaden erlitten hätten oder gar als Opfer betroffen sind.

In Nepal sind bei der Schweizer Botschaft 124 Schweizer Bürgerinnen und Bürger immatrikuliert. Ausserdem geht das EDA davon aus, dass sich derzeit eine grössere Anzahl Schweizer Touristen in Nepal aufhält. Der Schweizer Reiseveranstalter «Globetrotter» berichtet von 64 Kunden, die derzeit in Nepal unterwegs sind. «Bisher konnten wir 42 Kunden kontaktieren», sagte Globetrotter-Chef André Lüthi in der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens. Ihnen ginge es den Umständen entsprechend gut. Man werde weiterhin versuchen, auch die anderen Touristen aus der Schweiz zu erreichen. Nach Informationen des Schweizer Fernsehens haben auch die anderen grossen Schweizer Reiseveranstalter keine Hinweise auf Schweizer Opfer.

Die Schweizer Bundesbehörden prüfen zurzeit in enger Zusammenarbeit mit der Schweizer Botschaft in Kathmandu sowie mit anderen humanitären Organisation, wie die nepalesischen Behörden bei der Bewältigung dieser Katastrophe unterstützt werden können.

Erstellt: 25.04.2015, 20:38 Uhr

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