Dubai begnadigt vergewaltigte Norwegerin

Nach internationaler Empörung: Der machthabende Scheich von Dubai hat eine Norwegerin begnadigt, die als Opfer einer Vergewaltigung verurteilt wurde. Allerdings geht nun auch ihr Vergewaltiger straffrei aus.

Erleichtert nach ihrer Begnadigung: Die Norwegerin Marte Deborah Dalelv in Dubai. (22. Juli 2013)

Erleichtert nach ihrer Begnadigung: Die Norwegerin Marte Deborah Dalelv in Dubai. (22. Juli 2013) Bild: Karim Sahib/AFP

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Vier Monate nach ihrer Festnahme wegen einer Vergewaltigungsanzeige gegen ihren Chef ist eine Norwegerin in den Vereinigten Arabischen Emiraten begnadigt worden. Sie habe ihren Reisepass zurückbekommen und werde das Land schnellstmöglich verlassen, sagte die 24-jährige Marte Dalelv in Dubai.

Dalelv hatte ihren Chef im März wegen Vergewaltigung angezeigt, doch aus dem mutmasslichen Opfer wurde eine Täterin: wegen Sex ausserhalb der Ehe drohten ihr plötzlich 16 Monate Haft. «Ich bin sehr, sehr glücklich», sagte Dalelv lächelnd bei einer Pressekonferenz in einem norwegischen Kulturzentrum in Dubai, nachdem ihr während einer Anhörung ihre Begnadigung mitgeteilt worden war. Jetzt wolle sie den streng muslimischen Golfstaat «so schnell wie möglich» verlassen.

Auch Vergewaltiger begnadigt

Nach ihrer Anzeige im März war Dalelv sofort festgenommen worden. Vier Tage später wurde sie auf Drängen norwegischer Diplomaten freigelassen. Seitdem lebte sie in dem norwegischen Kulturzentrum in Dubai und wartete auf das Urteil. Die Organisation Awaas sammelte mehr als 72'000 Unterschriften für ihre Freiheit.

Die Norwegerin hatte ihren Vorgesetzten wegen Vergewaltigung angezeigt. Ein Gericht in den Emiraten verurteilte sie jedoch am Mittwoch wegen sittenwidrigen Verhaltens in Form von ausserehelichem Sex und Alkoholkonsum sowie wegen Meineids zu der international kritisierten Gefängnisstrafe. Ihr sudanesischer Chef wurde wegen ausserehelichen Geschlechtsverkehrs und Alkoholkonsums zu 13 Monaten Haft verurteilt. Auch er sei nun begnadigt worden, teilte Dalelvs Anwalt Mahmud Asab mit.

Dalelv hatte Einspruch gegen das Urteil eingelegt. Auch Norwegens Aussenminister Espen Barth Eide reagierte ungehalten: «Es wirkt sehr befremdlich, wenn jemand eine Anzeige wegen Vergewaltigung einreicht und dann für etwas verurteilt wird, das in unserem Teil der Welt nicht einmal strafbar ist», sagte der Chefdiplomat. Eine Abberufung der norwegischen Botschafterin schloss das Aussenministerium aber aus, um Dalelvs Lage nicht weiter zu erschweren. Nach ihrer Begnadigung twitterte Eide: «Marte wurde freigelassen! Danke an all diejenigen, die ihre Hilfe angeboten haben.»

«In Kürze heimreisen»

Eine Sprecherin des Aussenministeriums in Oslo sagte der Nachrichtenagentur AFP, Dubais Machthaber Scheich Mohammed bin Rashid al-Maktum habe die Ausländerin begnadigt. Sie werde nun «in Kürze heimreisen». Der norwegische Staat hatte zuvor bereits die Anwaltskosten der jungen Frau in Höhe von rund 7000 Euro übernommen. Die norwegische Botschaft in den Emiraten teilte mit, Dalelv sei frei abzureisen, wann sie wolle, und dürfe auch jederzeit in die Vereinigten Arabischen Emirate zurückkehren. Der «sehr fruchtbare Dialog» zwischen Norwegen und den Emiraten habe zu diesem Ergebnis geführt.

Dalelvs Arbeitgeber al-Mana Interiors hatte die Norwegerin entlassen. Unternehmensvertreter hätten mit ihr Tage auf der Polizeiwache verbracht, um sie «in diesem Martyrium» zu unterstützen, hiess es in einer Erklärung, die Al Mana einige Stunden vor Dalelvs Begnadigung veröffentlichte. «Erst als Frau Dalelv die positiv verlaufenden und konstruktiven Gespräche über ihren Beschäftigungsstatus ablehnte und die Kommunikation mit ihrem Arbeitgeber einstellte, war das Unternehmen gezwungen, die Beziehung zu ihr zu beenden», hiess es weiter. Ihre Entlassung habe nichts mit den Vergewaltigungsvorwürfen zu tun. (mw/AFP)

Erstellt: 22.07.2013, 14:38 Uhr

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