Ein Feuerwerk macht schlechte Laune

Im australischen Fremantle soll der Nationalfeiertag erstmals nicht gefeiert werden. Das freut Aborigines und erbost Konservative.

Soll ausfallen: Feuerwerk über Fremantle zum 26. Januar. Foto: iStock

Soll ausfallen: Feuerwerk über Fremantle zum 26. Januar. Foto: iStock

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Am 26. Januar 1788 fuhren elf Schiffe, beladen mit Sträflingen und ihrem Wachpersonal, in die Bucht ein, über die sich heute Sydneys vielfotografierte Hafenbrücke spannt. Kapitän Arthur Phillip liess sich an den Strand rudern und nahm das Land im Namen der britischen Krone in Besitz. Für die heutigen Australier ist das Datum ihr Nationalfeiertag. Premierminister und Generalgouverneur sprechen warme Worte, das Volk packt Shrimps, Bier und Wein in Kühltaschen und fährt ans Wasser oder ins Grüne. Dort gibt es Kinderfeste, Konzerte, Cricket und, sobald es dunkel wird, vielerorts ein Feuerwerk.

Eine politisch grüne Oase

Das Feuerwerk über dem Hafen von Fremantle im äussersten Westen des Kontinents ist besonders spektakulär. Doch für dieses Jahr hat der Stadtrat das Spektakel gestrichen – und damit landesweite Erregung ausgelöst. Denn der Beschluss, gefällt mit zehn Stimmen gegen nur eine, ist ein Politikum. Dazu muss man wissen, dass die historische Hafenstadt politisch eine grüne Insel im konservativ geprägten Bergbau-Bundesstaat Westaustralien ist: Hier gibt es Velowege allerorten, und Infotafeln in der pittoresken Innenstadt weisen Touristen darauf hin, dass sie sich auf Wadjuk-Land befinden.

Genau hier liegt der Kern des Feiertags-Streits. Denn für die Wadjuk und die anderen Völker der Aborigines ist die Ankunft der Kolonisatoren kein Anlass für Jubel. Für sie markiert der Tag den Beginn einer Leidenszeit. Tausende Männer, Frauen und Kinder wurden von den europäischen Ankömmlingen ermordet, Zehntausende erlagen den eingeschleppten Krankheiten. Den Ureinwohnern wurden das Land und sogar ihre Kinder geraubt – um sie fern der Verwandten zu «zivilisieren». Bis heute prägen Armut und Diskriminierung das Leben vieler Aborigines, die weniger als drei Prozent der etwa 24 Millionen Australier ausmachen und im Schnitt zehn Jahre früher sterben als ihre Mitbürger.

In Perth knallt es

Nicht nur Fremantles grüner Bürgermeister Brad Pettitt hält darum ein fröhliches Feuerwerk an diesem Gedenktag für «kulturell unsensibel». Aborigine-Aktivisten fordern schon seit Jahren, den Tag im Gedenken an die Opfer als Survival oder Invasion Day zu begehen. Doch der Entschluss der Stadträte, anstelle des Feuerwerks ein «kulturell inklusives Alternativprogramm» samt Konzert und Familienfest zwei Tage später anzusetzen, empört konservative Australier. Dass er eine politisch korrekte Spassbremse sei, war noch der mildeste Vorwurf, den Pettitt in den sozialen Medien lesen konnte.

Bürgerrechtler wollen den Nationalfeiertag schon lange auf ein anderes Datum verlegen. Bisher jedoch haben Regierungschefs jeder Couleur eine Verlegung strikt abgelehnt – wohl auch aus der Angst, dem Wahlvolk die ­Feierlaune zu verderben. Das will auch Pettitt nicht. «Jeder kann am Australia Day feiern, wie er will», sagt der Bürgermeister und verweist darauf, dass Festfreudige in einer halben Stunde mit der S-Bahn zum grossen Feuerwerk nach Perth fahren können, der Hauptstadt des Gliedstaats. Doch das wird gar nicht nötig sein. Fremantles Tourismusbranche lässt nun auf eigene Kosten Raketen über dem Yachthafen steigen. Gedenken mag Gedenken sein, doch Geschäft ist Geschäft.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.01.2017, 21:46 Uhr

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