Eine Seilbahn für den Kilimandscharo

Die Regierung Tansanias will eine Seilbahn auf den höchsten Berg Afrikas bauen. Das wäre der Ruin, sagen die Träger, die das Gepäck der Bergsteiger schleppen.

Sehnsuchtsziel vieler Wanderer: Eine Seilbahn sollen dem Kilimandscharo und Tansania nun mehr Touristen bringen.

Sehnsuchtsziel vieler Wanderer: Eine Seilbahn sollen dem Kilimandscharo und Tansania nun mehr Touristen bringen. Bild: Keystone

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Die Whisky-Route hätte Ernest Hemingway wahrscheinlich ganz gut gefallen. «Schnee auf dem Kilimandscharo» gehört zu den grossen Erzählungen des Schriftstellers, den höchsten Berg Afrikas hat er selbst nie bestiegen, man kann sich aber vorstellen, welchen der beiden populärsten Aufstiege er gewählt hätte: Die Whisky-Route ist die eine, die Coca-Cola-Route die andere. Die erste gilt vielen als härter und bietet dafür grossartige Aussichten. Der nach der Brause benannte Weg ist leichter, an Berghütten gibt es kalte Cola. Ganz leicht sind beide Aufstiege nicht, die Höhenkrankheit macht vielen zu schaffen, sechs bis acht Tage braucht es auf 5895 Meter Höhe.

Warum also nicht einfach eine Seilbahn bauen, damit auch die auf den Berg kommen, die körperlich nicht ganz so fit sind, hat sich die Regierung von Tansania nun gedacht und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, welchen Weg die Gondel nehmen könnte, auch eine Variante entlang der Whisky-Route soll im Gespräch sein. Die Seilbahn könne die Zahl der Touristen um 50 Prozent steigern, sagte der stellvertretende Tourismusminister Constantine Kanyasu. Bisher besuchen etwa 50'000 Touristen jährlich den Kilimandscharo, der genau genommen das ganze Bergmassiv bezeichnet.

«Das wird das Leben der Menschen ruinieren»

«Da wir uns jedoch nicht klar werden konnten, welche von den drei Spitzen die höchste sei, so bestiegen wir sie alle drei», schrieb der Deutsche Hans Meyer in sein Tagebuch, als er 1889 zusammen mit dem österreichischen Alpinisten Ludwig Purtscheller und dem lokalen Bergführer Yohani Kinyala Lauwo auf dem höchsten Gipfel stand – den er Kaiser-Wilhelm-Spitze taufte, weil er in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika lag. Stolz prahlte Meyer vom «höchsten Punkt deutscher Erde». Nach der Unabhängigkeit gründete die Regierung Tansanias den Kilimandscharo-Nationalpark, Touristen brauchen eine Genehmigung, um auf den Berg zu steigen. Sie bescheren der Region derzeit Einnahmen von etwa 55 Millionen Dollar, sagt das Tourismus-Ministerium, eine Summe, die mit der Seilbahn noch weiter wachsen könne.

«Die Seilbahn sieht auf den ersten Blick wie eine innovative und sinnvolle Idee aus. Sie wird aber auf lange Sicht das Leben und das Auskommen der Menschen ruinieren, die vom Berg abhängig sind», sagt Edson Mpemba von der Vereinigung der Träger am Kilimandscharo. Etwa 25'000 Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt damit, Touristen ihr Gepäck auf den Berg zu schleppen, für sie zu kochen und Zelte aufzubauen. Ein gutes Auskommen, sagt Edson Mpemba, das durch die Seilbahn gefährdet würde. «Viele Touristen werden einfach die Seilbahn nehmen, um die Aufstiegstage zu reduzieren und Kosten zu sparen.»

Gespräche mit chinesischen Firmen

Die Regierung hingegen sagt, dass bisher noch nicht geklärt sei, wie hoch die Seilbahn überhaupt führen werde. Erste Gespräche mit Investoren soll es bereits gegeben haben, darunter auch chinesische Firmen. In China steht auch die mit 4843 Metern bisher höchstgelegene Bergstation der Welt. So hoch wird es am Kilimandscharo womöglich nicht gehen. Die tansanische Regierung ist ausserdem überzeugt, dass viele Puristen lieber weiter die Whisky-Route nehmen würden als die Bahn.

Erstellt: 11.05.2019, 11:15 Uhr

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