Interview

«Eine Verlassenheitserfahrung der extremen Art»

Die Trennung von Sylvie und Rafael van der Vaart sorgt wieder für Schlagzeilen: Der Fussballer ist mit der besten Freundin seiner Frau liiert. Wie man mit diesem Verrat umgeht, sagt ein Paartherapeut.

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Herr Dür, passiert es eigentlich oft, dass sich der Partner in die beste Freundin seiner Frau – oder die Frau in den besten Freund ihres Partners – verliebt?
Ja, das kommt häufiger vor, als man meint. Wahrscheinlich ist es sogar fast natürlich, dass da Freundinnen oder Freunde sind, die einem gefallen und in die man sich auch verliebt. Aber es ist ein grosser Unterschied, ob man sich «nur» verliebt oder dann tatsächlich eine neue Beziehung daraus wird.

Und was tut man, wenn man sich «nur» verliebt?
Das Allerwichtigste ist, dass man miteinander darüber spricht. Eine gute Paarkommunikation kann hier sehr hilfreich sein. Man muss als Paar ganz klar Grenzen definieren und in so einem Fall versuchen, ruhig miteinander zu reden und zu entscheiden, wie es nun weitergehen soll – und wie man die Situation wieder unter Kontrolle bekommt. Eigentlich ist ein solcher Fall auch eine Chance, um Nähe und Intimität wiederzugewinnen. Wenn man allerdings nichts tut und die Situation einfach «laufen lässt», dann gibt es wenig Hoffnung, die bestehende Beziehung zu retten.

Sie haben von Grenzen gesprochen. Sollte man beste Freundinnen oder Freunde besser ausgrenzen, damit es erst gar nicht so weit kommt?
Es ist schon so, dass diese intimen Freunde jeweils ein besonderes Zutrittsrecht in eine Paarbeziehung haben. Das muss nicht immer gut sein. Es macht durchaus Sinn, wenn man sich als Paar abgrenzt. Freunden gesteht man natürlich eine gewisse Nähe zu, doch ist damit auch eine Gefahr verbunden. Jedes Paar sollte darum abschätzen, wie viel Nähe von aussen es zulassen will.

Eifersucht gilt heutzutage als verpönt. Vielleicht sollte man es als Warnsignal deuten und besser darauf achten?
Man sollte auf jeden Fall auf dieses Gefühl hören! Ein ungutes Gefühl muss man immer ernst nehmen. Und wenn man merkt, dass man mit einer Situation oder einer speziellen Freundschaft des Partners oder der Partnerin nicht umgehen kann, sollte man darüber sprechen. Es braucht Mut, zu diesem Gefühl zu stehen, es sollte also auch respektiert werden.

Ist es schlimmer, wenn die Neue an der Seite des Ex-Partners die beste Freundin ist, als wenn es eine Unbekannte ist?
Auf jeden Fall. Die gesamte abendländische Literatur ist voller Geschichten von Verrat im engsten Familien- und Freundeskreis. Wer ‹verraten› wird, hat lange mit starken seelischen Verletzungen zu kämpfen. In diesem speziellen Fall kann man von einem Doppelverrat sprechen, man verliert gleich zwei Stützen auf einmal: Den Partner und die Person, die einem gerade in so einem schwierigen Moment hätte beistehen können. Das ist eine Einsamkeits- und Verlassenheitserfahrung der extremen Art.

Kann eine Paartherapie zu dritt helfen?
Ich habe selten Gespräche zu dritt, und es ist jedes Mal etwas vom Schwierigsten überhaupt. Es kann schon sein, dass noch Verhandlungsspielraum vorhanden ist und ein Gespräch helfen kann, das Chaos zu ordnen. Aber ich bin mir nicht so sicher, ob dabei wirklich etwas Gutes dabei rauskommt.

Wie gehen Kinder damit um, wenn ein guter Freund der Eltern plötzlich Mamas neuer Mann ist? Ist das nicht zusätzlich verwirrend in der ohnehin schon schwierigen Situation?
Kinder brauchen Strukturen und Ordnung. Eine Trennung der Eltern bringt diese Ordnung immer durcheinander. Wenn dann aber noch eine derartige, verwirrende Konstellation auftaucht, ist das Chaos pur. Man kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass Kinder ein solches Chaos als «spezielles Ereignis» der Kindheit in Erinnerung behalten werden. Und man muss leider davon ausgehen, dass sich dieses Ereignis zu einem späteren Zeitpunkt im Beziehungsverhalten der Kinder störend auswirken kann. Man muss die Kinder wirklich dringend schützen.

Aber was soll man tun? Die Kinder anlügen?
Ich hatte in meiner Praxis erst kürzlich einen ähnlichen Fall, wo das Paar die Kinder unbedingt sofort über die neuen Partner in Kenntnis setzen wollte. Ich rate aber jeweils, immer abzuwarten, bis sich die neue Beziehung tatsächlich stabilisiert hat. Und das kann viel länger dauern, als man meint.

Wie lange dauert es denn, bis man eine Trennung überwunden hat und bereit für eine neue Beziehung ist?
Dass man einen hormonellen Verliebtheitsschub hat, ist völlig okay. Da kann man auch nichts dagegen machen, aber dennoch sollte man jede neue Beziehung ganz langsam angehen. Heute ist man vielfach der Auffassung, man könne einfach den Schalter abstellen und neu anfangen. Weil so viele sequenzielle Beziehungen gelebt werden, hat man das Gefühl, dass man nach ein, zwei Monaten bereits die Trennung überwunden hat. Aber ganz sicher nicht! Meine Praxiserfahrung zeigt mir, dass es im Gegenteil sehr, sehr viel Zeit braucht, in der Regel fast die Hälfte der vorherigen Beziehungszeit. Es kann also Jahre dauern, bis man innerlich wirklich wieder frei ist. Dieses Thema beschäftigt mich sehr. Denn ich sehe, dass in der heutigen Zeit, wo wir alle ganz viele Optionen haben und auch nutzen, ganz viele Menschen sind, die unter der scheinbar glücklichen Oberfläche schwer verletzt sind.

Was hat das für Konsequenzen?
Diese Menschen, die so massiv verletzt wurden, gehen zwar wieder Beziehungen ein. Doch oftmals sind sie in dieser neuen Beziehung in einem «abgesicherten Modus» und lassen sich nicht hundertprozentig auf den neuen Partner ein. Das kann in Zukunft noch viel Konfliktpotenzial an die Oberfläche spülen. Es scheint, als ob diese seelischen Verletzungen der Preis für diese allgegenwärtig gelebte Freiheit ist.

Wie kann man diese Verletzungen heilen?
Es braucht einfach Zeit. Und vielleicht hat man Glück und erlebt eine neue, gesunde Beziehung. Aber eine glückliche Paarbeziehung kann nur erleben, wer Ausdauer hat und auch weniger schöne Augenblicke zulässt und auf diese Weise miteinander, nebeneinander und auch im Durcheinander weiterkommt. Diese Chance hat man aber nur in einer lang dauernden Partnerschaft. Wer ständig neue Beziehungen eingeht, wird auch ständig die gleichen Fehler machen. Nach dem Motto: Zurück auf Platz eins.

Erstellt: 12.04.2013, 16:30 Uhr

«Man sollte sich mehr Zeit nach einer Trennung nehmen»: Hans-Peter Dür ist Experte für Paarkommunikation und Stressprävention. Er leitet die «Praxis für Paare» und die Zweigstelle Institut für Familienforschung der Uni Fribourg (Zwiff).

Der Fall Van der Vaart

Fast zehn Jahre lang galten der Profi-Fussballer Rafael van der Vaart und die Moderatorin Sylvie van der Vaart als Traumpaar. An Silvester bricht ein heftiger Streit zwischen dem Paar aus, das Paar trennt sich, angeblich überraschend. Fortan berichten Gossip-Magazine ständig über das einstige Paar, gezeigt wird Rafael beim Kicken – Sylvie beim Shoppen. Fast immer mit dabei Sylvies beste Freundin, Sabia Boulahrouz, die sie in dieser schwierigen Zeit tröstet. Und sich wahrscheinlich auch um Rafael kümmert. Denn Anfang Woche gab Rafael bekannt, dass er eine neue Freundin habe: Sabia Boulahrouz. Sylvie van der Vaart soll ihrerseits mit dem französischen Unternehmer Guillaume Zarka liiert sein.

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