Enkeltrick-Betrugsfälle verdoppeln sich – innerhalb eines Jahres

Noch nie gab es in der Schweiz so viele Opfer von Enkeltrick-Betrügern wie dieses Jahr. Knapp vier Millionen Franken erbeuteten die Gauner auf diese Weise. Der Kanton Zürich ist am stärksten betroffen.

Wer auf den Trick herein fiel, übergab den Betrügern im Schnitt 52'782 Franken. (Archivbild)

Wer auf den Trick herein fiel, übergab den Betrügern im Schnitt 52'782 Franken. (Archivbild) Bild: Keystone

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Noch nie wurden in der Schweiz so viele Enkeltrick-Betrugsversuche gemeldet. Das zeigen die neusten Zahlen der Bundeskriminalpolizei, die der SRF-Nachrichtensendung «10vor10» vorliegen. Enkeltrick-Betrügereien haben sich im Vergleich zu 2012 mehr als verdoppelt. Insgesamt ergaunerten Enkeltrick-Betrüger in diesem Jahr bereits knapp 4 Millionen Franken – fast eine Million mehr als im letzten Jahr. Wer auf den Trick herein fiel, übergab den Betrügern im Schnitt 52'782 Franken. Die Schadensumme beläuft sich für das laufende Jahr bereits auf 3'905'873 Franken – im Jahr 2012 waren es bloss 3'033'000 Franken.

74 Personen liessen sich im laufenden Jahr bereits mit dem Enkeltrick täuschen. In weiteren 763 Fällen waren die Betrüger erfolglos. Allerdings dürfte es hunderte weitere Fälle geben, die der Polizei nicht gemeldet wurden. Die neusten Zahlen der Bundeskriminalpolizei zeigen einen rasanten Anstieg der gemeldeten Fälle. Waren es im letzten Jahr schweizweit noch total 369, sind es im laufenden Jahr bereits 837. Am stärksten betroffen ist mit 236 Fällen der Kanton Zürich – alleine hier verloren 18 Personen grosse Geldbeträge, wie «10vor10» berichtet.

Im Kanton Bern fielen bei 211 Versuchs-Fällen vier Personen auf die Masche rein. In den Kantonen Basel Stadt und Basel Landschaft wurden in den total 75 gemeldeten Fällen 11 Personen betrogen.

Dieselbe alte Masche

Die Masche der Betrüger ist immer die gleiche: Perfekt Deutsch sprechende Betrüger suchen im Telefonbuch nach älteren Vornamen und rufen an einem Tag unzählige Nummern an. Am Telefon geben sie sich als Verwandte oder alte Bekannte aus und versuchen, Namen und Lebensumstände des Gesprächspartners in Erfahrung zu bringen. In fast allen Fällen sitzen die Anrufer im Ausland – laut der Bundeskriminalpolizei hauptsächlich in Polen. In der Schweiz vor Ort sind lediglich ihre Komplizen, die als Geldkuriere agieren.

Opfer meist zwischen 75 und 90 Jahre alt

«Es gibt immer ältere Leute, die sich von den sehr geschickt vorgehenden Tätern überrumpeln lassen», sagt Jürg Nydegger, Kommissariatsleiter der Bundeskriminalpolizei, gegenüber «10vor10». Die Opfer seien typischerweise weiblich und zwischen 75 und 90 Jahren alt. Den starken Anstieg der gemeldeten Fälle führt er aber auch auf die breiten Informationskampagnen der Kantonspolizeien zurück. «Die Leute melden mehr Fälle und bringen sie auch zur Anzeige», so Nydegger gegenüber «10vor10». «Angesichts der massiven Zunahme der Fälle waren die Erfolge der Betrüger eher noch bescheiden.» (rbi)

Erstellt: 17.12.2013, 22:00 Uhr

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