«Er war glücklich mit seinem Job, es ging ihm gut»

Er hatte immer vom Fliegen geträumt: Andreas Lubitz war der Co-Pilot, der das Germanwings-Flugzeug absichtlich zum Absturz brachte.

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Nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine in den französischen Alpen gehen die Ermittler davon aus, dass der Sinkflug, der zur Katastrophe führte, absichtlich eingeleitet worden war. Zum Zeitpunkt des Unglücks sass nur der Co-Pilot im Cockpit: Andreas Lubitz, ein 28-jähriger Mann aus dem deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz. Dort lebte er mit seinen Eltern. Einen zweiten Wohnsitz hatte der Absturz-Pilot in Düsseldorf. Warum Lubitz die Airbus-Maschine zum Absturz gebracht haben soll, ist noch völlig unklar. Der französische Staatsanwalt Brice Robin wollte an einer Medienkonferenz in Marseille noch keine Schlussfolgerungen aus dem Verhalten des Co-Piloten ziehen. Er sagte allerdings, dass die Frage nach einem Suizid gestellt werden könne.

Keine Hinweise auf persönliche Probleme

Die Tragödie erscheint umso rätselhafter, als bisher keine Hinweise auf psychische oder private Probleme des Todespiloten publik geworden sind. Ein Bekannter sagte der Nachrichtenagentur AP, dass Lubitz ein ruhiger und freundlicher Mann gewesen sei. Er habe keine Anzeichen einer Depression oder Ähnliches gezeigt. «Er war glücklich über seinen Job bei Germanwings, es ging ihm gut», meinte der Bekannte. Andere Leute, die Lubitz kannten, beschreiben ihn als «sehr netten, lustigen und höflichen Menschen». Und ein Freund schrieb laut «Rhein-Zeitung» kurz nach dem Absturz des Flugzeugs am Dienstag: «Noch gestern haben wir uns unterhalten, was wir nach deiner Rückkehr alles machen können. Jeden Tag hast du mich zum Lächeln gebracht.»

Lubitz stand seit September 2013 im Dienste von Germanwings. Wie die Muttergesellschaft Lufthansa bekannt gab, hatte er insgesamt 630 Flugstunden absolviert. Der Captain der Unglücksmaschine war mit zehn Dienstjahren und über 6000 Flugstunden deutlich erfahrener. Er konnte das Unglück nicht verhindern, nachdem er das Cockpit verlassen hatte und bei seiner Rückkehr die Tür verschlossen gewesen war.

Längere Pause in der Piloten-Ausbildung

Seine Ausbildung zum Airbus-Piloten absolvierte Lubitz an der Verkehrsflieger-Schule am Flughafen Bremen und in Phoenix im US-Staat Arizona. Nach Angaben der Lufthansa begann er die Ausbildung im Jahr 2008 und schloss diese fünf Jahre später ab. Seine fliegerischen Leistungen seien «einwandfrei »und «unauffällig» gewesen, es habe keinerlei Auflagen gegeben, die Tests habe er alle sowohl fliegerisch als auch psychologisch bestanden. Unklar ist jedoch, weshalb Lubitz vor sechs Jahren seine Pilotenausbildung für sechs Monate unterbrochen hatte. Darüber machte die Lufthansa aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen keine öffentlichen Angaben. Wenn es gesundheitliche Gründe gegeben hätte, unterliege diese Information der ärztlichen Schweigepflicht, «auch über den Tod hinaus.» Die ermittelnde Staatsanwaltschaft werde man jedoch informieren.

«Wir haben keine Erkenntnisse, was den Co-Piloten zu seinen Handlungen bewegt haben kann», sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor den Medien auf dem Flughafen Köln/Bonn. «Wir stehen vor einem riesigen Rätsel und sind traurig.»

Vom Segelflugschüler zum Airbus-Piloten

Das Fliegen war die grosse Leidenschaft des verunglückten Germanwings-Piloten. Neben seinem Beruf als Co-Pilot war Lubitz auch Mitglied des Luftsportclubs (LSC) Westerwald. Das Segelfliegen lernte er in einem Zweisitzer vom Typ ASK-21. Lubitz war bereits als Jugendlicher dem LSC beigetreten, «um sich den Traum vom Fliegen zu erfüllen», wie es in einer Traueranzeige auf der Webseite des Vereins hiess. Und weiter: «Er begann als Segelflugschüler und schaffte es bis zum Piloten auf einem Airbus 320. Er erfüllte sich diesen Traum, für den er nun mit dem Leben bezahlte.» Als seine Vereinskollegen die Kondolenzmitteilung zum Tod von Lubitz veröffentlichten, hatten sie noch nicht gewusst, welche Rolle der junge Pilot beim Unglück gespielt hatte. Die Webseite des LSC Westerwald ist inzwischen nicht mehr erreichbar.

Lubitz, der erst kürzlich seine Segelfluglizenz erneuert hatte, hielt sich mit Marathonlaufen fit. Zwischen 2010 und 2013 lief er in jedem Frühjahr den Lufthansa-Halbmarathon in Frankfurt, zuletzt in einer Stunde und 37 Minuten. Gemäss seinem Facebook-Profil, das mittlerweile gelöscht ist, mochte er schräge Scherze und skurrile Videos. Zudem feierte er gerne Parties mit seinen Freunden. Lubitz ging auch mal Kegeln und Klettern, und er hörte viel Musik. Seine Begeisterung galt aber vor allem den Airbus-Flugzeugen, er interessierte sich besonders für den A320. Mit einem solchen Flugzeugtyp flog er in den Tod. Mit ihm starben 149 weitere Menschen, die auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf waren.

Was über den Absturz der Germanwings-Maschine bisher bekannt ist.

Erstellt: 26.03.2015, 14:32 Uhr

Der Luftsportclub Westerwald trauert um Vereinskollege Andreas Lubitz.

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