Es war einmal in Jamaika

Die Vorgeschichte der Kämpfe in den Strassen von Kingston könnte der Stoff für ein hollywoodreifes Verbrecher-Epos liefern. Es ist die Saga der jamaikanischen Mafiafamilie Coke.

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Christopher «Dudus» Coke ist in Jamaika unter den unterschiedlichsten Spitznamen bekannt, unter anderem als «The President», «Shortman» und «General». Für die USA ist sein Nachname «Coke» jedoch derjenige, der ihn am besten charakterisiert.

Coke wird von den USA angeklagt, ein Kartell anzuführen, dass sich auf den Handel mit Marihuana und Kokain spezialisiert hat. Nach langem Hin und Her wird einem Auslieferungsbegehren der USA gegen den Widerstand von höchsten politischen Kreisen in Jamaika stattgegeben. Der Versuch, Coke zu verhaften, ist aber auf erbitterten Widerstand in Tivoli gestossen, dem Stadtteil Kingstons, der als Cokes Heimatbasis gilt und wo er grosse Unterstützung durch die lokale Bevölkerung geniesst.

Christopher «Dudus» Coke ist der adopierte Sohn von Lester Coke, einem Kopf der jamaikanischen Verbrecherszene der 80er Jahre. Von ihm erbte er die Kontrolle über die Gang «Shower Posse».

Papa Coke, der Anti-Kommunist

Lester Coke war ein verurteilter Drogendealer mit weitreichenden Kontakten zur Jamaica Labour Party (JLP) von Edward Seaga. Er unterstützt diesen – wie die USA – im Kampf gegen den linksgerichteten früheren jamaikanischen Regierungschef Michael Manley von der People’s National Party (PLP), der in seiner Regierungszeit die Nähe zu Kuba und Fidel Castro suchte.

Kurze Zeit nach dem Sieg der JLP unter Edward Seaga, der als Vertreter von West Kingston, zu dem auch der Stadtteil Tivoli gehört, ins Parlament einzieht, kommt auch die Zeit von Lester Coke. Als Gegenleistung für die US-Unterstützung geht die neue jamaikanische Regierung unter Seaga gegen den Anbau von Marihuana vor, der wichtiges Einkommensquelle der jamaikanischen Unterwelt zu der Zeit. Mit der Folge, dass diese sich auf den Zwischenhandel von Kokain verlegt.

Lester Coke und seine Leute gründen die bereits erwähnte «Shower Posse» und verdienen im Kokainhandel Unsummen. Bezeichnenderweise lehnt sich der Name der Gang an einen Werbeslogan der JLP an, die als Kontrast zur sozialistischen PLP mit ihrem Wahlspruch «Power to the People» (Alle Macht dem Volk) ein «Shower» versprach, das heisst eine Gelddusche für das Portmonnaie der Wähler.

Unantastbarer Drogenboss

Als die «Shower Posse» jedoch anfängt, ihr Einflussgebiet auf die USA auszudehnen, kommen sie in den Fokus der US-Behörden. Besonders verschiedene grausame Morde in Zusammenhang mit Drogendeals werden ihnen zur Last gelegt. In Jamaika selbst ist Lester Coke Anfang der 80er Jahre praktisch unantastbar. So kann er beispielsweise einen Busfahrer, der ihn unwissentlich beschimpft und danach in eine Polizeistation flüchtet, aus der Station zerren und umbringen, ohne dass die Polizei diesen beschützt. Lester Coke wird zwar angeklagt, es findet sich aber niemand, der bereit ist, die Tat zu bezeugen.

So entkommt Lester Coke einige Male der Justiz. Bis sich die USA 1992 mit einem Auslieferungsbegehren durchsetzen kann. Bevor er ausgeliefert wird, stirbt er jedoch unter mysteriösen Umstanden bei einem Brand in seiner Zelle.

Cokes Geschwister

Der Tod von Lester ist jedoch nur der letzte in einer Reihe in der Familie Coke: Seine Tochter «Mumpi» wird einige Monate vor seinem Tod gemeinsam mit ihrem Ehemann bei einer Schiesserei getötet. Während Lester Cokes Auslieferungshaft wird sein ältester Sohn, Mark «Jah T» Coke auf seinem Motorrad erschossen. Die Erschiessung von Mark Coke führte zu einem Bandenkrieg in Kingston mit unzähligen Toten.

Der Tod seines Vaters und seines älteren Bruders schliesslich ebnen den Weg für Christopher «Dudus» Coke. Er übernimmt die Macht in Tivoli und damit auch der «Shower Posse». Ein einsamer Posten, als 2005 sein jüngerer Bruder, der ebenfalls Christopher heisst, jedoch als «Chris Royal» bekannt ist, erschossen wird.

Christopher «Dudus» Coke

Als Erbe eines Verbrecherimperiums herrscht Christopher Coke in Tivoli mit Zuckerbrot und Peitsche. In der Bevölkerung von Kingston geniesst er einerseits grossen Rückhalt, weil er in seinem Stadtteil Tivoli für Ruhe und Ordnung sorgt und sich als Wohltäter aufführt. Kritik erstickt er mit brutaler Gewalt im Keim.

Wie bei seinem Vater reicht sein Einfluss bis in die höchsten Regierungskreise, die bis zuletzt Verfahrensfehler im Auslieferungsbegehren der USA ausmachen wollen, schliesslich aber nachgeben und die Verhaftung Cokes anordnen. Die «Shower Posse» wird seit den 80er Jahren für bis zu 1000 Morde verantwortlich gemacht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.05.2010, 09:47 Uhr

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