Ex-Frau von Dutroux kommt frei

Michelle Martin war 2004 zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Nach 16 Jahren darf die Ex-Frau und Komplizin des belgischen Kindermörders Marc Dutroux das Gefängnis vorzeitig verlassen.

Wird in einem Kloster leben: Michelle Martin während einer Gerichtsverhandlung 2004.

Wird in einem Kloster leben: Michelle Martin während einer Gerichtsverhandlung 2004. Bild: Keystone

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Die Ex-Frau und Komplizin des belgischen Kindermörders Marc Dutroux darf Protesten von Opferfamilien zum Trotz nach 16 Jahren Haft das Gefängnis unter Auflagen vorzeitig verlassen. Das entschied das höchste belgische Gericht in Brüssel.

Michelle Martin war 1996 mit Dutroux festgenommen und im Jahr 2004 zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die 52-Jährige will künftig in einem Frauenkloster in Malonne nahe der südbelgischen Stadt Namur leben. Der Kassationsgerichtshof wies mit seiner Entscheidung Berufungsanträge von Opferfamilien und eines Staatsanwalts gegen die Entscheidung eines Gerichts in Mons zurück.

Ein Fall, der das Land erschütterte

Das Urteil war in Belgien mit Spannung erwartet worden. Der grausame Fall Dutroux und das damit verbundene Versagen von Polizei und Justiz hatten das Land in den 90er Jahren zutiefst erschüttert: Dem Paar wurden die Entführung, Gefangenschaft und Vergewaltigung von sechs Mädchen und jungen Frauen und der Tod von vier Opfern zur Last gelegt.

Während der heute 55-jährige Dutroux eine lebenslange Haftstrafe erhielt, wurde Martin zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihr wurde vor allem vorgeworfen, dass sie zwei der verschleppten Mädchen in einem Kellerverlies verhungern liess. Die ehemalige Lehrerin, selbst Mutter dreier Kinder von Dutroux, versperrte eigenhändig die Tür, hinter der die beiden achtjährigen Mädchen qualvoll starben, wie sie im Prozess aussagte. Martin und Dutroux sind seit 2003 geschieden.

Zahlreiche Proteste

Ein Teil der Angehörigen der Opfer will nun vor den EU-Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg ziehen. Dabei geht es nicht um die Anfechtung des Urteils, das ist definitiv. Aber die Angehörigen wollen sich unter anderem dafür einsetzen, dass Opferfamilien in solchen Fällen von der Justiz mehr Gehör geschenkt wird.

Nach der Entscheidung zur Freilassung Martins durch das Gericht in Mons Ende Juli hatte es in Belgien bereits zahlreiche Demonstrationen dagegen gegeben. Zu Protesten kam es auch vor dem Kloster in Malonne, das sich zu ihrer Aufnahme bereit erklärt hat. Martin soll zwar nicht selber Nonne werden, aber am Tagesablauf der Schwestern teilnehmen. Die Dutroux-Komplizin darf das Kloster verlassen, ein Resozialisierungsplan sieht aber vor, dass sie zu den Familien der Opfer Distanz wahren muss. (kpn/AFP)

Erstellt: 28.08.2012, 17:40 Uhr

Michelle Martin, die Ex-Frau und Komplizin des Kinderschänders und Mörders Marc Dutroux, darf ins Kloster. (Video: Reuters )

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