Ex-Frau von Marc Dutroux steht kurz vor der Freilassung

Michelle Martin, die ehemalige Frau und Komplizin des Kinderschänders Dutroux, will nach 16 Jahren Haft in einem Kloster leben. Heute Nachmittag wird das Gericht sein Urteil dazu bekannt geben.

Will ins Kloster: Michelle Martin während es Gerichtsverfahrens in Arlon. (8. Juni 2004)

Will ins Kloster: Michelle Martin während es Gerichtsverfahrens in Arlon. (8. Juni 2004) Bild: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft spricht nichts gegen eine Freilassung von Michelle Martin, der Ex-Frau und Komplizin des Kinderschänders und Mörders Marc Dutroux. Das Berufungsgericht in Brüssel will noch heute Nachmittag sein Urteil bekannt geben.

Normalerweise folgt das Gericht den Ausführungen der Staatsanwaltschaft. Somit dürfte die 52-jährige Martin in den nächsten Tagen freikommen. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.

Ein Gericht in Mons hatte Ende Juli entschieden, die Ex-Frau von Dutroux nach 16 Jahren Haft vorzeitig unter Auflagen freizulassen. Der Kassationshof muss nun beurteilen, ob dies rechtmässig ist.

Staatsanwalt Raymond Loop kam heute zum Schluss, dass die Beschwerden der Angehörigen der Opfer gegen eine vorzeitige Freilassung abgewiesen werden sollten. Denn die Opfer und ihre Familien seien nicht Partei in dem Prozess.

Angehörige der Opfer wehren sich dagegen

In den 1990er Jahren hatte Marc Dutroux sechs Mädchen entführt, missbraucht und in einem geheimen Verlies eingekerkert. Dort starben vier von ihnen. Seine Ehefrau trug eine Mitschuld, weil sie die beiden Mädchen Julie und Mélissa verhungern liess.

Martin war als Mittäterin zu 30 Jahren Haft verurteilt worden und hat davon 16 Jahre hinter Gittern verbracht. In Belgien ist eine vorzeitige Entlassung möglich, wenn mindestens ein Drittel der Strafe verbüsst ist.

Dutroux' Ex-Frau will künftig in einem Kloster in der südbelgischen Kleinstadt Malonne, in der Nähe von Namur, leben. Dagegen wehren sich Angehörige der Opfer. In der Ortschaft mit etwas über 5000 Einwohnern sind die Meinungen dazu geteilt.

Fehlen von Rechtsformen

Mit Michelle Martin, der Ex-Frau und Komplizin des belgischen Kinderschänders und Mörders Marc Dutroux, rückt nicht nur der Fall Dutroux wieder ins Zentrum der Diskussionen in Belgien. Die Kosten für Martins Schutz wird kritisiert wie auch das Fehlen von Rechtsreformen.

Nach belgischem Gesetz können Straftäter nach Verbüssung von einem Drittel ihrer Haftstrafe freigelassen werden. Martin hat 16 von 30 Jahren abgesessen. «Aber was muss man denn machen, um die volle Zeit im Gefängnis zu bleiben?», fragt Pol Marchal, dessen 17- jährige Tochter An von Dutroux ermordet wurde.

«Wir sprechen häufig von einer Vor- und einer Nach-Dutroux-Ära», sagte Brice De Ruyver, Direktor des internationalen kriminologischen Institutes der Universität Gent, der Nachrichtenagentur dapd.

Die durchgreifenden Justizreformen, welche die Regierung damals versprach, sind weitgehend auf der Strecke geblieben. «Die Verantwortlichen können der Öffentlichkeit nicht klarmachen, dass die Justiz heute besser funktioniert», sagte der Professor.

Im Gegenteil: Die frühzeitige Freilassung Martins sei ein weiterer Fehler. Denn Prämisse dafür sei, dass der Täter erfolgreich wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden könne. Hinter Klostermauern könne das jedoch gar nicht gelingen. «Wenn die Gesellschaft jemanden nicht zurück will, gibt es ein grosses Problem», erklärte De Ruyver.

Schutz Martins kostet

Dazu kommen die Kosten für den Schutz Martins vor möglichen Angriffen. Die Überwachung sowie Schutzmassnahmen für die Ex-Frau Dutroux' würden rund 120'000 Euro im Monat kosten, wird Vincent Gilles, Präsident der Polizeigewerkschaft SLFP, in der Mittwochsausgabe des Wochenmagazins «Le Soir Magazine» zitiert.

Das Heft schätzt die bisherigen Kosten des Gefängnisaufenthalts Martins auf über 735'000 Euro. Experten wie De Ruyver kritisieren, dass das Geld dann an anderer Stelle für die viel wichtigere Verbrechensbekämpfung fehle.

Wie viele Polizisten rund um das Kloster in der Ortschaft Malonne bei Namur für Ruhe sorgen sollen, wollen die lokalen Behörden nicht sagen. Laut dem Bürgermeister von Namur würden die Sicherheitskräfte nicht nur Martin beschützen, sondern sie sollen auch mögliche Demonstrationen in geordnete Bahnen lenken.

(sda)

Erstellt: 28.08.2012, 12:26 Uhr

Bildstrecke

Chronologie: Der Fall Marc Dutroux

Chronologie: Der Fall Marc Dutroux Der Belgier entführt und missbraucht in den 90er-Jahren sechs Mädchen, vier von ihnen sterben. Seine Ehefrau Michelle Martin wird als Mittäterin verurteilt.

Artikel zum Thema

Ex-Frau von Marc Dutroux darf ins Kloster

Als Komplizin des berüchtigten Kinderschänders Marc Dutroux misshandelte sie mehrere Mädchen – drei der Entführungen endeten tödlich: Nun wird Michelle Martin vorzeitig aus der Haft entlassen. Mehr...

Die Frau des Monsters

In Belgien kommt Michelle Martin frei. Sie war die Komplizin des Kinderschänders Marc Dutroux. Mehr...

Fall Dutroux: Anwalt konsumierte Kinderpornos

Er galt als Symbol im Kampf gegen Kindesmissbrauch, hatte selber aber keine reine Weste: Der Anwalt, der Opfer des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux vertrat, ist wegen Besitzes von Kinderpornos verurteilt worden. Mehr...

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Blogs

Sweet Home 15 geniale Ideen für die Küche

Michèle & Friends Was ich alles nicht tun werde

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Sprudelwasser: Ein Eisbär taucht in seiner Anlage im Zoo von Gelsenkirchen. (16. Oktober 2018)
(Bild: Martin Meissner) Mehr...