Fabrice Anthamatten ist gefasst

Der mutmassliche Mörder von Adeline M. wurde an der Grenze von Deutschland zu Polen festgenommen. Laut der Polizei von Baden-Württemberg fand man bei Anthamatten die mögliche Tatwaffe.

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Fabrice Anthamatten, der mutmassliche Mörder der jungen Sozialtherapeutin, die am Freitag ausserhalb von Genf tot aufgefunden worden war, ist in der polnischen Ortschaft Kolbaskowo nahe der deutsch-polnischen Grenze verhaftet worden.

Die Polizei habe den Mann am Nachmittag festgenommen, teilte die Genfer Staatsanwaltschaft mit. Er war demnach in dem weissen Citroën mit Genfer Kennzeichen unterwegs, mit dem er mit der Sozialtherapeutin am vergangenen Donnerstag zuletzt gesehen worden war. Nach Angaben der deutschen Bundespolizei konnte auch die mutmassliche Tatwaffe sichergestellt werden.

Der wegen zwei Vergewaltigungen zu insgesamt 20 Jahren Haft verurteilte Anthamatten hatte am Donnerstag seinen zweiten Freigang aus dem Zentrum für Sozialtherapie «La Pâquerette» in Genf. Zur Reittherapie wurde er von der 34-jährigen Sozialtherapeutin begleitet.

Als die beiden um 11 Uhr nicht zum Termin in der Reithalle erschienen und die Sozialtherapeutin auf Handyanrufe nicht reagierte, wurde Alarm geschlagen. Die Frau wurde am Freitag tot aufgefunden.

Flucht quer durch Deutschland

Fabrice Anthamatten war seither auf der Flucht. Die Spur verlor sich am Bahnhof im deutschen Weil am Rhein. Beamte in Südbaden suchten am Freitag und Samstag mit zahlreichen Streifenwagen sowie Spezialkräften und einem Helikopter vergeblich nach dem Mann. Seit Samstag wurde der Verdächtige auch via Interpol international gesucht.

Die internationale Fahndung wurde von den Genfer Justizbehörden koordiniert. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft wurde die Festnahme durch die internationale polizeiliche Zusammenarbeit und Hinweise in der deutsch-polnischen Grenzregion Schwedt ermöglicht.

Die Genfer Staatsanwaltschaft hat ein Auslieferungsgesuch an Polen gestellt. Im Rahmen der internationalen Rechtshilfe werde dieses nun geprüft, schrieb die deutsche Bundespolizei in einer Mitteilung.

Kritik an Strafvollzug

Der zweite Fall einer getöteten jungen Frau innert weniger Monate - nach dem Fall Marie im Kanton Waadt - löst erneut schweizweit Kritik am Umgang mit gefährlichen Gewalt- und Sexualstraftätern aus.

«Unser Justizsystem kümmert sich zu sehr um die Täter. Sie erhalten viel Aufmerksamkeit und Pflege», sagte die Waadtländer Sicherheitsdirektorin Jacqueline de Quattro der «NZZ am Sonntag».

Sie kritisiert, dass jeder Kanton eigene Regeln für den Strafvollzug hat und fordert einen strengeren und schweizweit einheitlichen Strafvollzug. In der Schweiz wird dieser in drei verschiedenen Konkordaten teils unterschiedlich geregelt. Gemäss de Quattro dürften etwa in Deutschschweizer Kantonen nur Männer Freigänge von gewissen Häftlingen begleiten.

Ins gleiche Horn stösst der Zuger Polizeidirektor Beat Villiger im «SonntagsBlick». Die drei Konkordate müssten zusammengelegt werden. «Für die Beurteilung von gemeingefährlichen Straftätern sind einheitliche Standards zu erarbeiten.»

Laut Villiger hat die Konferenz der kantonalen Justiz-und Polizeidirektoren (KKJPD) bereits die Weichen gestellt und einen Ausschuss damit beauftragt, Vorschläge auszuarbeiten. Auch de Quattro will in der KKJPD die Diskussion darüber lancieren, wen die Justiz beschützen soll; «den Täter oder die Gesellschaft». (kpn/rbi/sda)

Erstellt: 15.09.2013, 10:38 Uhr

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