Feen-Plage in Wayford Woods

In einem Wald in der englischen Grafschaft Somerset wimmelt es von kleinen, an Bäumen befestigten Türen. Sie sollen die Behausungen der ansässigen Feen schützen.

Wo man auch hingeht in Wayford Woods – an den kleinen, bemalten Feen-Türchen kommt keiner vorbei. Foto: Matt Cardy (Getty Images)

Wo man auch hingeht in Wayford Woods – an den kleinen, bemalten Feen-Türchen kommt keiner vorbei. Foto: Matt Cardy (Getty Images)

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Jahrhundertelang haben sie fast unbemerkt an Flussufern und in Gärten gehaust – oder im Unterholz englischer Forste. Die Feen waren immer schon Teil der Insel-Geschichte. Jetzt aber fragen sich die Hüter eines Wäldchens in der Grafschaft Somerset, ob die kleinen Wesen es nicht übertrieben haben bei ihrer Zuwanderung nach Wayford Woods, ins örtliche Gehege.

Natürlich, beteuert Wayford-Woods-Treuhänder Steven Acreman, habe man «absolut nichts gegen Feen» einzuwenden. So langsam aber nehme «die Sache» überhand. Mit der «Sache» meint Acreman das Auftauchen von Feen-Türchen allerorten. Die ebenerdig angebrachten Miniatur-Türen, oft mit winzigen Scharnieren in die Baumrinde oder in Wurzellücken genagelt, haben sich in den letzten Jahren über den ganzen Wald hinweg ausgebreitet. Hunderte davon gibt es inzwischen – nussbraune, bunte, rosa- und rauschgoldfarbene, aus Holz oder Plastik oder sonstigen Materialien gefertigt, und mit Herzen, Sternen und ­allerlei Namen bepinselt.

Zauberhaft – am Anfang

Wo man sich auch tummelt in Wayford Woods, stösst man auf die plötzlich sichtbar gewordenen Eingänge zu vormals versteckten Behausungen. Ganz am Anfang, vor einigen Jahren, sei das ja noch lustig gewesen, seufzt Steven Acreman. Als das erste Türchen auftauchte, war es eine zauberhafte Erscheinung.

Seither haben es die Feen aber an Diskretion und ästhetischem Empfinden sehr fehlen lassen. Je mehr Kinder von der Feen-Niederlassung in Wayford Woods ­erfuhren, desto weitläufiger scheint sich das Wäldchen mit kuriosen Eingängen aller Art bevölkert zu haben. Mancherorts fand man sogar Feen-Mobiliar hinter den Feen-Türen. Kürzlich soll ein ganzer Feen-Spielplatz gesichtet worden sein.

Von weither kommen Familien angereist, um nach den Türen zu suchen. Und überall stösst man auf kleine Wunschzettel mit Bittlisten für die Zauberwesen. Diese Zettel flögen nun, klagen die Waldhüter, massenhaft durchs Gehölz. Und manche der Scharniere der Türen beschädigten leider den Baumbestand. Aus abgefallenen oder abgerissenen Türchen ragten ausserdem Nägel heraus, an denen sich Mensch und Tier verletzen könnten. Und rauschgoldfarbene oder mit Kinkerlitzchen versehene Türchen seien vielen Spaziergängern schlicht ein ästhetischer Gräuel.

Die englische Autorin Sara Maitland, Verfasserin einer Geschichte mit dem Titel «Wie ich zur Feen-Patin wurde», hat keine solchen Probleme mit den Feen-Türchen. «Wir sagen immer, wir wollen, dass unsere Kinder mehr in die Natur hinauskommen», meint sie. «Ich wette, diese kleinen Türen führen zu sehr viel mehr Kinderbesuchen im Wald.» Oft sei ja auch von der Notwendigkeit fantasievollen Spielens die Rede im Lande. Statt alles als kindischen Unfug abzutun, sei es darum viel besser, den Wald mit Wunderlichem, mit märchenhaften Geschichten zu bevölkern.

Kein Vergnügungspark!

Und auch Steven Acreman und seine Waldhüter in Somerset haben, wie gesagt, «absolut nichts gegen Feen». Dennoch halten sie es für nötig, dem Überhandnehmen des «kleinen Volkes» und dem Wildwuchs seiner schrulligen Hauseingänge zu wehren. Zu einem Vergnügungspark, meinen sie, dürfe man den Wald nicht verkommen lassen.

In jüngster Zeit sind mithin lädierte Türchen entfernt worden und herumfliegende Wunschzettel verschwunden. Schilder suchen, die Feen-Ansiedlung auf eine kleine verwunschene Ecke von Wayford Woods zu beschränken. Mit solchen Aktionen, meinen die Waldhüter, hätten sie selbst natürlich nichts zu schaffen. Es seien wohl «die Kobolde des Waldes», die sich hier ein­geschaltet hätten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.03.2015, 21:51 Uhr

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