Feuerregen im Weizenfeld

Den Menschen im Dorf Grabowe bietet sich ein Bild des Grauens: Rund um die Absturzstelle von Flug MH 17, tief im Osten der Ukraine, sind Trümmerteile der Maschine, Gepäckstücke und entstellte Leichen zu sehen.

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Rund um das Dorf Rossipne in der Ostukraine erstrahlen die Felder im Gelb eines Meers von Sonnenblumen. Doch nur wenige Kilometer weiter im Dorf Grabowe stören willkürlich in den Boden gerammte Pfähle und Äste die Idylle. Weisse und rote Tücher flattern an ihrer Spitze. Sie markieren Leichenteile von Insassen des abgeschossenen Passagierflugzeugs der Malaysia Airlines.

In langen Reihen stapfen Polizisten, Bergleute und andere Helfer durch die Sonnenblumenfelder zwischen Rossipne und Grabowe. Die Dörfer sind rund 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Viele der Helfer tragen Overalls, die Bergleute, die ausserhalb ihrer Arbeitszeit hinzugekommen sind, haben nicht einmal ihre russverschmierte Arbeitskleidung gewechselt und sind zum Ort des Unglücks geeilt.

Vielleicht das Souvenir eines Touristen

Immer wieder finden die Helfer Leichen oder einzelne Körperteile. Ein Mann fällt in Ohnmacht, als er in den Feldern auf einen Toten stösst. Zahlreiche Gegenstände sind über das mehrere Kilometer breite Absturzgebiet der Boeing-Maschine verteilt. Uhren, Mobiltelefone, verkohlte Boardingpässe, Reisepässe:Alles landet auf Stapeln. Was damit geschehen soll, spielt erstmal keine Rolle.

Viele der Menschen an Bord von Flug MH17 waren Urlauber. Ein Reiseführer von Bali zeugt von den Plänen für die kommenden Wochen, die so jäh zunichtegemacht wurden. Die Maschine war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur, mindestens 173 Passagiere waren nach Angaben der Fluggesellschaft Holländer. «I love Amsterdam» steht auf einem gefundenen T-Shirt – vielleicht das Souvenir eines Touristen an eine schöne Zeit in den Niederlanden.

Buk-Raketenwerfer gesehen

Nach Erkenntnissen der USAund der Ukraine war dies kein Unfall, die Maschine wurde von einer Boden-Luft-Rakete ohne Vorwarnung vom Himmel geholt. Nach Angaben von Anton Geraschenko, Berater des ukrainischen Innenministeriums, flog das Flugzeug in einer Höhe von 10'000 Metern und dort oben von einer Rakete vom Flugabwehrsystem Buk getroffen. Er bezog sich auf Geheimdiensterkenntnissen.

Das Waffensystem Buk kann Raketen bis zu 22'000 Meter in die Höhe schiessen. Nach Expertenangaben verfügen sowohl die russische als auch die ukrainische Armee darüber. Unklar ist, woher die Separatisten die Waffe haben könnten, sollten sie für die Tat verantwortlich sein. Sie wiesen ukrainische Vorwürfe zurück. AP-Reporter berichten indes, sie hätten etwas wie einen Buk-Raketenwerfer bei der Ortschaft Snischne gesehen, die von den Separatisten gehalten wird.

Einen Teil des Rumpfes gefunden

Für ein abruptes Auseinanderbrechen des Flugzeugs in der Luft - und damit für einen Abschuss - spricht nach Experteneinschätzung die breite Streuung der Trümmerteile. Viele kleine Teile finden sich in den Feldern zwischen Rossipne und Grabowe;das Cockpit und eine Turbine liegen ungefähr einen Kilometer auseinander; ein Stück des Hecks entdeckten Anwohner nach eigenen Angaben etwa zehn Kilometer weiter. Auch ein Kämpfer der Aufständischen bestätigt der AP, er habe einen Teil des Rumpfes gefunden.

Die Ukraine, westliche und asiatische Regierungen fordern eine internationale Untersuchung des Vorfalls und eine Bestrafung der Schuldigen. Doch das ist nicht so leicht, denn die Separatisten kontrollieren das Absturzgebiet und lassen niemanden ohne spezielle Erlaubnis ein. Das macht die Suche und Aufklärung gefährlich.

Auf der Strasse von der Grossstadt Donezk nach Rossipne haben die Aufständischen fünf Kontrollpunkte eingerichtet. An jedem untersuchen sie Pässe und Papiere. Wenige Kilometer weiter gehen die Kämpfe zwischen Separatisten und Militär weiter. Das dumpfe Grollen der Granaten und Raketenwerfer liegt in der Luft. (bru/AP)

Erstellt: 18.07.2014, 12:33 Uhr

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